Gedanken zum 13. 2. 2021

1883 war der 13. Februar der Dienstag eine Woche nach dem Ende des Karnevals. Am darauffolgenden Valentinstag verbreitete sich die schlimme Nachricht: „Triste, triste, triste! Wagner è morto!“ (- schreibt Giuseppe Verdi am 14. Februar an den Mailänder Musikverleger Giulio Ricordi) – Drei Wochen zuvor hatte Anton Bruckner mit der Komposition des 2. Satzes seiner VII. begonnen. In einem Brief an Felix Mottl erinnert sich Bruckner: „Einmal kam ich nach Hause und war sehr traurig; ich dachte mir, lange kann der Meister unmöglich mehr leben, da fiel mir das cis-Moll Adagio ein.“

„Sehen Sie, genau so weit war ich gekommen, als die Depesche aus Venedig am Morgen des 14. Februar 1883 im Konservatorium eintraf – da hab ich geweint, o wie geweint – und dann erst schrieb ich dem Meister die eigentliche Trauermusik“

2020 wurde der Karneval in Venedig auf Grund der Gefährdung durch die COVID-19-Pandemie am 23. 2. beendet, zwei Tage früher als vorgesehen. Heuer fällt der 13. Feber auf den Faschingssamstag, es gibt keinen venezianischen Karneval 021 und es sind fast auf den Tag genau 11 Monate seit dem Beginn des 1. Lockdowns vergangen. 11 Monde kulturelle Fastenzeit, die sich demnächst auswachsen zu einem gestohlenen Jahr !

Habjans Puppen FRECH gefragt …

Im Vorjahr waren es die Salzburger Festspiele, die ihren 100er begingen, nicht aus der Hand gaben und so im Sommer die Bühne nicht Corona überlassen haben, sondern erfolgreich und ohne diesbezügliche Krankheitsfälle ein Monat lang die Mozart-Stadt bespielten. Heuer hat sich auch Bayreuth zurück gemeldet und wartet mit einem leicht abgespeckten, aber durchaus Festspielwürdigen Programm auf:

Wagner für Kinder (Katharina Wagners Lieblingsprojekt) bietet heuer (in deren Fassung) „Tristan & Isolde“ mit Stephen Gould (!) in der Titelrolle an … Am Teich des Grünen Hügels werden Nikolau Habjans geniale Puppen „ Immer noch Loge“ von Paulus Hochgatterer unter freiem Himmel auf die Bühne bringen und dabei als Rheintöchter und Erda über Loge zu Gericht sitzen … Im Festspielhaus selbst gibt’s heuer Konzerte (!), weiters den neuen „Holländer„, die „Meistersinger“ und den „Tannhäuser„, sowie eine ganz spezielle Überraschung:

Alle Verträge sind unterschrieben – Katharina Wagner, Chefin der Bayreuther Festspiele lud Hermann Nitsch zu Mal-Aktionen bei 3 konzertanten Walküren                                    

Es war immer mein Traum, in Bayreuth zu inszenieren

Hermann Nitsch, Aktionskünstler

Hermann Nitsch, das Feindbild all jener, die zumeist weder sein Werk, noch ihn kennen, aber glauben gehört zu haben, dass er ein sogenannter „Blutkünstler“ mit Aktionen und Happenings wie Tierschlachtungen und Prozessionen zu sein scheint. Nun, er ist einer der Hauptvertreter des > Wiener Aktionismus <, Schöpfer und Inszenator des Orgien Mysterien Theaters, eines sechs Tage dauernden Festspiels in seinem Schloss Prinzendorf – Diese verlaufen nicht wirklich vegan, aber das war’s dann auch schon: betreffend Greuel-Märchen, die seit den 60ern über diesen Künstler verbreitet werden.  Mit Oper kam der 82-Jährige mehrfach aktiv in Berührung: Das Wiener STOP-Bühnenbild-Ergebnis war wahrhaft prächtig !

Es wird spannend, was der Gesamtkunstwerker Nitsch mit dem Gesamtkunstwerk von Wagner anstellen wird – Die Walküre ist nun mal kein blutleeres Stück – liebe Skeptiker …

Das Gute und Schöne ist häufig auch inhaltlich nicht immer das Thema eines Kunstwerks: Von den großen Heldenepen der Antike & des Mittelalters bis hin zu Kriminal- und Horrorfilmen strotzt es nur so von Mord, Totschlag und Hektolitern von Blut  …  und ja, das wird oft vergessen: Filme in TV, PC und Kino sind Kunstprodukte  – nicht nur in pandemischen Zeiten Überlebensmittel in Sachen Unterhaltung …

kein Nitsch-Bühnenbild, sondern quasi zum Valentinstag die Blumenmädchen-Szene (Parsifal – MET / NY 2013)

KULTUR ist – Alles, was der Mensch schafft – bezogen auf Raum & Zeit

Ja, und das kann eben wiederum passieren in Form von Kunst oder Zivilisation

Kultur als Begriff im politischen Diskurs & im medialen Kurz-Sprech für Rezipienten, die nur noch mit minimaler Aufmerksamkeitsspanne ausgestattet sind – Wenn da also von Kultur die Rede ist, kann man davon ausgehen, dass eigentlich Kunst gemeint ist, was prinzipiell nicht falsch ist, da Kunst als Teil des Überbegriffs Kultur firmiert.

Die meisten Medien neigen dazu sich dem Zeitgeist (- was immer das ist) anzupassen: Extra kurze Interviews, wenig Text viel Musik, Dudelfunk mit Werbung im Minutentakt … Wie wohltuend ist es da Sendungen beispielsweise auf Ö1 oder FRO zu hören, in denen man Themen einen breit angelegten Zeitraum widmet – für ein Publikum mit ausreichender Aufmerksamkeitsspanne. Menschen die es auch schaffen in Zeiten von SMS, Twitter und Co einfach zuzuhören, ja es genießen und danach lechzen – Leute, die es auch gewohnt sind Wagnersche Musikdramen, die allein in der Spiel-Länge eine 3-Min-Singel um mehrere Stunden überflügeln, mit Wonne & Ruhe zu rezipieren.

Gedanken zum Thema KUNST <<< hier der R A D I O – Beitrag

(Ein kurzweiliger, theoretischer Exkurs, zumal Kunst praktisch seit einem Jahr fast durchgehend von Viren, Virologen, Politik weg-, aus- und zugesperrt wurde  … )

Vor über 15 Jahren:

Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung von Linz wurde der „Day of Culture“ ausgerufen. Die FRECHen Fadinger beteiligten sich dabei mittels Musikvideo Mit Pauken und Trompeten“ (Helmut Rogl), einer Aktion am Hauptplatz (Prof. H. Ebner) und einer Radiosendung. So entstand 2005 für jenen 5. 5. eine 5 x 5 Minuten-Umfrage zur Thematik Kunst – Eine Begrifflichkeit bei der man sich meist mit wasserdicht haltbaren Definitionen schwer tut & in der Wertung geschmäcklerisch aus dem Bauch heraus mit oftmals abwertenden Urteilen schnell bei der Hand ist …

Natürlich sind Sätze wie: „Das gefällt mir nicht“, durchaus zulässig und stellen eine selbstbewusste Äußerung dar, wenngleich es nur eine ganz abgegrenzt subjektive und nicht durch objektive, fachimmanent gestützte Argumente geäußerte, für viele dann gültige Kunstkritik sein kann

Mit seiner Aussage:  Jeder Mensch ist ein Künstler < wandelte J. Beuys das Zitat von Novalis: Jeder Mensch sollte ein Künstler sein <  von der Möglichkeit in eine Ist-Form um und schuf so ein Bewusstsein für die eigene schöpferische Kraft, welche im eigenen Denken des einzelnen begründet liegt.

Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt (…) Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff.

12. Mai 021 / 100. Geburtstag v. J. Beuys

Laut Adornos Rezeptionsforschung wertet Publikum hochprozentig emotional !

Die Bewertung eines künstlerischen Werks unterliegt unterschiedlichen Faktoren. Zum Beispiel führen Charakteristika des bewertenden Individuums (wie dessen Persönlichkeit, Bildung und Geschmack) zu unterschiedlichen Präferenzen. Dienlich: Persönlichkeitsmerkmale, wie Offenheit für Erfahrung / das Feuer der Neugier … Statt „poorer“ Anbetung der Asche – Ja, Mahlers Wort gilt auch für Rezipienten – Zu neuen Taten Schafft NEUES Kinder – sprach dereinst Meister Wagner !

Manfred Pilsz

干杯 Prosit China – Dort begrüßt man dieser Tage das neue Jahr des Büffels 021 / Im Jänner 020 wurde zu Beginn des vorigen Jahres der Ratte Wuhan abgeschottet …

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Caffè La Serra (Venedig)

Kurzes PS zu „Zwischeneiszeit“ & „Golfstrom

Zur einwöchigen „Zwischeneiszeit“: Im Sommer würde die Wetterfee jubeln über eine kleine Hitzewelle und diese dann gerne lautstark prolongieren. Allen gar depressiven, noch immer nicht genug Klima-Erwärmten sei in Erinnerung gerufen: Der Februar ist der August des Winters – Ich werd‘ mich im Sommer dann gern an ihn zurückerinnern! Ein wenig Winter rechtfertigt jedenfalls keine verbotenen coronesken Aus-Flüge ans Kap der guten (?) Hoffnung, um dort einzulochen. Auch Österreich gehört zu den Golfstaaten: Es gibt in Tirol genug 1A-Abschlag-Möglichkeiten die der jeweiligen Platz(hirsch)reife entsprechen. Da bestünde dann in der Tat kein wirkliches Handicap als Person mit Mutationshintergrund heimzukehren. Kürzlich wurde ein Mann, der seine Covid-Quarantäne für kaum eine Minute unterbrach, um den heftig stinkenden Hausmüll hinunterzutragen zu einer bedingten Haftstrafe & Geldbuße verurteilt (-Gefährdung einer Person im Hausflur). Mal sehen, ob sich per „Contact Tracing“ die Privat-Jet-Nutzer (?) eruieren lassen, die entlang des Golfstroms reisend mit ihrem viralen Import ein ganzes Bundesland „beglückt“ habenLetzte Meldung dazu: Angeblich solls ja ein Niederösterreicher (mit Tirol-Hintergrund) gewesen sein, der wiederum jemand kannte, der sich bei einem Deutschen angesteckt hat … Tja und selbst wenn’s so wäre: Während eines Lockdowns geht golfen weder in Florida, noch Schottland, geschweige denn gar jenseits des Äquators !!!

Houchang Allahyari 80

Anfang Februar feierte هوشنگ الهیاری (* 1941 in Teheran) seinen 80er ! Dr. Allahyari ist ein bekannter österreichischer Psychiater und Filmemacher iranischer Herkunft. Ein Jahr nachdem er 1983 Staatsmeister beim Bundesbewerb des VÖFA geworden war, (wo er mehrfach einreichte und von der Jury mit Gold ausgezeichnet wurde —> Liste der Staatsmeister) wurden die Fadinger Filmer bei den frisch nach Wels übersiedelten Österreichischen Filmtagen auf ihn aufmerksam. Einer, der sich selbst erst seinen Platz unter den Profis mit seinen Werken erarbeitet hatte – ein Hoffnungsträger aus dem selben ursprünglichen Rennstall. Die Kontakte beschränkten sich auf Eröffnungsfeiern & Diskussionen. Speziell drei Festivalfilme prägten sich ein:

  • Auszeichnungen:
  • 1995: Thomas-Pluch-Drehbuchpreis – Hauptpreis für Höhenangst
  • 2011: Thomas-Pluch-Drehbuchpreis – Würdigungspreis für Die verrückte Welt der Ute Bock
  • 2014: Großer Diagonale-Preis Spielfilm des Landes Steiermark 2014 für Der letzte Tanz

Der ORF stellte sich zum Jubiläum mit Allahyaris Geboren in Absurdistan ein

Hier noch ein RADIO-LINK: https://oe1.orf.at/programm/20210221/628266/Houchang-Allahyari-zum-80-Geburtstag

Beim Thema „Perser“ in Österreich schwärmten Omas noch von Fara Diba & Co., heute hat man meist den Kabarettisten Niavarani am Schirm – Alles andere wird eher medial unter den „Teppich“ gekehrt …

Gerade am Sektor Film lohnt es sich genauer hinzusehen: So ergaben sich bei den Filmtagen in Wels segensreiche 1. Berührungspunkte mit Said Manafi

(Said als Juror in Lenzing, wo die Fadinger für ihren RING-Film ausgezeichnet wurden)

Dr. Said Manafi (* 9. August 1943 in Täbris) ist ein iranisch/österreichischer Regisseur und Kameramann (u. a. ORFSascha-FilmWien-Film, SHB-Film und Österreichischen Mediathek) tätig. Seine Filme wurden in x Werkschauen unter anderem im Votiv-Sommerkino und bei Festivals in Österreich und im Iran gezeigt. Manafi übernahm Lehrtätigkeiten im Bereich Film und Video mit den Schwerpunkten Dramaturgie und Realisation des Dokumentarfilms. Manafi ist Mitbegründer der Austrian Filmmaker-Cooperation und des Vereins Iranischer Künstler in Österreich. Er ist weiters Mitglied im Künstlerhaus Wien. Oftmals war er Juror beim „Festival der Nationen“ (Ebensee) – auch als man als Sieger bei diesem internationalen Bewerb hervorging and the winner is:Im Auge des Zyklopen“ – ein Musikfilm zur Klangwolkenkomposition von Otto M Zykan ( <<< hier ein Radio-Beitrag)

  • Otto M Zykan sowie der Filme- & Mut-Macher (!) Said Manafi wurden 1997 Ehrenmitglieder der Fadinger BSG 
  • Erich Riess schwärmte Anfang der 2000er immer ganz begeistert von der überaus positiven Stimmung in überdimensional großen Kinosälen beim Kurzfilmfestival in Teheran, sodass die Fadinger es wagtenLot Cape Chenin den Iran zu schicken … der Jury erschien das Werk dann aber wohl zu „freizügig“ …

YOUKI 2008 – im Gespräch mit Radio FRECH

Der Dritte im Bunde der persischen Community in Wien: Arash T. Riahi (* 22. August 1972 im Iran) ist ein österreichischer Filmregisseur iranischer Herkunft. Das junge Fadinger Team durften ihn in Wels bei der Youki kennenlernen.

2004 setzte sich Arash T. Riahi in einer filmischen Arbeit mit der Non-profit Film-Scene in Österreich auseinander – Im legendäre Streifen fanden sich viele VÖFA-Mitglieder wieder: „Die Souvenirs des Herrn X„, Kinodokumentarfilm, 98 Min  

Erstkontakt gab’s bei einer gemeinsamen Einladung durch die Wiener Gruppe „Kulturnetz“ ins „Heizhaus“ Stammersdorf  / Festwochen-Programm (Wiener Bezirksfestwochen 2004)  Freitag, 18. Juni. 2004, 19 UhrModeration: Dr. Hans-Georg Heinke (ORF)

2008 Ein Augenblick Freiheit, 2017 Die Migrantigen (Produktion), 2020 Ein bisschen bleiben wir noch (Regie, Drehbuch)

Manfred Pilsz  

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