Bayreuth 019 – im Zeichen der VENUS

„Heinrich  von  O f t h e r i n g en“

Tannhäuser ein Oberösterreicher?

Bruder Joseph war ein Freund und Förderer von Franz Schubert – Der zur schreibende Zunft gehörende Anton Ritter v. Spaun machte in seinem eher „mutmaßenden“ Buch „Heinrich v. Ofterdingen und das Nibelungenlied“ (verfasst Linz 1840) diesen zu einem Angehörigen des heimischen, traungauischen Geschlechts der Freien von Oftheringen am westlichen Abhang des „OÖ. Waldgebirges“ Kürenberg  –  zu einem Sohn des 1161 urkundlich bezeugten Adelram von Oftheringen und schrieb ihm (gleich Schlegel) das Nibelungenlied, außerdem aber auch noch den Laurin, Biterolf und die Klage zu. Wenig später (1880) verschmolz Julius Wolff in seinem Epos Tannhäuser gar Heinrich von Ofterdingen, den Kürenberger & eben Tannhäuser in der Trinität einer lebenden Figur zum (?) Dichter des Nibelungenliedes. H. Sachs hatte es 1513 bis Wels geschafft  …

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Bayreuther Pilgerfahrt 019 

Wie neben mir der schwerstbedrückte Pilger 
die Strasse wallt‘, erschien mir allzuleicht: – 
betrat sein Fuss den weichen Grund der Wiesen, 
der nackten Sohle sucht‘ ich Dorn und Stein; 
liess Labung er am Quell den Mund geniessen, 
sog ich der Sonne heisses Glühen ein  …

Bei 34 Grad im „Schatten“ (?) bog man neben der Hügel-Auffahrt in die einsam graue „Walkürenstraße“ ein. In den neuen Schuhen wund gegangen, barfuß am siedenden Katzenkopfpflaster – weit & breit kein Hans Sachs, der Milderung hätte verheißen können  –  nirgendwo ein Quell, der Labung & kein Herd, der eine Rast versprach  …

Wieder Hundstage am Fuße des Hügels – noch schlimmer als „Anno-dazumal“kropf.JPG

Anstrengende Anmärsche des autolosen Jung-Pilgers aus entfernten Privatquartieren zum mittäglichen Gasthof Kropf wurden wieder wach: Bei einem Pichlsteiner Eintopf hatte man Ende der 70er im Kampf mit Wespen im Gastgarten im Rahmen einer lauten Diskussion betreffend die Götz Friedrich Inszenierung einen günstigen Galerieplatz in Aussicht gestellt bekommen – Einlösung eine Stunde vor der Vorstellung neben dem Kartenbüro – mit der Garantie nach dem Schlussapplaus auch noch eine der begehrten Autogrammkarten aus den Händen von „Dame Gwyneth Jones“ zu erhalten  …          (- neben dem mit laufendem Motor wartenden Auto von Till Haberfeld)

                                          Bei Wolfgang Wagner war noch ALLES anders:                                      Das waren noch Zeiten, als man am Vormittag unangekündigt am Hügel erschien mit dem Ansinnen eines spontanen Interviews (Sendung für den ORF-Hörfunk) – das Tor zum Pressebüro war offen – man nahm im Vorbeigehen ein paar Inszenierungsbilder mit, klopfte danach beim Büro Wagner an – die Tür war nur angelehnt, er telefonierte, signalisierte winkend, dass es noch etwas dauern würde und man packte schon mal das Aufnahmegerät aus. Mit 1 bis 2 kurzen Unterbrechungen war nach 30 Minuten die Geschichte im Kasten  … Verabschiedung mit Dank an den edlen, fränkischen Enkel  …22-01-2018 11;45;12a.jpg     DSCN6674.JPGBei einem zarten Versuch in ähnlicher Weise Tochter Katharina vors Mikro zu holen, scheiterte der Kandidat Jahrzehnte danach kläglich an überbordender Bürokratie des „Hochsicherheitsgedankens BT“, der speziell nach 2015 mit voller Wucht überbordete.DSCN6685.JPGAbsperrung.JPGDSCN6691.JPG2019 – zum 100. Geburtstag des Bayreuther Langzeit-Intendanten Wolfgang Wagner (Vater der derzeitigen Festspielchefin Katharina) fand eine Gedenkveranstaltung im Festspielhaus am Vortag des neuen Tannhäusers statt  …

DSCN6672.JPGDSCN6657.JPGDSCN6666.JPGUnberührt von Hektik und frei von unbegründeten Ängsten: Das äußerst stimmige „Grabsingen“ um 10.00 hinter Wahnfried am Premierentag der Festspiele: Heuer intonierten die Bläser das Pilgermotiv aus „Tannhäuser“, während sich der Chor der Meistersinger annahm und wie alljährlich a cappella Bruckners „Locus iste“ ertönen ließ  …   Unter den zuhörenden Teilnehmern: Rene Kollo, der bereits beim Frühstück     im Eis-Cafe Wahnfried (nicht nur) von einem Linzer entdeckt worden war  …

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Apropos Bruckner: Wagner war bei keinem seiner Werke so unsicher wie bei seinem „Tannhäuser“  …   Heinrich, mir graut’s vor Dir ! – aber das ist „Geheimrats-Text“  …             Man ist fassungslos wieviele Fassungen der Bayreuther Meister hier getätigt hat:

Ich bin der Welt noch den Tannhäuser schuldig“, vermeinte R. Wagner wenige Tage vor seinem Tod in Venedig. An keinem seiner früheren Werke hat er soviel retuschiert und geändert. Es waren die MEISTERSINGER in ihrem ersten Entwurf, der also als Ergänzung und Korrektur seines Tannhäusers zu werten ist.

Der berühmte Titelrollensänger Niemann haut den Hut drauf (in die tobende Menge) Niemann.JPG

Die Aufführung des Tannhäuser 1861 an der Pariser Opéra ist als einer der größten Skandale in die Theatergeschichte eingegangen. In Paris hatte das Ballett im 2. Akt stattzufinden, weil die Mitglieder  des Jockey-Clubs während des 1. Aktes zu dinieren pflegten, um nach dem Ballett im 2. Akt sich „hinter die Kulissen zu näherem Verkehr mit den springenden Nymphen“ zu begeben. Wagner hatte sich diesbezüglich aber nur zum „Venusberg-Bacchanal“ vor dem 1. Akt überreden können. Alle 3 Vorstellungen endeten im Tumult  …

In rückübersetzter deutscher Version fand die Pariser Fassung 1867 in München auf die Bühne, jedoch mit unautorisierten Abweichungen. Nach nochmaligen kleineren Änderungen wurde 1875 Wagners „Tannhäuser“-Inszenierung der verdeutschten Pariser Fassung in Wien wegweisend. Seit 1891 ist das Werk auch im Repertoire der Bayreuther Festspiele, wo Cosima sogleich die Wiener Fassung zur Diskussion stellte. Ganz am Anfang steht aber die Dresdner Fassung der UA (- so auch heuer in BT):

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V E N U S  goes  R E V O L U T I O N

                                             „Frau Holda kam aus dem Berg hervor  …“

Nicht von ungefähr lautete der ursprüngliche Werk-Titel des Sängerkriegs auf der Wartburg: „Der Venusberg“ – In Tobias Kratzers Regieinterpretation wird Venus in Akt 1 & 2  zur dauerpräsenten Bühnenfigur, die mit ihrer „Chaostruppe“ (-der farbigen Dragqueen Le Gateau Chocolat und dem kleinwüchsigen Darsteller Manfred Manni Laudenbach, der als „R.W.“ unhörbar mit einer Blechtrommel à la Oskar Matzerath agiert) erstmals bei der Ouvertüre über die Leinwand eines Nesselvorhangs flimmerte. T.JPGTannhäuser“ als Clown & Beifahrer in einem Road-Movie: Bereits nach dem Einstieg (Pilgerthema), das die Wartburg und umliegende Waldungen (wie im Freischütz) aus Drohnenperspektive bot, wurde ihr kleiner grauer Lieferwagen sichtbar – Nein, keinWartburg“, wie man vermuten könnte, sondern ein französisches Modell auf dem Weg in die stillgelegte Biogasanlage der vorigen Bayreuth-Inszenierung. Am Scheitelpunkt des „Vorspiels“ zapfen die Outlaws fremde Tanks an, räumen einen Laden leer und töten mit ihrem Auto einen Wachmann. Mit einsetzendem Pilgermotiv taucht man in der Nacht unter, Heinrichs traurige Clownschminke wird nun für ihn Programm – er möchte aussteigen – im wahrsten Sinne des Wortes: Im Zwergen-durchsetzten Märchenwald bei Frau Holle (- Holda die freie“ = Freia = Venus) hält ihn nichts mehr. „Grimmiger“ als erwartet wars dort dem Tenor zupass gekommen. Wenngleich ihm der Abschied aus dem Happy-Hippie-Milieu seines freien Künstlertums nicht leicht fällt – im inneren Kampf der Venusberg-Szene obsiegt trotz Idealbesetzung Elena Zhidkova bei Heinrich der Wunsch nach Rückkehr in eine geordnet gesicherte Welt …  wahrscheinlich wohl wissend wie prächtig Gegenspielerin (?) Elisabeth Lise Davidsen stimmlich disponiert ist  …  Befreiung von der „Freiheit“ ? …

gayreuth.JPGroadmovie.JPGIn dieser Phase der Inszenierung ist der ahnende Rezipient noch etwas irritiert durch Accessoires wie den „Grünen Schlingensief/Hörl-Hasen“ am Autodach, parodistische und Kabarett-artige Überzeichnungen, die man eher mit Nestroys „Prügelei“ und der Studiobühne bei Steingräber in Verbindung bringen würde. Wenn man allerdings dabei das Satyrspiel der „Meistersinger“ vor Augen hat, die für Wagner extrem hohe Zahl der Fassungen und dessen Unzufriedenheit mit seinem Tannhäuser bis zuletzt, so wird man der Geschichte offener begegnen  …

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Das Zauberwort Maria katapultiert jedenfalls auch in dieser 2019er Variante den kühnen Sänger auf die „Sichere Seite“ eingehüllt im Wattebausch der Romantik, von der Regie visuell untermauert durch einen Caspar David Friedrich. Die „Hirtin“ erscheint mit dem Fahrrad, um sich schließlich einem fein gedressten Pilgerzug von Festspielgästen anzuschließen (- die edle „Scheune“ am Hügel bildet den zentralen Bühnenhintergrund), die allerdings textlich vorgeben den Bußgang nach Rom antreten zu wollen  …   Ob nun Rom, oder vielleicht doch die Wartburg mit dem Bayreuther Tempel gemeint sei: Bleibt offen !

Egal – es erscheinen als Ordnungshüter uniform Walther, Wolfram & Co. und erkennen unter der Schminke des eingedrungenen Fremden ihresgleichen – die uneinheitlich gebremste Wiedersehensfreude entlädt sich bei einem fragwürdigen Kurzauftritt von Elisabeth in einer Ohrfeige – der Vorhang fällt nachdem Venus eine Hügelabsperrung mit ihrer Karre devastiert.

DSCN6695.JPGIn der ersten Pause war nämliche Venus-Truppe dann am & um den Festspielteich         zu erleben: Oskar paddelte, die Queen sang Hits von Madonna bis Lady Gaga. Das Freiluftintermezzo (bei 40 Grad im Schatten) wurde von einer Schar Polizisten bewacht. Dazu gehörte auch eine pittoreske Reiterinnenstaffel von Ordnungs-Walküren – der Ex-Innenminister würde wohl vor Neid zartblau erblassen.                                                    Nach Ende der Beachparty hob der 2. Teil fulminant ab:

VENUS verlässt den Orbit & mischt mit ihrer Entourage die WARTBURG auf

Der gesamte Aufzug funktionierte im „Making-of-Modus“ – dies erzeugt einerseits eine oft überflüssige Distanz zum rein textlich musikalischen Geschehen, ja lenkt von selbsttragender Musik lästig ab, eröffnet aber andererseits ganz neue Sichtweisen, Beziehungsmuster und unterhält köstlich ! (- Das könnte die „Werkstatt Bayreuth“ also in den Folgejahren auch noch gesamtheitlich positiv in den Griff bekommen)

Wolfram kümmert sich als „Guter Onkel“ im Fokus der SW-Kamera auch hinter den Kulissen um die, in ihrem Unglück sich selbst ritzende Elisabeth (– wie weiland Daland) führt er sie „Freund Heinrich“ zu, während pünktlich zum „Einzug der Gäste“ Venus mit ihren beiden Trabanten in den Hochsicherheitsbereich Festspielhaus eindringt, wo man am Balkon ein Pamphlet hisst: Frei im Wollen, frei im Thun, frei im Genießen! – Der das schrieb, war für die Revolution entbrannt und hatte sich auf die Barrikaden von Dresden begeben. „Zerstört sei alles, was Euch bedrückt und leiden macht, und aus den Trümmern dieser alten Welt entstehe eine neue, voll nie geahnten Glücks.“ Im Bayreuth eines drückend heißen Sommers 2019 tauchen jedenfalls seine Parolen wieder auf.vorher nachher.JPGEin weiblicher Edelknabe wird von Venus geknebelt & gefesselt, des Kostüms beraubt und so fast die gesamte Chorstelle optisch geopfert. Um so köstlicher in der Folge der „Catwalk“ der Sänger und die Reaktionen der hervorragend spielenden „Edelknäbin Venus“ zum Geschehen. Entbehrlich: Die unmotivierte Drangsalierung einer Bühnen-Harfenistin und des Bayreuther Polizeieinsatzes per Telefonat durch Intendantin Katharina Wagner (- zuerst im Film und dann auch noch auf offener Bühne) während der „Erbarm Dich mein – Szene“ …    Abermals zeigt sich hier wenig Vertrauen der Regie in die gesamtkunstwerkliche Musik ! Zudem kommt es durch den „Zugriff“ hier auch zu Verunsicherungen in der Großensembleszene und es scheint auch die Harmonie mit dem Orchester von Seiten des Dirigats nicht mehr voll gegeben –  Valery Gergiev hat ab & an Probleme mit dem spezifischen Bayreuther Klang (- siehe „Romerzählung“)3 fg.JPG

Es stellt sich jedenfalls am Ende des 2. Akts die Frage inwieweit die eingespielten Filmsequenzen & Handkamerabilder noch Mittel zum inszenatorischen Zweck sind, oder bereits zum Selbstläufer im Sinne eigenständiger Musikvideos werden (- Gute Erinnerungen an Musikfilme wie „Aria werden wach) – Venus turnt mit den Ihren zwischen Film und Bühne unstet hin und her. Nach Tannhäusers Ausruf: „Nach Rom !“ wird dieser zur polizeilichen Behandlung abgeführt  …  Poli BT.JPG

Reclam-Wagnerianer“ könnten nun monieren, dass Venus im gesamten 2. Akt nichts verloren hätte – laut Textbuch nicht, sehrwohl rechtfertigt dies allerdings ihre Präsenz in der Musik  …  Wie fast durchwegs ist Kratzers Ausdeutung intelligent, konsequent und originell unterhaltend umgesetzt:

Im 3. Aufzug sucht Elisabeth in höchster Verzweiflung ihren vermissten Heinrich bei den Gesellen von Venus auf einer „Müllkippe“ der Gesellschaft, wo Oskar (nachdem er zuvor Revolutionstexte am WC zweckentfremdet) mit ihr das karge Mahl teilt, als doch noch letzte Pilger eintreffen (- die diesmal nicht wie die Festspielbesucher des 1. Akts aussehen) – Dieses letzte Aufgebot in dem Elisabeth vermeint Tannhäuser entdeckt zu haben, besteht aus obdachlos Gestrandeten, Menschen mit Migrationshintergrund  …

„Schon fällt das Laub“ – eine fahle Herbst-Stimmung – Alles stimmig und doch ganz anders in dieser Auflösung dieser „Quattro-Stagioni-Opera“ – Begonnen hat alles in der aufgeheizten und dann doch winterlich Gefühls-kalten Venusberg-Welt, gefolgt vom neuen Frühling: „Der Mai, der Mai war kommen“. Es schließt zwischen dem 2. & 3. Akt die sommerlich heiße Pilgerreise nach Rom an und im 3. Aufzug spätherbstlich     die Rückkunft inklusive des finalen Wunders im diesmal weihnachtlichen Winter  …

Wolfram erkennt die aussichtslose Situation Elisabeths, holt aus dem Autowrack Kostüm & Perücke Tannhäusers in Anpassung bis zur Selbstaufgabe. Elisabeth gibt sich willig diesem Rollenspiel und schließlich dem von der Wirkung sichtlich überraschten keuschen Sänger hin, um im selben Moment wie er daran endgültig zu zerbrechen. Hat Elisabeth zuvor ihre Zwänge (Gewandung) abgestreift, so reißt sich nun Wolfram seine „Verkleidung“ vom sündigen Leib, als ihm der Abendstern dämmert und stolpert in die Arme eines „Fremden“ – Heimkehrer Heinrich steht vor ihm – ein weiteres „Wrack“ auf diesem Friedhof der „Heilen Welt“ – der grauen Hoffnungslosigkeit angepasst folgt dessen ungeachtet die göttlich von Stephen Gould interpretierte Romerzählung, die unbewusst zur Anklage Wolframs gerät  …

3 feme.JPGDass die altrevolutionäre Venus sich dann in Femen-Aufmachung rückrunden möchte und Heinrich mit seiner suizidär toten Elisabeth in einer fiktional finalen Fortsetzung des Roadmovies ins Paradies cruist, deutet darauf hin, dass die Regie schlussendlich (noch) auf keinen wirklich (erlösenden) „Grünen Zweig“ gekommen ist  …

Manfred Pilsz

Für alle Neueinsteiger hier noch mal schnell die originale Handlung

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder … , die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

In Gedenken an den genialen Bayreuther Karikaturisten Klaus Häring:DSCN6743.JPGDSCN6753.JPGDSCN6730.JPGwalhalla heute.jpgDSCN6652.JPGIMG_7649.jpg

TANNHÄUSER  –  MÜNCHEN

LOHENGRIN  –  BAYREUTH 018DSCN6762.JPG

Freunde des Linzer Musiktheaters

R W V  Linz

R I N G   2 0 2 0

KA GÖD – KA MUSI

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K A  G Ö D  –  K A  M U S I

Wenn ein genialer Gunkl mit 3.333 Euro Preisgeld quasi „abgespeist“ wird, Leute von einem Moneymaker-Moderator in einer Gelddusche zum ferialen Abend-Gaudium medial vorgeführt, sich selbst vor laufender Kamera Geld raffend demütigen dürfen, sich andererseits jeder „Wer wird Millionär“-Kandidat mit weniger als 16.000.- für sein zur Schau gestelltes „Multiple Choise-Wissen“ in der Rolle des Looser sieht & das Geschlecht im Ballsport allein mehrere Millionen Differenz (Transfair ?) ausmachen kann, dann sollte man auch diesen Wahnsinn vielleicht einmal in Ruhe hinterfragen !

Jeden Sonntag Mittag, wenn man im Autoradio das Ö1 Quiz: „gehört.gewusst“ bewusst hört und die Kandidaten blitzschnell ohne 4 Auswahlmöglichkeiten oder Joker wirkliche Insider- und spezielle Wissensfragen aus dem Sektor Kultur zu beantworten haben und im Gegenzug bescheiden mit CDs und Büchern belohnt werden, so überkommt den Hörer eine unbestimmte Wehwut, warum es am Sektor „Unterhaltung“ (nicht nur in diesen Fall) heute eine so entsetzliche „Schieflage“ geben muss  …  speziell auch wenn man sich an ein  im Anspruch adäquates einstiges Quiz 21 (mit Rudolf Hornegg) erinnert  …     (- auch Kulis EWG lässt grüßen)

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Bildungsauftrag, „Ethikunterricht“ für ALLE (?) oder doch Einschaltquote ?

Während Peter Rapp sich und sein Millionenrad endgültig wegpacken musste, bricht auch weiterhin pünktlich zum Auftakt des Hitzesommers – fein abgestimmt auf die ostösterreichische Ferienordnung – die allabendliche Gelddusche über den ORF-Seher nun am Vorabend herein: Nehmen Sie jetzt die Schlussstellung ein“ – suggeriert bzw. empfiehlt der Moderator hilfreich seinen „KadidatInnen“, die sich daraufhin in „Bezaubernde Jeannie-Positionen“ begeben, um dem Geldscheinregen so möglichst viel an „Oberfläche“ devot darbieten zu können  …

Zwischendurch werden als „Pausenfüller“ ein paar „Goldene Philharmoniker“ an Anrufer verramscht, die diese hinter einem virtuellen Spielfeld aufspüren dürfen  …                                                                                          H e u r e k a ! ?

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Apropos: Philharmoniker  – Die Künstlerwelt besteht nicht nur aus Domingos, Dalis, Harry Potter Literatur & -Verfilmung  …  Es gibt auch den regionalen Kunstbereich, die alternative Szene und wenn es „1. Häuser“ gibt, so muss es wohl auch 2. & 3. geben  … Neben Festspielen existiert auch durchaus herzeigbares „Sommertheater“ und „Große Oper“ passiert häufig in direkter Nachbarschaft von Programmkinos und Kabarett-Lokalen – wobei (frei von „Hader“) Kleinkunst nicht zwanghaft Kleingeld bedeuten muss oder soll  …

Wenn der österr. Kabarettpreis betreffend seiner eher bescheidenen Summe hier im Auftakt des Beitrags Erwähnung fand, so sein gleich klargestellt, dass er unabhängig vom Geldwert nicht nur für den von der Jury Auserkorenen wichtig ist und dass es in erster Linie natürlich um die Anerkennung der künstlerischen Leistung geht ! – Selbiges gilt auch für andere nicht oder gering dotierte Preise, Auszeichnungen und Ordensverleihungen. Es steht darüber hinaus selbstverständlich jeder Institution frei die Betragshöhen („No Na„) festzulegen, denn es sind ja ihre Finanzmittel (auch wenn es sich wohl wissend um Steuern handelt), die hiefür aufgewendet werden – ein großer Dank an alle Verantwortlichen !

In einer Künstlerdoku, die kürzlich bei einem Film-Festival zu sehen war hat sich ein nicht unbekannter OÖ. Literat begeistert über seinen Landeskulturpreis (7.500.-) geäußert, dass es nun über ein Jahr wieder sorgenfreier angehen könne  …

Der Kleine Landespreis OÖ. für Initiative Kulturarbeit (3.000 Euro) hängt Stoff geworden vor den Fenstern des Fadi-Festsaals zwecks dessen Studiotauglichkeit (Tondämpfung & Lichtdämmung) Ein weiterer LKP & der Wenzl-Preis ermöglichten viele erfolgreiche Projekte am Medien-Gym  (- zeitlich davor gabs ab & an sogar Geldpreise gestiftet vom Unterrichtsministerium  …)

Vielmehr geht es um Unverhältnismäßigkeiten: Wenn Glücksspiele und internationale Unterhaltungsindustrie (speziell im TV) ungeahnt hohe Geldsummen versprechen, medial massentaugliche Sportarten ebensolche Preis- & Werbegelder, sowie Transfers in x-facher Millionenhöhe bewegen, andererseits aber Leichtathleten und bedingt durchs Geschlecht Sportlerinnen darben und in jeder Hinsicht benachteiligt sind.

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https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/oper-das-knallharte-geschaeft-100.html

Am Sektor Kunst, wo man annehmen sollte, dass am ehesten eine Gleichstellung betreffend der Geschlechter vorhanden sein sollte, kann man allein bei den Gagen deutlich wieder die männliche Dominanz feststellen. Generell ist es jedoch so, dass es in den allermeisten Fällen schlicht und einfach um die nackte Existenz geht und nicht bloß um quasi etwas “Kosmetik”. Hier sind echt prekäre Arbeits- & Lebenssituationen an der Tagesordnung. Die Generation Praktikum ist wahrscheinlich nirgendwo heftiger verankert, als im Bereich der Kunst – im Bereich der Reproduzierenden  …

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Hier können Initiativen wie Art but fair solide Hilfe, aber keine wirklichen Lösungen anbieten – Die Politik wäre gefragt existenzielle Sicherheit zu bieten & ebenso oder noch dringlicher bei den freien, produzierenden Künstlern: Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre ein optimaler Schritt in Richtung gesicherten Schaffens ! – Leider ist von dieser Notwendigkeit die „Money Maker-Gesellschaft“ derzeit noch nicht wirklich (ganz) überzeugt  …

M P

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