Als die Fadinger 025/26 jubilierten

Eine kurze Nachlese zum 175er:

Vollendet das ewige Werk“ entweicht es Göttervater Wotan im Anblick der, von den Riesen Fafner und Fasolt errichteten Burg Walhall … Nun Burg ist es keine geworden, wohl aber ein Werk über ein ehrwürdiges Haus: Das längst überfällige Geschichtsbuch „Die Fadingerschule“ <<<

                    


Von Christian Diabl

LINZ. Wenn die künftigen Fadingerschüler im Jahr 2051 die Zeitkapsel öffnen, können sie lesen, was ihnen ihre Vorgänger 2026 hinterlassen und sich für die Zukunft gewünscht haben. Die Schule wird dann 200 Jahre alt sein, befüllt wurde die Zeitkapsel diese Woche anlässlich des 175. Jubiläums, das bereits seit Beginn des Schuljahres mit vielen verschiedenen Aktivitäten gefeiert wird.

Am Dienstag konnten die Schüler in der druckfrischen Chronik „Die Fadingerschule“ blättern und in die Geschichte der traditionsreichen Institution eintauchen – mit großem Interesse, wie Direktorin Sylvia Bäck berichtet. Hauptautor der Chronik ist Egbert Bernauer, selbst Absolvent und elf Jahre Lehrer für Musik und Geschichte an der Fadingerschule. Der 58-Jährige erzählt mit viel Liebe zum Detail von besonderen Ereignissen, von Lehrern und Direktoren, die diese Schule geprägt haben, und Schülern, die von ihr geprägt wurden. Viele prominente Namen sind mit der Fadingerschule verbunden.

Schule der Wirtschaftspioniere

Allen voran ist da natürlich Adalbert Stifter, damals Schulinspektor, der die zweitälteste höhere Schule in Linz 1851 gegründet hat und eine prägende Figur der Anfangsjahre war. „Es war eine praxisnahe und technisch orientierte Schule, weshalb viele Wirtschaftspioniere, die die oberösterreichische Industrie aufgebaut haben, ihre Söhne hergeschickt haben“, sagt Bernauer. In den Jahrbüchern finden sich Namen wie Konrad Rosenbauer und Ludwig Hatschek oder die Brüder Schuppler und Römer, die Söhne der Gründer der Papierfabriken von Nettingsdorf und Laakirchen. Auf dem ältesten Maturafoto aus dem Jahr 1884 ist mit Camillo Kohn der Enkelsohn des ersten Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Linz zu sehen, später ein renommierter Universitätsprofessor, der von den Nazis im Theresienstadt ermordet wurde. Unter den Schülern waren bedeutende Künstler wie der Linzer Maler Klemens Brosch, Franz Sedlacek und Hans Pollack.

Die Schulchronik ist auch ein Stück Stadt- und Gesellschaftsgeschichte, ein Spiegel ihrer Zeit, vom Aufbruch in die Moderne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts bis zur Digitalisierung der letzten Jahre und Jahrzehnte. „Die Schule hat einen ganz wichtigen Stellenwert in der Linzer Stadtgeschichte“, sagt Bernauer. Als Quellen dienten dem 58-Jährigen vor allem Jahrbücher und Tageszeitungen, viele Fotos lockern die 188 Seiten starke Chronik auf. Wichtige Meilensteine waren stets auch vom Engagement Einzelner abhängig, von Gemeinderäten, Unternehmern, Direktoren oder dem Elternverein. Da wären etwa der Umzug der Schule von der Steingasse in den Neubau in der Fadingerstraße im Jahr 1909, die Aufstockung 1960/61 oder die Revitalisierung in den 1980er-Jahren.

Noch heute fühlen sich viele Absolventen der Schule verpflichtet. „Die Menschen, die hier in die Schule gegangen sind, haben eine ganz starke Verbundenheit“, sagt Bäck. Das zeigt auch die Chronik, für die ehemalige Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Linz-AG-Generaldirektor Erich Haider ihre Erinnerungen an die Schulzeit aufgeschrieben haben. Wie die Fortschritte haben auch die Verwerfungen der österreichischen Geschichte tiefe Spuren hinterlassen, etwa als 1914 ganze Klassen freiwillig in den Ersten Weltkrieg zogen, nach dem Anschluss 1938 die jüdischen Kinder die Schule verlassen mussten und ihre ehemaligen Schulkameraden im Zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelfer oder gleich an die Front eingezogen wurden.

Und da sind natürlich die bekanntesten Ex-Schüler, die sich anders als oft behauptet wohl kaum direkt begegnet sind – Adolf Hitler, der im Jahr 1900 in die erste Klasse eintrat, wiederholen musste und schließlich an die Realschule in Steyr wechselte, und der weltberühmte Philosoph Ludwig Wittgenstein, der die Schule von 1903 bis 1906 besuchte. Auch mit anderen Mythen räumt Bernauer auf – so war der NS-Kriegsverbrecher Ernst Kaltenbrunner im Gegensatz zu Adolf Eichmann nie Schüler der Realschule, sondern besuchte die spätere Khevenhüllerschule.

Kreativer Aufbruch

Bernauer führt die Chronik bis in die 1970er-Jahre, danach übernimmt sein langjähriger Kollege Manfred Pilsz, der wie kein anderer für den kreativen Aufbruch der Schule steht. Pilsz gründete als Musiklehrer Mitte der 1970er-Jahre die Bühnenspielgruppe, drehte mit Schülern preisgekrönte Filme und Musikvideos, initiierte „Radio FRO“ und vieles mehr.


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Das FADINGER „SCHUL-BUCH“

Ein Luxus, den sich andere Linzer Bildungstempel längst geleistet haben – und das ist gut so. Als Dr. Bernauer im Kepler Salon sein Buch über Ernst Kaltenbrunner vorgestellt hatte und daraufhin ein Fadinger Absolvent noch nächtens den Kriegsverbrecher aus der Fadingerschule in das tatsächlich zuständige Linzer Gymnasium auf Wikipedia umgemeldet hatte, begann bei Bernauer und mir ein Projekt zu reifen. Der Entschluss „Nägel mit Köpfen“ zu machen erfuhr dann seinen Durchbruch, als der Name Kaltenbrunner nach wenigen Wochen per Wikipedia wieder in der Fadingerstraße aufschlug. Als auch nach einer Um- und Fortschreibung der Schulgeschichte auf Wikipedia sowie dem Austria Forum der Bumerang Kaltenbrunner abermals bei uns landete, war klar, dass man dies nachhaltig nur erreichen könnte, wenn die Schulgeschichte durch einen Historiker in Buchform erledigt würde. Sprich: Bernauer schreibt das Buch und ich bring mich mit Recherche, Archiv und eigenen Zeilen ein. Fehlte nur noch ein entsprechender Anlass das Ding loszutreten. Dies ergab sich, als ich eingeladen wurde mich beim Festkomitee zum 175er unserer Institution einzubringen. Da ich bereits beim 140er geübt hatte und das 150er Jubiläum stemmen durfte, sagte ich mit der Buch-Idee im Hinterkopf zu. Da ich damals gerade an Vorbereitungen zu einem Kepler Salon laborierte, schlug ich der dortigen Leitung vor einen weiteren Abend exklusiv für den 175er der Fadinger einzuplanen, denn mir war schon in meiner Aktivzeit als Lehrer wichtig unser aller Haus mit der Öffentlichkeit jenseits des Schultors in Kontakt zu bringen. Dies wurde dann in der am 19. Jänner 026 in Form eines Wittgenstein, Sprache, Schule, KI-Abends erfolgreich umgesetzt. Unser Hauptprojekt aber sollte im Sinne der heute bei Stadt- und Landesförderungen obligat erwünschten Nachhaltigkeit das Fadinger „Geschichtsbuch“ werden. Es gelang mir die Skepsis im Rahmen der Komitee-Sitzungen betreffend des mangelnden Interesses einer möglichen Leserschaft zu zerstreuen und die Vorbereitungen einzuleiten. Zu diesem Zweck kontaktierte ich die Kulturabteilung des Landes OÖ., die ich während meines Radioprojekts zum Bruckner-Jubiläum 2024 intensiver kennenlernen durfte. Herzlichen Dank speziell an Kulturdirektorin M. Nazzal für die Herstellung hilfreicher Kontakte, die nun eine solide finanzielle Basis garantieren. Dass sich die heurige Communale mit den Bauernkriegen beschäftigt war für uns „Fadinger“ auch kein Fehler. Darüber hinaus durfte ich erfreut bei Gesprächen mit Communale-Chef Honzig erfahren, dass Radio FRECH heuer ohnehin fixer Bestandteil dieser neuen Form der Landesausstellung sei. Dank & Anerkennung an das MRG-Leadingteam. – Die Fadinger sind immer & überall <<<

Vollendet das ewige Werk“ – nun aber braucht es Interessenten, Käufer und Leser. Fasolt & Fafner gingen unter – Bernauer/Pilsz hatten das nicht vor – sprich: Auffallen & Medien. Idealer 1. Rahmen: Das Fadinger Fest mit einem entsprechenden Auftakt: Die bloße Erwähnung des Reizwortes „Flashmob“ reichte aus (Bella konnte sich noch gut an unseren diesbezüglichen Oberstufen-Workshop ihrer Klasse in Wels erinnern). Die „spontane“ Aktion der Schule am Linzer Hauptplatz (2 Tage vor dem Festakt) im Beisein des ORFs (OÖ Heute) war eine ebenso gelungene Päsentation wie die ganzseitige, optimale Buch-Besprechung von C. Diabl (Ex-Fadinger) in den OÖN – Alle Achtung <<<

 

Ausgestattet mit Ton-/Lichttechnik & Personal von Bühnenmeister Ingo Kelp wurde eine,   von Zeremonienmeister W. Pfeffer bestens vorbereitete Show von dem jungen Fadinger Lehrer/Schüler:innenteam im herrlichen Festsaal toll umgesetzt. Wir durften Meister Pfeffer bereits 2008 bei den Vorbereitungen zu dessen Klangwolke kennenlernen – Radio FRECH war damals in Kooperation mit dem Brucknerfest als „Bruckner On Air“ unterwegs. Jahre später ergab sich ein Workshop mit Werner im Medienkonnex. Diesmal übernahm er die Abendregie für den Festakt. Begeistert verfolgten 200 geladene Gäste in Pfeffer‘scher Sessel-Formation, die an das englische Parlament erinnerte (Leitl) gewitztes Schul-Theater (Schule 1851 und heute), feine Kinder- und Lehrerinnen-Chöre, den genialen MRG-Film (- Marke Helene S & Team: Mix aus Steatments von Absolvent:innen & SW-Footage-Material) … Alles perfekt einmoderiert, garniert mit einem Spontan-Interview des „Blonden Engels“ (Dir. Bäck) und Grußworten des anwesenden LHs, Präs. Chr. Leitl, Großspender E. Haider (LinzAG) …

Beim „Get Togehter“ danach wurden bereits 15% aller Bücher zum Preis von 29.- signiert unter die Leute gebracht <<<

Bücher können jederzeit in der Direktion Fadingerstraße 4 reserviert & gekauft werden …

Bilder von Tom Mesic zum Festakt

Mehr zum Ganzjahresfest hier:

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45 JahreJesus Christ Superstar

Fast exakt 45 Jahre sind vergangen, seit jene Aufnahme entstand, welche meine Frühjahrssendung bei Radio FRO einleitete – Ein zwar nur kleines Jubiläum im Vergleich zu 175 Jahre Fadingerschule, aber ein recht großes für uns. Wer sind wir? Und wie kam es zu dieser exorbitanten JC-Aufführung? Ein Schüler- Absolventen- und Lehrerteam stemmte jenes gelungene Musik-Projekt:

Im Dezember `81 kam es im übervollen Brucknerhaus zur legendären, halbkonzertanten Aufführung von „Jesus Christ Superstar“. Prof. Ernst Deisinger hatte die Popkonzerte rund um die Kabarett-Premieren 1979/80 und die Bußfeiern vor Ostern verfolgt, bei denen SchülerInnen und LehrerInnen gemeinsam agierten (- damals: Kienzls „Evangelimann“ – Tenor Pilsz mit Kinderchor und Orgel in der Pfarrkirche). Der musikfirme Mathematiker Deisinger übernahm die Bearbeitung sowie musikalische Gesamtleitung bei „JC“ und führte das Fadinger Team zu einem großen Erfolg. Herodes und Pilatus durfte der damals noch junge Lehrer übernehmen, zum nachhaltigen Star avancierte allerdings Maturant Herbert Pichler, der den Jesus performte. Der Keyboarder, Jazzmusiker, Komponist, Dirigent ist heute eine große Nummer in Wien (- musikal. Leitung bei „Dancing Stars“). Von der Lehrerseite brachten sich bei diesem Groß-Projekt u. a. Johannes Kammerstätter, Joschi Auer, Erhard Strobl u. a. ein … Bei einem Interview, das ich vor geraumer Zeit mit Fredi Rauch machte, stellte sich per Zufall heraus, dass er Zeitzeuge der JC-Premiere im Brucknerhaus war … Positives Feedback gab‘s in allen Medien. Im sogenannten „Kinderradio“ (Unterstufen-Vorläufer von FRECH in den 80ern), das ich damals als Verantwortlicher begleiten durfte, wurde in jenen Tagen ebenso darüber berichtet …

M P

Hier die „JC Radiosendung:

F R O H E *** O S T E R N

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