25. August 2017 – Eine wirkliche OBERÖSTERREICHERIN DES TAGES

Die Pflanzen wirkten noch wie frisch gegossen – die letzten Krümel vom gehlen Namenstagskuchen, den sie wie jedes Jahr, so auch damals in den letzten Jännertagen für ihren Sohn gebacken hatte, wurden vom Tortenteller gewischt – ein allerletztes Erinnerungsbild: Die viel zu schnell entschwindende Silhouette der winkenden Oma am fahl erleuchteten Fenster ihres Fernsehzimmers – nach einem letzten guten Gespräch – einer letzten Lieblingssuppe …  Das kleine Valentinsgeschenk hat sie nicht mehr erhalten …

                                                       Das war damals vor 10 Jahren im Februar …                                                       Heute hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert !

rosa oma.jpg„Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ – ein fixer Stehsatz in unserer Familie ist damals vorläufig letzten Mal so ausgesprochen worden. Denn ein erfülltes Leben voller Arbeit und Fürsorge ist jäh zu Ende gegangen. Ein vormals starkes Herz – über die Jahre schwächer geworden – hatte zu schlagen aufgehört.

Der Weg alles Irdischen war zu Ende – ein langer fast 90jähriger, manchmal auch extrem entbehrungsreicher, in jedem Fall sinnerfüllter und gerader Weg!

Über ein Jahr war sie noch „Untertanin“

Begonnen hat er in der Gegend von Rannastift, Oberkappel, Neustift im Schoß der Familie Kapfer – 1917 – noch in Monarchiezeiten. Schon bald führte der Weg das junge Mädchen aus bäuerlichem Stand vom Oberen Mühlviertel in den städtischen Bereich – die Ausbildung zur Krankenschwester machte dies notwendig.

Rosa Oma.jpg„Wer nicht gegen den Strom schwimmt, wird nie zur Quelle kommen“ – lautet die letzte Eintragung in einer Textsammlung, die Rosa Pilß hinterlassen hat:

Als der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vom Volk abgesegnet werden sollte, war Rosa Kapfer (ihr Mädchen-Name) eine der wenigen, die auf dem Recht der geheimen Abstimmung in ihrem Ort bestand und bewies so schon in jungen Jahren Rückrat und Mut. In der Folge leistete sie mehr als nur pflichtbewusst, wie später auch ihren Dienst – damals als Lazarettschwester während des 2. Weltkriegs – zuletzt dabei im Petrinum und am Gelände der heutigen Kreuzschwesternschule, wo sie im Bombenhagel der letzten Kriegswochen April/Mai 45 endlich die Befreiung erleben durfte. Der kleine steinerne Mops der sie dabei begleitet hatte, hielt bis zuletzt in ihrem Wohnzimmer am Regal bei ihr Wache …

Auch während der „Besatzungszeit“ versah sie ihren schweren Dienst – ohne wenn und aber! Mehrere schwere Operationen, die sie in den Kriegsjahren und in der Folge über sich ergehen hatte lassen müssen, beeinträchtigten u. a. ihre Hörfähigkeit & ihre Gesangsstimme nachhaltig. Während des Hochwassersommers 54 schenkte sie ihrem einzigen Sohn Manfred das Leben und gab so ihr verlorenes Talent – die Gabe des Singens – an ihn weiter. Kurz zuvor hatte sie Ing. Friedrich Pilß, den Vater des Kindes geheiratet. Beide waren im Gesundheitswesen der Stadt Linz tätig. Er als Oberamtsrat und Dipl. Krankenschwester Rosa Pilß übernahm eine Station in einem Linzer Fürsorgeheim, wo sie bis zur Pensionierung bei Tag und Nacht unermüdlich in der nicht einfachen Altenbetreuung ihren Dienst versah.

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Nach dem unerwartet frühen Tod ihres Gatten haderte sie zwar mit der Institution Kirche, nie aber mit Gott – Oft schloss sie ihre Anverwandten, besonders die junge Familie Pilsz in ihre Gebete ein. Auch ließ sie nach meist nur wenigen Worten viele hilfreiche Taten folgen. Großzügige Geschenke und Zuwendungen ermöglichten der Familie des Sohns und später speziell den Enkelkindern ein noch sorgenfreieres Leben.

Sie selbst hatte kaum irdische Bedürfnisse: Keine Reisen oder größere Veranstaltungen, kein Auto, nicht die Spur von Begehrlichkeiten geschweige denn von Luxus. – Treffen nur im kleinsten Familienkreis – am liebsten mit den ganz jungen – ihren beiden Enkelkindern,  deren Entwicklung sie genauestens beobachtete, förderte und auf die sie besonders stolz war. Das brachte ihre oft schon sehr müden Augen noch einmal zum Leuchten. Mit dem Hören war es seit geraumer Zeit schon schlecht bestellt – von Jahr zu Jahr war es um sie herum dumpfer, stiller geworden – bis dann endgültige, ja ewige Ruhe Einkehr hielt. Ihren Urenkel durfte sie nicht mehr erleben …  Der kleine Joni wurde auf den Tag genau 9 Jahre später geboren.

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Im Gedenken an eine starke, selbstlose Frau, die auch jetzt immer wöchentlich besucht wird: „Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ … Heute allerdings zum 100er mit noch mehr Ruhe als sonst. Dort an der Donau, wo sie einst selbst Schwäne füttern war, wenn sie den „Papa“ besucht hat – mit der Gießkanne – direkt neben der Hochzeitskirche der „Jungen“ …   Hier, wo wir nun selbst Blumen in der Hand halten und im stillen Dialog verweilen …

… in der Textsammlung von Rosa Pilß (ß = sz) findet sich auch die von Schumann so überirdisch vertonte Eichendorff´sche  „Mondnacht“

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

MP noch klein 5

 

Matinée im Café

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Die angenehme, morgendliche Besprechung war eben vorbei und vom „Wiener Frühstück“ grade noch mal ein paar Tropfen des Caffè Latte – Zuckersatzes übrig, dem nun der Löffel nachspürte, während die Gazetten aufgeschlagen wurden, die man sich bereits um 9.00 am Zeitungstisch des Lokals besorgt hatte, um im Anschluss nicht ohne die üblichen Blätter da  zu sitzen. Ein weises Unterfangen, da alle anderen Stammgäste des Hauses ähnlich gestrickt waren und so im Verlaufe des Vormittags aus der reichen medialen Palette dann nur noch Massenware zu bekommen war. Es gibt zu Linz viele andere formidable Lokale, die Köstliches zu bieten haben: Venezianische Leber in der „Alten Welt“, Kürbis Lasagne im „Gelben Krokodil“, Crêpes im Schlosscafe, Hausmannskost beim Lehner und beim Lindbauern, wo man im Garten wehmütig mit Blick auf die Schandpfeiler der Eisernen Brücke nachtrauern kann. Die sanft klimatisierte, gedämpfte Bar im Arc, Chinafreuden und Steaks an der Donau, Japan in der Klammstraße, Linz von oben im „Cubus“, am Pöstlingberg und an schwülen August-Nachmittagen im Kernschatten des Wienerwalds …

Jede dieser Lokalitäten und viele andere wie der „Eis Greissler“ mit seinem Grießschmarren-Eis haben unterschiedliche, nicht nur kulinarische Freuden zu bieten, aber die innerstädtische Gemütlichkeit, nur getrennt durch eine Hecke von der Hektik und zugleich dem Puls von Taubenmarkt und Promenade, Radios und Nachrichten, geschützt und zugleich offen – das gibt’s nur beim „Traxlmayr“. Selbst im Winter, wenn draußen die Flocken fliegen, existiert diese unvergleichlich brisante Mischung von Zweiertischen, intimen kleinen Runden, dampfenden Kaffee- und Teeschalen, Frühstückseiern, die mit Kulturseiten konkurrieren und auf der anderen Seite: Die mediale Öffentlichkeit mit Mini-PKs, Interviewtischen und Kameras, die mit einem roten Punkt signalisieren, dass etwas mehr Ruhe auch noch genügend O-Ton liefern würde und die Speisenträgerin bitte von der Seite oder derzeit besser gar nicht servieren möge. Im Sommer spielt sich dieses Szenario in der noch großzügigen Weite des gastlichen Gartens ab und an den bevorzugten Schattenplätzen an den Außenwänden des Traxls wird man auch noch von oben durch einen Sprühnebel erfrischt, der allerdings dem Lesestoff gehörig zusetzt.

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Richard Wagner war in Dresden noch vor der Revolution gerade mit Lohengrin beschäftigt, als zu Linz 1847 das Traxl eröffnete. Das Stammhaus dahinter an der ehemaligen Stadtmauer war zeitgleich mit dem Theater an der Promenade bis 1803 errichtet worden. In späterer Folge gestaltete der Otto Wagner Schüler Mauriz Balzarek den neuen Kaffee-Pavillons für Wilhelm Traxlmayr. Das mehrfach umgebaute Lokal hat sich bis heute den Charme eines sonst nur in Wien heimischen, typischen Altösterreichischen Kaffeehauses erhalten. Das Team des Traxls tut das Seine dazu, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Die rötliche Diensttracht signalisiert „Ich bringe jedem etwas, aber darf keine Bestellungen entgegen nehmen, die „Schwarzen“ hingegen nehmen auf, kassieren ab und sorgen für ein gediegenes Klima, das am heutigen Vormittag in himmlischer Weise noch getoppt wurde.

 Musiker des BOL im Traxlmayr am Aktionstag Orchester für Alle.jpgYamoto Moritake, Bernhard Walchshofer, Josef Herzer & (nicht im Bild) MOVE.ON-Chef Albert Landertinger (Fotograf)

Der letzte Zuckerlöffeltropfen beträufelte die Zungenspitze des eifrig lesenden Gastes, als   die Atmo des Traxls zu der eines venezianischen Gran Caffés Quadri oder Caffès Florian mutierte, denn als der vertiefte Genießer aufblickte, standen in einem Tisch Entfernung vier Musiker mit ihren Instrumenten, grüßten herüber und begannen im selbigen Moment auch schon zu spielen. Wunderbare Stücke in Salonmusikfassung, die jede Lektüre unwichtig, ja störend erscheinen ließen. Von Klassik bis neapolitanischer Folklore spannte sich der Bogen der vormittäglichen, gelungenen Überraschung. Ein Aktionstag mit dem Mitglieder des Brucknerorchesters auf ihre zahlreichen Projekte im Bereich der Musikvermittlung aufmerksam machen wollten, hatte die dankbaren Gastgartenbesucher in erlesener Art und Weise künstlerisch beglückt. Bei den letzten beiden Nummern kam der Bläser und Move.On-Chef des BOL als Gast zum Tisch und Erinnerungen wurden wach an gemeinsame Projekte, die wir hier im Traxl ausgeheckt hatten und die dann mit Schülern umgesetzt wurden: Eine Visualisierung zu Dukas „Zauberlehrling“ und ein Video zur „Baba-Jaga“ (Баба-Яга) mit dem Titel „TraumFabrik“ aus „Bilder einer Ausstellung“ – Musikfilmarbeiten zu denen das Orchester synchron im Brucknerhaus bei Move.On -Veranstaltungen spielte und uns als Anerkennung u. a. Preise beim internationalen >media literacy award< des Unterrichtsministeriums einbrachte  …

Nach einer seligen halben Stunde wurden im Cafe die Instrumente gegen Capuccinos eingetauscht und wenige Takte später kehrte wieder der Cafe-Alltag im Gastgarten ein. Möge das Brucknerorchester bald wieder in den Straßen und bestimmten Gastgärten von  Linz an sonnigen Morgen unterwegs sein …

M. P.  –  Ein Stammgast

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

RETTET DIE MEDIENWERKSTATT

Es ist gerade einmal  2,5 Jahre aus, dass sich die Stadtpolitik gemeinsam mit den Linzer BürgerInnen laut, hör- und nachlesbar über die Auszeichnung > UNESCO City of Media Arts < unserer Ars Electronica – Metropole an der Donau gefreut hat.

In der Presseaussendung der Stadt war zu lesen: Gemeinsam für UNESCO City of Media Arts. Ein längst fälliges VALIE EXPORT Center im nunmehr als Stadt der Medienkunst apostrophierten Linz wurde angedacht und wird im Herbst eröffnet. Soweit so gut, doch wie sieht es hinter der Fassade all dieser „Medialen“ Aushängeschilder aus: In den Bereichen der in ihrer Wichtigkeit so hoch gepriesenen Vermittlung von Medienkompetenz. Denn   bei Bildung wird nicht gespart – wenn man hinlänglich bekannten Worthülsen der Politik Glauben schenken darf – ebenso wenig wie natürlich in Kunst & Kultur …

In der Landeskultur hatte man schon recht mit dem Mantra „Kultur kostet Geld, Unkultur noch mehr“ und LH Dr. Pühringer hat auch mehrfach und nicht nur am Volksgarten bewiesen, dass es ein wirkliches Anliegen und daher die Kultur des Landes > Chefsache < ist.

In der Stadtregierung tickt man da scheints anders, denn wie käme man sonst auf die unglückselige Idee sich und den „Stahlstadtkindern“ die Medienwerkstatt „ersparen“ zu wollen, oder anders ausgedrückt: Eine bewährte Radio/Video-Plattform und Medien-Bildungsstätte für junge Linzer Medien-Talente dem großen „Sparschwein SWAP“ in den Rachen zu werfen und daher (mit Ende 2018) einfach abzudrehen. Im Dominoeffekt könnten so „gerechtfertigt“ reduzierte Zuschüsse womöglich in der Folge dann auch noch das Freie Radio & dorf-TV in Turbulenzen bringen … (Trockene Brunnen, dunklere Weihnachten, teurere Kurz- und fehlende Parkplätze, Brücken und Perspektiven)

Mit Rücksicht auf die > UNESCO (United Nations Educational, Scientific Cultural Organization)  City of Media Arts < seien die verantwortlichen Politiker unserer Medien-Stadt nachdrücklich ersucht diesen letalen Schritt in die falsche Richtung gegen Kunst & Kultur nicht zu tun, sowie die Zerstörung einer medialen Bildungseinrichtung im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen noch einmal zu überdenken und somit sofort ad acta zu legen.

Manfred Pilsz

OÖN 

Medienwerkstatt

Der Leserbrief musste nach dem Sommer auf Veranlassung der Stadt wieder von der hp der Medienwerkstatt entfernt werden …      (- Nachtrag Okt. 017)

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Sommer im Winterhafen

Wo Donauriese Fafner zwischen Salvador Dali und John Cage ankert                                              … Ein sehr persönlicher Exkurs zur oft sinnlosen „Summer in the City“-Euphorie …

Hafen.JPGIm Cockpit des schwarzgelben Cinquecentos wurden 32 Grad im Schatten angezeigt. Im Autoradio war eben noch eine unglückselige Wetterfee zu hören, die glaubte Zuhörende bedauern zu müssen, da es im Verlaufe der Woche auf 25 Grad abkühlen dürfte und am Abend könnte eine Störungszone, ein Gewitter über Linz hereinbrechen lassen …

Von wegen Störungsfront: Jedes Tief ist ein Hoch für sommergeplagte Eisbären, die nichts sehnlicher wünschen als Abkühlung – und zwar nicht ausschließlich im kühlen Nass. Was bitte ist an Blitz, Donner und Regen falsch, die Abkühlung bringen und endlich wieder für coolen Schlaf in der nächsten Nacht garantieren, in der man nicht auf Schweiß-, sondern kühlen Leintüchern vom „Indiansummer“ im Mühlviertel und flockigen Weihnachten träumen darf? Egal liebe Leute – Wir haben August: Die Tage werden immer kürzer ! Und zu Ferragosto bricht der Sommer – YESSS !!!

DSCN3530.JPGVielleicht wäre es geschickt gewesen, doch etwas früher aufzustehen und gleich loszuziehen, aber Morgenstund hat nicht nur Gold im Mund … Und ab 10 Uhr ist es an „Hundstagen“ halt doch schon so hot, dass man vernünftigerweise gleich warm duschen geht, dann kommt dir nachher die Welt deutlich kühler vor. Vorhänge zu, Rollos runter und Fenster dicht, denn irgendwann und meist sehr bald musst du auch noch den schrecklichen, glühenden Nachmittag überstehen …

Alle immer „Frierenden“ sind beneidenswert, denn sie können sich warm anziehen, mehr essen, einheizen usw., aber was machen sensible Eisbären im Sommer? Klimaanlagen sorgen wie Ventilatoren für Zug, trocknen aus, machen krank und was dann. wenn die Luft steht, es nach Ozon stinkt und das letzte Unterhemd gefallen ist …

Wir haben jedenfalls noch vor dem mittäglichen Sonnenhöchststand einen soliden Schattenplatz fürs Auto am Wasser erreicht und hoffen innerhalb einer Stunde diese fahrbereite „Rettungsboje“ wieder in Betrieb nehmen zu können. Der Ortsname gibt Hoffnung, dass die Übung gelingen könnte: Wir befinden uns am sogenannten Linzer „Winterhafen“! Zu besseren Jahreszeiten haben wir hier neben einem alten Bunker während Linz09 unsere Bond-Parodie Agentin009 in russischer Atmo gedreht – bei Eis und wie so oft sehnlichst erwartetem, leichten Schneefall. Dass dabei kurz vor Drehschluss die Autotür zufiel und man ohne Handy und Jacke auf ein Wunder im Rahmen der derzeit deutlich merkbaren Klimaerwärmung hoffte, erscheint im Hier und Jetzt leider komplett unverständlich.

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Dali-Film (M. Maretka / B. Wenzel) – Foto Ch. Püschner

Das nahe Hotel Donauwelle spendet dreiseitig segensreichen Kernschatten seinem, nur zur Donau hin offenen Innenhof – oftmalig als Oase genutzt, so auch beim Dreh zum Dali-Film, der einstens im Juni über die Bühne gehen musste, um so dem „Spanischen Flair“ gerecht zu werden. Wenige Jahre davor wurde hier in unmittelbarer Nähe zum Hotel in  einem „Möbelhaus“ ein Druck des katalonischen Malers aus dessen „Tristan-Zyklus“ erstanden und eine spezielle Vorliebe für den Wagner-affinen Surrealisten entwickelt. Für gediegene Filmdrehs im Hafen spricht eine wild schroffe Industrielandschaft und die, für die Stadt eher doch ungewöhnliche Ruhe. Ein „Piratenschiff“ aus Holz mit Aufbauten und eingeholten Segeln steht hier neben modernen Hausbooten, die um zahlungskräftige Mieter im Schatten kleiner Büro- und Wohnhochhäuer im neuen Linzer In-Viertel werben. Nicht von ungefähr fand in diesem Umfeld der Linz09-Intendant eine zweite (oder weitere) Heimat. Unzählige Boote unterschiedlichster Provenienz, Größe und Ausstattung schaukeln hier im klaren, grünen Wasser, in dem sich Fischschwärme tummeln – keine Spur von Brackwasser. Hier wurden ungestört durch lästiges Publikum (Laufkundschaft) blutige Sensen vor der Kamera, von Landungsstegen aus in Zeitlupe im Wasser versenkt, oder aber bei kontemplativen Spaziergängen eingehüllt in Musikwolken Brainstormings unternommen, um ein synchrones Konzept für unseren Phil Glass-Film zu entwickeln. Von einer morschen Bank aus, die in schlechteren „Knie-Tagen“ willkommener Rastplatz auf halber Strecke war, sind umliegende kleine Rasenflächen am Ufer zu beobachten, die eines gemeinsam haben: Schilder mit der strikten Aufschrift „Privat“ und hermetisch eingezäunt signalisierten, dass man am besten schnell weitergehen solle, vorbei an zwei bemoosten, verwilderten Brachflächen. Hier animiert auf einem verwitterten Maschendrahtzaun den staunenden Betrachter ein weiteres Warnschild: „Bitte nur mit Tennisschuhen spielen“ – Es mutet wie ein Scherz an. Dieser „Court“ würde wohl bestenfalls, wenn überhaupt ein Grundlinienspiel zulassen und hat ein garantiert längeres Break hinter sich …

2017-06-09 12.30.55.jpgDSCN3540.JPG   … in direkter Nachbarschaft das kleine, einsame Häuschen des Linz09-Intendanten. Das letzte Drittel in Richtung „Landsend“ lässt den Blick über die Werftanlage schweifen,  die im Winter von vielen vertäuten Donaukreuzfahrtpötten verstellt ist. Hier wird dann ausgebessert oder einfach abgewartet bis sich das Hafeneis wieder verflüssigt und die Prospektflut im Frühjahr wieder genug KreuzfahrerInnen an Bord schwemmt. Möwen, Enten und Schwäne streiten sich am spiegelglatten, gefrorenen Parkett an den Futterstellen, die von vermummten Spazierenden betrieben werden. An Land ist das Krachen von Eisstöcken und dumpfes Schimpfen der Verursacher des Lärms auf der Eisbahn des Yachtclubs Nibelungen  zu hören. Obwohl jetzt die dämpfende Schneedecke fehlt, ist es hier nun in der brütenden Hitze des Sommers vergleichsweise beängstigend ruhig. Ab und zu gleitet mit doch eher verhaltener Boxengeschwindigkeit leise ein Motorboot vorbei, oder es tauchen kaum vernehmbar die Blätter eines Ruderboots ins grüne Becken. Ein großer rostiger Anker, auf dem in stumpfen, weißen Lettern der Name „Fafner“ prangt, markiert an der leeren Zufahrtsstraße im Gras den Eingang zum Club. Gehen wir einmal davon aus, dass es sich dabei um keinen Zufall handelt: Es tummeln sich in Wagners Ring des Nibelungen unter anderen als Walhallbaumeister die beiden Riesen Fasolt und Fafner. Ersterer geht bereits in den Wirren von „Rheingold“ unter, während der ihn mordende Bruder, umgeschult auf einen Drachen, das Opfer des kindischen Helden Siegfried wird, der sich Ring, Helm und das restliche, ruhende Kapital bei Fafner mit dem Schwert abholt. Der Anker dürfte allerdings zu einem gleichnamigen, in Korneuburg gebauten Schutenentleerer gehört haben, der mittlerweile zwar nicht die Gestalt, aber seinen Namen geändert hat.  Die Linzer Werft lieferte dazu passend das weicher als bei Wagner geschriebenen Eimerbaggerschiff Fasold, das Ende 80 nicht am Rhein, sondern an der Donau aus dem Verkehr gezogen wurde. Leise tuckert hier selbst das Motorschiff „Pegnitz“ („meistersingerlich“) durchs Hafenbecken …

DSCN9870.JPG  DSCN2534Vorbei am winzigen „Wetterhäuschen“ mit dem nun in der späten Vormittagssonne dampfenden Asphaltbelags der Eisstockbahn, werden auf den letzten Metern vorm Hafenspitz, Erinnerungen an ein Projekt wach: Ein blütenweißes, langes Tuch wird von schwarz gekleideten jungen Leuten in einer Prozession getragen, ins Hafenbecken getaucht und nach dieser Taufe wieder zurück zu Stromkilometer 2131,8 beim Hafeneingang verbracht, wo es über einem Lagerfeuer angeröstet wird, um schließlich mit roter Farbe aus, an dünnen Seilen hängenden Kübeln überschüttet zu werde. Alles nach einem „Rezept“ des amerikanischen Experimentalkomponisten John Cage_ und begleitet vom wachsamen Auge des Dirigenten Wim van Zutphen und einer Polizeistreife, der dieses angemeldete, aber mehr als auffällige Projekt des Brucknerfests verdächtig vorkam. Dieser mythische Ort hätte Cage dem „Meister des Zufalls“ sicher auch gefallen. Welch ein wunderbarer, kreativer Akt, der in Bildern und einem Video festgehalten wurde, in dem auf der zweiten Bildebene tänzerisch die Personifizierung dieses Tuchs in Erscheinung trat. Dabei schien unsere Darstellerin triefnass dem Hafenbecken zu entsteigen, um schließlich vom Feuer bedroht von einem roten Tuch umgarnt zu werden. Ein kleiner, schnuckeliger, Mühl4tler Badesee musste für den ersten Teil dieser Aufnahmen die Untiefen & die Skepsis betreffend Wassergüte und -getier egalisieren.

Die Feuer und Farbsequenz der Szene wurde hingegen am Originalschauplatz hier gedreht, um nicht der Weihe dieses besonderen Orts verlustig zu gehen. So, wie dem grünen Hügel des Gründbergs in Urfahr, wohnt diesem Ort ein unsagbarer Zauber inne – und das Wasser tut ein übriges.

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Cage-Aktion (C. Kreiner)

Landsend, Limes – ein Grenzgang oder Endpunkt wie dieser jene, wird zum Rand der Scheibe  – hier ist die Welt kleiner und noch, oder wieder keine Kugel – ein besonderes Faszinosum. Auch wenn wir in früheren Tagen entlang des Pleschingersees bis zur Mündung des Katzbachs in die Donau vorgedrungen waren, endete für uns Kinder dort beim Pfenningberg immer die Entdeckungsreise in Richtung Schwarzes Meer. Mangels Brücke gezwungen anzuhalten, verharrten wir, wie bei der Ankunft auf einem Gipfel andächtig, um schließlich mit der Gewissheit es wieder einmal geschafft zu haben, zufrieden und mit neu aufgeladenen Batterien freudig den Rückweg anzutreten

Wie damals, als wir das Projekt hier am Hafenspitz mit einer Prozession des fertigen Tuchs zum Brucknerhaus und am nächsten Tag stolz quer durch die Innenstadt begleitet von ORF-Kameras der ZIB2 abschlossen. Am Abend diente es dann im Rahmen des Brucknerfests als Bühnenbild bei der John Cage-Aktion im Brucknerhaus und es gab dabei auch noch das von uns gestaltete Video als Draufgabe. „Bilder hören – Töne sehen“ – Jahre später wurde dann bei Linz09 in der Ausstellung „Augenmusik“ im Foyer über ein Monat lang mittels einer Installation ein Querschnitt durch unser Musikfilmschaffen beim Brucknerfest gezeigt.

Normalerweise gestaltet sich allerdings der Rückmarsch über den Dammkamm bis zum Ausgangspunkt unseres Hafenexkurses eher als Ausweichzickzack zwischen Mountainbikes, sportlichem Laufvolk und begleitenden Hunden, die auch meist als einzige den 09Badestrand bevölkern. Nur wenige Solisten und Kleingruppen verirren sich auf die Schotterbänke, die dort von der Kulturhauptstadt als Freizeittreffs angelegt wurden. Mückenschwärme oder Eiswinde, je nach Jahreszeit, begleiten den einsamen Wanderer, bei seinen Beobachtungen, die ihm die Zeit des Rückwegs verkürzen und von der Beschwernis seines kleinen Hafenausflugs ablenken sollten. Zugewachsene oder eingeschneite, kalte Bänke erhöhen die Chance, dass das angepeilte Ziel: Ein geparktes Auto so, konsequenter und schneller erreicht werden kann.

Manfred Pilsz

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !