MARONI, MISTLN, METTE …

volksgarten-1024x684.jpgJa bitte Bratwürstel – und nehmen Sie eh Essmarkerl?“ Eine aufgehaltene Hand reichte als Antwort bevor am Christkindlmarkt im Volksgarten Anfang der 70er Jahre drei Würstel mit Sauerkraut und Semmel im Wert von knapp über 20 Schilling über die Budel wanderten. Der einzige Höhepunkt des Tages in der von der Stechuhr recht knapp bemessenen Mittagspause für den jungen „Praktikanten“. Er war frisch in seiner Gesangsklasse, jung und er brauchte das Geld – „Ein Ring, sie zu knechten“ (Tolkien) – Sechs Monate Bundesheer und das eher öde „Hamsterrad“ eines Versicherungsjobs waren total perspektivenfrei und so klammerte er sich an diese kurzen Eindrücke der Freiheit, die ihm das Getriebe des mittäglichen Markts bis zum letzten Würstel bot. So geschehen vor 45 Jahren in zwei Wintern vor dem endgültigen Absprung in die Kunst und an den Katheder im Schuldienst …

Dieser damalige Hoffnungsgedanke befreit von (beruflichen) Zwängen leben zu dürfen, der mittlerweile seine ultimative Erfüllung erfahren hat und täglich ausgiebigst gelebt wird, war früher als Schulkind und am Beginn des Arbeitslebens am ehesten nur in Ferien, Urlaub und der Vorweihnachtszeit gefühlsmäßig erahnbar. In der Folge löste sich dieser Freiheitsdrang in der erfüllten Arbeit, in Projekten und Kunsterlebnissen auf, bis er Mitte 50 im Korsett, das der Schule durch sogenannte Reformen inklusive dieser stupiden „Einheitsmatura“ zugemutet wurde, wieder aus ihm herausbrach … Des Ringes Herr als des Ringes Knecht (R. Wagner)

Hofgasse Adventkalender09 2008.12.13jpg.jpgAllerdings immer wenn es „weihnachtete“ wurde es in all seinen Lebensphasen schöner oder zumindest  erträglich … Was aber macht diesen „Zauber der Adventzeit“ aus mit ihrem Kulminationspunkt rund um den Heiligen Abend – was bewirkt denn diesen Gefühlswechsel in wohlige Hochstimmung? – Die Tatsache, dass es immer kälter, nebliger und dunkler wird? Nun die Mehrheit aller Menschen spricht von diversen Herbstdepressionen, die mit Ankunft des Winters nicht besser werden. Wie soll das dann am „24.“ klappen, wenn man kein Sommerhasser ist? Kann man Weihnachten lernen – sich in die richtige Stimmung versetzen lassen? Will man/frau das überhaupt?

Maroni_tueten02.pngEngel Trompete.gifWenn der Engel des Kommerzes schon Ende September von einem frisch angeworfenen Maronistanderl herab verkündet, dass es an der Zeit wäre vom Sommerschlussverkauf die Wende hin zum Christkindlmarkt recht direkt anzusteuern, so wirft dies doch eher die eine oder andere Fragen auf …

Warum sollte jemand der mit der Kirche nix am Hut hat und Weihnachten „Scheiße“ (?) findet unbedingt dieses inflationäre Fest feiern müssen, selber jede Menge Packerl und womöglich mitten in der Woche kurz vorm Jahreswechsel sinnentleert mehrere Tage frei bekommen? Nun vielleicht handelt es sich ja um eine völlig entnervte Mutter, die dennoch ihren Kindern das traditionelle Fest gönnen möchte, auch wenn sie selbst aus Überzeugung oder finanzieller Überforderung aus ihrer Kirche ausgetreten ist. Möglicherweise stammen die starken Worte von einem Agnostiker, der sich aber prinzipiell, wenngleich nur passiv dem Brauchtum verpflichtet fühlt. Wenn sich die nämliche Person allerdings bloß abseilen und in den Süden fahren möchte, weil man nach Licht und Wärme hungert und daher lieber mit dem Flieger abdüst, dem Rentierschlitten und dem Christkind dabei die lange Nase zeigt, dann werden doch wohl gute Christen einen schönen Urlaub wünschen und fürs Wetter & Gelingen der Aktion zungenfertig einen einen flotten Rosenkranz beten können -oder?

133_0.jpgSelbstverständlich sollte dabei kein eigener Urlaubstag für den Weihnachtstrip drauf gehen. Ja, liebe Kirchengemeinde gerade zum Fest der Liebe ist ein Quantum Solidarität angebracht: Und so könnten sich unsere Fernreisenden vielleicht bei Rückkunft mit der Entrichtung einer „Ersatzkirchensteuer“ („Ethikabgabe“) einbringen. Da wünscht man ihnen dann noch viel gerner gesegneten Urlaub und sich selber: Frohe Weihnachten ! Die traditionelle „Herbergssuche“ beschränkt sich im speziellen Fall allerdings auf ein „Hotel Trivago“ im südlichen Indischen Ozean oder in einem edlen Skiort. Obdachlose wie Maria & Josef werden da bestenfalls als Bestandteil der „Flüchtlingsproblematik“ wahrgenommen und im Zuge einer anstehenden „Krippen-Impfung“ mit dem Serum der Beliebigkeit eigenen Tuns erfolgreich verdrängt.

-17-DSC_7962_Krippe_Linzer_Schloss_von_m._Kosmata.JPGNicht nur in katholischen Privatschulen wird seit Ende November heftig an der letzten Stunde vor Weihnachten oder gar an einem Hirtenspiel gearbeitet. Aber auch in der Innenstadt-NMS mit „90 % Türken“ (?) schaut in den neuen politischen Zeiten der Heilige Nikolaus ungebrochen vorbei – kommt er ja doch selbst aus den Gefilden des Halbmonds zu uns. Und auch unser Jesuskind wohnte dort eh a glei ums Eck – wie überhaupt die ganze Römisch Kath. Religion migrantischen Ursprungs ist. Nur Ochs und Esel sind laut gültiger Stallorder zwei waschechte Inländer, „denen man die regionale Abstammung wahrlich ansieht …“

97f7bee53ad7236917179cfabdf57613.jpgImmer weniger zahlende und noch weniger praktizierende „Katholen“ führen dazu, dass es zu Wien schon mehr Gläubige für Moscheen als für Dome gibt – der Text unserer Bundeshymne im „Land der Berge“ beginnt also konfessionell zu wackeln … das stört wiederum speziell die -warum auch immer „Rom-treuen“-Ausgetretenen, die nicht nur diesbezüglich am lautesten „rum-Mekka-n“ … Man besteht auf den Werten des christlichen Abendlandes und verweist mangels eigener religiöser Übung auf das Brauchtum, ohne zu wissen worum´s genau geht – jedenfalls hat es bezüglich der Bethlehem-Geschichte irgend etwas mit dem „Nordischen“ (?) auf sich – tappt man vermutend im schier ewigen Dunkel entsprechend extremer Breitengrade durch frisch gegoogeltes Halbwissen …

arctic_circle_santa_claus_village_summer_rovaniemi.jpgP7160125.JPGWeihnachten ist jedenfalls sicher nicht, wenn in Rovaniemi im finnischen Lappland im Hochsommer am Polarkreis bei 18 Grad+ ein Weihnachtmann mit Aufklebebart leider auf Mittagspause ist und ein Linzer „Tourist“ mit passenderem Bodymaßindex, wesentlich mehr heiliger Aura und unverkennbar echter Physiognomie dann weinende Kinder trösten darf, dass sogar die dort statt der sonst üblichen Krippenstalltiere agierenden, echten Rentiere ehrfürchtig aufblicken … Kein Mann mit roter Mütze und Schlitten kann jemals unser aller Christkind ersetzen !!! – Aber welche Geschichte kann erklären, warum am stillen See Genezareth „der Schnee leise rieselt“?

D577A565-148E-45D4-93F4-8A056CEC9DD8_v0_h.jpgWenn schon, dann sind es alte Sagen aus dem Norden von der „Frau Holle“, die oberhalb von Kassel auch „Frigga“ genannt wird. Gewarnt durch einen schrecklichen Traum des Sohnes beschwört sie alle Pflanzen ihren Spross zu verschonen, doch Misteln hat sie dabei vergessen und so stirbt den jungen Lichtgott durch einen Mistelpfeil, den der listige Loki dem blinden Wintergott Hödur (- nicht ident mit Ullr dem Gott des Bogenschießens & Schneeschuhlaufens) einspannt. Wie Barbarazweige erblühen so trägt diese Pflanze kurz vorm Fest weißen Beeren. Es sind die Tränen der Mutter Frigga oder die Flocken der Frau Holle. Früher waren es Druiden, die mit goldenen Sicheln diese singulären „Winterblüher“ mit ihren weißen Früchten von den Bäumen schnitten, über dem Eingangstor platzierten und so dafür Sorge trugen, dass die Bewohner des Hauses von Frigga geküsst und geschützt wurden – heute kann man Mistelzweige ganz einfach am Linzer Südmarkt kaufen … und dann warten auf die Rückkunft oder Ankunft des Lichts in welcher Gestalt auch immer … „Christus – das Licht der Welt“ -im Zeichen des grünen Adventkranzes oder Lichterbaums … aber ist das nun Weihnachten?

Mistel.jpgWeihnachten ist, wenn arme Kirchenmäuse in Oberndorf am Inn die Orgel auffressen (oder vielleicht doch nur den Blasbalg anknabbern) und so die „Stille Nacht“ als Lied erzwingen. Das wichtigste an diesem Fest ist die Vorfreude, das Warten, eben der Advent mit allem was dazu gehört: Märkte, leuchtende Sterne als Straßenbeleuchtung, das entspannte Suchen nach, oder einfach Finden von Geschenken in den nun schon ab 16 Uhr illuminierten Auslagen. Noch hat sich die Musikberieselung nicht tot gelaufen, noch muss man sie nicht ausblenden. In der Linzer Bischofsstraße mit ihren kleinen, meist alten Geschäften stellt sich ein Wiener Wollzeile-Feeling ein: Alte, schöne Adventkalender, bunte Kugeln, glitzerndes Gehänge, Maroni, Lebkuchen, Zimt lassen die Hitze verblasster, eigener Sommerdepression die in der letzten Woche vorm „24.“ zeitlich & räumlich die größte Entfernung erreicht endgültig vergessen. Niederdruckwetter zieht ganztags eine wundervoll geschlossene Wolkendecke ein – früher wäre an solchen Tagen der winterliche Duft von Koks- & Kohlenheizung den Kaminschloten entströmt und man hätte auch in der Stadt schon das pappende Knirschen des Schnees unter den Schritten und Kufen der Schlitten vernommen. Schnell trifft man noch liebe Bekannte die man nicht unterm Baum antreffen wird. An der Donau und anderen Plätzen der Stadt werden pflanzliche Waldbewohner aller Art im „Nadelstreif“ angeboten. Auf der Suche nach einer großgewachsenen Föhre verrinnt die Zeit von der man erst ab dem 25. wieder genug zur Verfügung hat, denn Post & Mails wollen noch verschickt werden. Doch über allen Wipfeln ist Ruh und so gesellt sich noch eine schlanke Fichte für die Nachbarn und eine Zwergtanne für den Sohn zur festlichen Baumschule dazu. Ein ganz dickes Exemplar wurde immer in die Aula oder den Festsaal der Schule geliefert.

wagnersche weihnacht.JPGDer harzige Nadelduft vermischte sich dann mit diesem ganz typischen Geruch den man auch von den Kabarettproben kannte, der von den seitenverkehrt montierten alten, weißen Fensterverdunkelungen (außen schwarz wegen der Bombennächte) ausging. Am letzten Tag vor den Ferien fanden in der Früh die Premieren der neuesten Super-8-Filme des Hauses kombiniert mit einem eher unkonventionellen, modernen „Hirtenspiel“ und unvermeidlicher Weihnachtsmusik statt – Filme, bei denen in den 70ern noch inhaltlich das Christkind im Mühl4tel gesucht, oder Meister Andersens „Tannenbaum“ in Kirchschlag aus dem Wald geholt wurde – das war man einer Schule in der Bethlehemstraße schon schuldig. Später durften es aber auch verfilmte, eigene Hörspiele wie „Der Gang nach Ragnarök“, Musikfilme wie „Vision Blau“ oder „Tod in Venedig sein“ – jedenfalls immer zwei Monate bevor aus einer ganz ähnlichen Stimmung der Erwartung heraus im Haus das Kabarett als berühmt berüchtigtes „Cabaret“ ausbrach – eine „Bescherung“ ohne Ende …

26-08-2016 14;51;431.jpgAber auch dieses Bauchkribbeln eines frühen Premierenmorgens im Februar, wenn man als erster den leeren, warmen Saal betritt, die Luster aufdreht und in den vorhanglosen Fenstern des knarrenden Eingangsbereichs noch die Schwärze einer kalten Nacht sichtbar wird, kann nicht annähernd mit der kindlichen Vorfreude beim Aufstehen am Tag des Heiligen Abends verglichen werden. Einzig die unglaubliche Langsamkeit die man ersehnt um ja möglichst lang den eigentlichen Höhepunkt wenn das Christkind kommt hinauszuzögern mit dem früher noch extra abgestimmten Kinderprogramm in Schwarzweiß am einzigen Kanal  (wie damals 1 Woche lang zum Sommerferienende während der Rieder Messe) – Da wurde nicht herum gezappt, man durfte schauen ohne zu fragen – alles Spielfilme, Zeichentrick oder regionales Brauchtum … Und heute: Landesstudio, Friedenslicht, ist eh alles erledigt – niemand vergessen? Schau nochmal in die Mails, hat schon irgend jemand zurück geschrieben? Oh, an die hab ich nicht gedacht … Nun aber rasch zurück – andocken an die Kindheit: Einmal noch kurz über die Landstraße, Gesichtsbad, Überraschungsgäste, Durchatmen und dann wieder wie schon vor 60 Jahren rauf auf den Pöstlingberg in die Kirche, Spaziergang vielleicht bis zur Mariengrotte im Wald, bis Kerzen dort zeigen, dass es dunkel wird, ein letzter Besuch auf dem Friedhof bevor sich die Tore schließen und … keinesfalls jetzt schon das Glöckchen – erst noch warten, essen, warten … Und dann: Wohnzimmer, Kerzen, Geschenke, Lieder, Freude, Tränen und Löschwasser für den Baum, der seit gestern mit größten Anstrengungen aufgestellt und ebenso –geputzt unter Verschluss gehalten worden war – Bis „Maria Lichtmess“ soll er halten – teuer genug war er. Nach der Torte bewegt sich der letzte praktizierende Teilzeit-Christ in die ebensolche launige Mette, um die Jubelchöre der Friedenskirche zu verstärken.

Mt Pöstling.jpgGrotte.JPGEs folgen 2 total relaxte Tage bestehend aus schlafen, essen, spielen, reden, essen, schlafen, gefolgt von Tagen winterlicher Freuden ähnlicher Natur bis plötzlich nach einem, dem Kauf von Glücksbringern & Feuerwerk gewidmeten, vormittäglichen Spaziergang, unvermeidlich die schreckliche Silvesternacht, die raueste der Raunächte völlig überflüssig startet, denn die längste Nacht war dann schon zu „St. Thomas“ am 21. 12. !?! – Erinnerungen mit Grausen steigen hoch: Einsame Legospiele, Mutter im Nachtdienst, später mit der Karl Farkas Lachparade und schließlich alljährlich im Countdown des pseudolustig alkoholisierten Umfelds mit dem Zwang in dieser unnedigen Nacht nach dem Null-Uhr-Geballere möglichst lang wach bleiben und die anbrechende Katerlaune der grölend, lallenden „Mitfeiernden“ ertragen zu müssen.

zu-weihnachten-ist-der-rote-platz-in-moskau-inklusive-weihnachtsbaum-basilius-kathedrale-und-kreml-mauer-mit-einer-schneedecke-versehen-russland.jpgAm Neujahrstag setzt sich dieses böse Erwachen rundum trotz des Neujahrskonzerts fort, nur noch übertroffen von der Katastrophenstimmung am Abend des 6. Jänners, denn da war nun ALLES vorbei und endgültig verdammter Neuanfang angesagt: „Geh ins Bett – Morgen ist wieder Schule“ oder wohlmeinend & noch kürzer: „Schönen (?) Schulanfang !“  Im glücklichen Russland wird Weihnachten erst am 6. & 7. Januar gefeiert, da die russisch orthodoxe Kirche den Julianischen Kalender verwendet. Aber das ist bei den Russen immer so: Die rote „Oktober-Revolution“ ging auch im November über die Bühne. Bei den Deutschen hingegen verläuft immer alles schneller: Das Oktoberfest füllt in München die Bierzelte und Spitäler bereits im September … vielleicht sind deshalb in Bayern auch die Ferien kürzer – und das wollen wir keinesfalls – schon gar nicht zur geruhsamen Zeit der Perchten, Glöckler, Hirten und Engel …                  M. P.

Adeste fideles, laeti triumphantes,
Venite, venite in Bethlehem.
Natum videte regem angelorum:
Venite adoremus, venite adoremus,
Venite adoremus Dominum!

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Y O U K I – vorm runden Jubiläum

Youki CIMG1618 titelbild.JPGEs war saukalt in diesem Zirkuswagen, den man den jungen Radiomachern 2002 „aufgeschwatzt“ hatte, denn dem außen sichtbaren Ofenrohr war kein Rauch zu entlocken, da nicht eine einzige, dauernd funktionierende Heizquelle aufzutreiben war. Insgesamt 3 viel zu schwache Elektroöfen gaben der Reihe nach im Verlauf der Woche ihren Geist auf. Wie herrlich angenehm war es in den in den Jahren davor und auch danach in der Zentralsparkasse oder im E-Werk-Kundenbüro – große helle, warme Räume mit eigenen versperrbaren Büros, Internet, Kühlschrank und „Gästebetreuung“ … Hier nun mitten am Platz im Schneegestöber vorm Hotel Greif, das man in der Früh gar nicht verlassen wollte angesichts des beim Frühstück schon durchs Fenster sichtbaren Häuflein Elends des mobilen, extrem auffälligen, aber karg ausgestatteten Studios fror man im damals klimatisch bedingt kalten Herzen von Wels …

DSC03794.JPGyouki5 02.JPGDie Leiden und Freuden des jungen Radio FRECH-Teams aus dem Linzer Medien Gym hier in der zentralsten Stadt Österreichs waren bedingt durch ein jahrelanges Bemühen sich im Bereich Film und Radio einzubringen und Präsentationsflächen und –podien zu erobern.

In den 80er Jahren war man in der Schule eben dabei von Super-8 auf Video umzusteigen, die Filmtage wanderten von Kapfenberg nach Wels ab und als hier im Herbst 84 erstmals der „Red Carpet“ vorm Greif ausgerollt wurde –nicht für jenes Festival für das die Wagner-Büste im 1. Stock dieses Stadttheatersaals steht, sondern für die 1. Österreichischen Filmtage, da war das Fadinger Gym mit einem Vorfilm im Programm vertreten, nachdem man zuvor Direktor Reinhard Pyrker drei Wochen lang bekniet hatte, Jugendfilme für die Präsentation zuzulassen. Und plötzlich waren die Schulfilmer nur ein paar Postfächer und wenige Meter entfernt von Filmstars wie Houchang Allahyari, Said Manafi, Franz Antel, Peter Patzak … sowie Größen des Experimentalfilms wie Dietmar Brehm, Mara Mattuschka und in wilden, übernächtig hochpromilligen Diskussionen am besten aus der Schusslinie, unvermeidlich aber konfrontiert mit Peter Kern, Ernst Schmidt jr., & Co.. – Unvergesslich eine Konfrontation mit dem mittlerweile hoch dekorierten Kameragott Christian Berger, der in seiner vitalen, oft sehr direkten Art in einen Musikfilm-Diskurs hineinplatzte und dabei die neueste, filmische „Schularbeit“ (A. Bruckner – Versuch 1) des Hauses rüde „herabwürdigte“. Da wuchtete sich das Schwergewicht der Schülertruppe hoch mit den Worten: „I hau eam ani“ – Nur mit Mühe konnte Max davon abgebracht werden, den später Oscar nominierten Preisträger der „American Society of Cinematographers“ frontal anzugehen. Auch dieser Zwischenfall konnte nicht verhindern, dass den Filmtagen in Wels nun alljährlich mindestens ein auf Video überspieltes und später auch auf einem solchen Medium produziertes Werk der Fadis zugemutet wurde …

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YOUKI-Geschichte – Erinnerungen

Nachdem es ein Video sogar als Vorfilm ins „Hauptabendprogramm“ des Filmpalasts Greif geschafft hatte, entschloss man sich, um dies zukünftig zu verhindern im Traunparkkino eine eigenen Schiene für den Schul/Schülerfilm einzurichten, wo abwechselnd immer auch Experimentalfilme über die Leinwand flimmerten (- echt legendär: „Gänseblümchen im Wind“) Das „Zentral“, die Räumlichkeiten des Greif und der Treffpunkt in der Pizzeria am Eck, wo Speisen mit Namen der aktuellen Filmtitel serviert wurden, blieben Fixpunkte des heftig umkämpften Festivals in der OÖ. „Provinzstadt“, die in ihrer Kleinheit dieser Veranstaltung volle, ungeteilte Aufmerksamkeit garantierte – ein wesentlicher Vorteil für Festspiele gegenüber Großstädten (siehe auch Bayreuth) – Pyrker verteidigte sein Gesamtkonzept der Filmtage gegen innere & äußere Widerstände („Braune Flecken“) erfolgreich bis Mitte der 90er Jahre. Sein plötzlicher Tod ließ die Filmtage nach Salzburg und schließlich nach Graz abwandern und dort zur Diagonale mutiert aufblühen – vor kurzem stellen dort die nun ehemaligen Youki-Chefs Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger (Ex-Fadi) das Direktorium …

05-09-2017 22;42;4705-09-2017 23;04;59DSCN1495.JPG

1999 im zweiten Jahr von Medien Gym und Radio FRECH brach in Wels die „Kinova“ aus. Der bekannte Welser Filmemacher Andreas Gruber („Hasenjagd“) mit dem auch die Fadis immer wieder zu tun hatten (Jury, Kooperation) startete einen Versuch, Wels abermals zur Filmstadt zu machen. Schon zu Zeiten von Hans Moser und Theo Lingen wurde hier gedreht und diese Tradition sollte fortgesetzt werden. Doch nach nur einem glücklosen Jahr wurde die Kinova zu Grabe getragen. Die Jugendschiene „Young Kinova“ hingegen überlebte und wurde als YOUKI zum Markenzeichen der jungen Medienkunst weit über Österreich hinaus. Hans Schoiswohl hatte damit nicht nur ein sofort Landeskulturpreis-würdiges Festival kreiert, sondern kurz davor auch noch pädagogisch geadelt mit dem sogenannten Mediameeting – einem vom Medienarbeitskreis des LSR OÖ. ausgearbeitetes und gemeinsam mit dem PI bundesweit ausgeschriebenen Mediensymposium mit internationalen Gästen in den Räumlichkeiten des Welser Hotels Greif. – Hochkarätige Starreferenten setzten sich mit zukunftsweisenden Impulsthemen aktueller Medienpädagogik auseinander. Die zahlreich anwesenden Teilnehmer aus ganz Österreich waren begeistert von diesem „Hochamt“ der Medienkompetenz. Und von Beginn an (wie bei „Schäxpir“) mitten im Geschehen: Das FRECHe Radio … radio frech mister cinema frank h.JPGDSCN7449.JPG>mediamEATing< zu „Greif“-Zeiten immer im kulinarischen Rahmen

Glanzvolle Greif-Openings mit Frank Hoffmann und Barbara Rett standen ebenso am Programm der Youkis, wie der berühmte Medienspaziergang Josef Haders durch die Welser Innenstadt auf dem der Ehrenfadinger bis ins FRECHe Studio begleitet wurde …   Auch der MLA (heute im Dschungel Wien ansässig) war damals in Wels beheimatet, schüttete erste Preise für die Fadinger Medienabteilung aus und lud zum Diskurs ein.Youki - Mediameeting im EWW m. Hader.jpgFadinger Ehrenmitglied Josef Hader im FRECHen Studio

MLA 10.JPGP1010171.JPGMKH 14.jpgFRECH Studio Wels.jpg                                       FRECHes Langzeit-Studio in der Sparkasse

Die YOUKI blühte richtig auf – bedeutet sie als Vorname doch „Gesegnete“ oder ohne den Buchstaben „o“: „Schnee“ & „Schneeblüte“ – passend zum Termin später November. Im Indianischen wird es je nach Schriftzeichen mit „Mut“ oder „Glück“ übersetzt – so auch für die Fadis: Unter den „heimischen“ Preisträgern war mehrmals der „BLONDE ENGEL“ mit seinem Partner „Leichti“ anzutreffen – speziell mit dem legendären Trash Jesus vs. Terminator – Zu diesem Zeitpunkt stand neben dem Schl8hof & X-Außenstellen in der Innenstadt bereits auch das geniale MKH „Medienschloss“ zur Verfügung …

youki 03 Schobi und Leicht.JPGP1040722.JPG                                              Genial: YOUKI von der „MASCHEK-Seite“ …                                                            Unbenannt.JPG          FRECH-Studio (Youki 010) – Heute Fingernagelstudio (Busstation KJ) im Bild am Schirm: Ur-Youki (Ketchup-Flasche)

DSC02075.JPGDSC02317.JPGYOUKI-Vater Hans Schoißwohl hat nicht nur dafür gesorgt, dass junge engagierte Leute mitarbeiten konnten, er hat damit auch gleich kommenden Führungskräften den Weg geebnet: Bei der YOUKI und bei Sebastian & Peter in der Folge auch bei der Diagonale …   Alle Guten Wünsche für die jungen Teams der letzten Jahre und für die Zukunft der YOUKI !!!DSCN2629.JPGchefinnen.JPG                                                      radio-celebración-mundial                                                                                         Hier die —>  RADIOSENDUNG (!) zum MEDIENKULTURHAUS

almseegipfel in angenehmer tallage.JPG„Mediengipfel“ – Alljährlich im Sommer traf man sich beim Hans (rechts im Bild) „daheim“ am Almsee zum gemeinsamen Geburtstag (Hans war nur wenige Stunden älter: 5. „vs.“ 6. August 54 / 2 Löwen & ein Leo) – bis Hans zu Beginn des Linzer Kulturhauptstadtjahrs 09 nach schwerer Krankheit von uns ging.

Sechs Jahre davor als die Welt noch in Ordnung war, saß man in diesem eisig kalten Zirkuswagen, wenngleich diesmal mit über 30 anderen Wärmenden – darunter Presseleuten bestückt mit Mikros und Kameras, denn es war Radio FRECH gelungen Fredi Dorfer vor dessen Auftritt im Greif in das FRECHe Gefährt zu locken. Kabarettkollege Günter Paal hielt den Kontakt mit dem Greif aufrecht, damit man sich nicht sinnlos verquatschen würde. Die Radio FRECHe Moderatorin Sabine Aigner schaffte es, sich im Verlauf des Gesprächs für den dann darauf folgenden Auftritt ins Greif einzuladen mit der Bitte Dorfer möge nicht überziehen, weil sie doch den letzten Zug nach Linz noch erwischen müsse. Gesagt getan – sie war in einer der Logen mit dabei und pünktlich um halb beendete der göttliche Dorfer seinen Abend mit dem Hinweis, dass es heute keine Draufgabe gäbe, da seine heutige Interviewpartnerin jetzt zum Zug müsse …  eine der Sternstunden von Radio FRECH

Dorfer (FRECH Youki).JPGEhrenfadinger Fredi Dorfer im FRECHen ZirkuswagenYouki 02 a.jpg

Pannonia.jpg Oben: Ingos Licht-Workshop / Unten: 2017 Fadis am vorweihnachtlichen MKH-SetDSCN1793.JPGFür die Fadis endete die Youki immer erst so ganz endgültig mit ihren Workshops im MKH kurz vor Weihnachten, wo meistens schon an Beiträgen fürs nächste Jahr gebastelt wurde. Wenn dabei Ex-Fadis mit Oberstuflern zwei Tage in Klausur gingen und Ingo den mit Schaumstoffteilen randvollen Ausstellungsraum mit Licht & Nebelprojektionen in eine Unterwasserwelt verwandelte, Gerolf Alice am PC schrumpfte und durch die Luft fliegen ließ, während Gerry Wahl mit der Achten nach dem ICH suchte, dann war Schulweihnacht nach eigenem Geschmack und mit dem eigenen Team ausgebrochen – das Christkind wartete so faktisch schon im dunklen Nachbarraum … und dann gings flott durch die wunderschön kitschig beleuchtete Weihnachtsstadt vorbei an der Hans Sachs – Gedenktafel gegenüber des MKHs beim Standlmarkt und dem glitzernden Stadtturm schnell zum Bahnhof – denn oft wars schon mal der „23.“  …

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Manfred Pilsz                                        AUF ZUR XX. YOUKI

FadiMediaBlog

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BONUS-Nachtrag speziell für Peter & Sebastian:

DSCN4712.JPGYOUKI DSC07943https://cba.fro.at/250649

nach 24 Min beginnt oben das Radio FRECHe Fadinger Waterloo-“Interview”

Hier noch Fadinger Bilder zur Jubiläums-Youki 018:

DSCN4620.JPG

… auch in der Schüler-Jury der Youki (wie seit Jahren: Die Fadis)DSCN4658.JPGDSCN4695.JPGDSCN4703    In der Nightline die Bands:  La Sabotage (Sara)  &   Dives (Tamara)    <—- hier Videos                        Sara & Tamara maturierten 2011 in der selben Fadinger Klasse  …

JUBEL YOUKI JUBILÄUMS Programm 1

kuratiert von Siegfried A. Fruhauf, Rudolf Agner, Anna Spanlang

Seit 1999 flimmerten ca. 1700 Kurzfilme über die Leinwand. Die Künstlerischen Leitungen haben in ihren Erinnerungen gekramt, alter Kataloge durchgeblättert und ihre Lieblingsfilme rausgesucht:

 „Jesus vs. Terminator“ (Schobi & Leichti & Co, AT 2003, 4:20min) – Youki 2003

Dieser 1. Film aus dem YOUKI Jubelprogramm (zur Eröffnung am 20. Nov. 018 um 19.00) stammt vom mittlerweile berühmten  „Blonden Engel“    – damals noch Schüler am Mediengym Fadingerstraße. Gedreht gemeinsam mit seinem Schul-Freund Matthias L., der nun als Lehrer an einem Wiener Gymnasium erst vor wenigen Wochen genau wie das aktuelle Fadinger Team beim MLA je einen der Hauptpreise (im MQ, Mariahilferstr.) abholen durfte …

Youki  Blonder Engel und Leichti im FRECHen Gespräch.JPG Der „BLONDE“ & Freund Matthias L. bei einer YOUKI im Radio-FRECHen Gespräch                                  Matthias L. wiederum ist der Bruder von Tamara (Dives)

Bei der Jubel-YOUKI-Retrospektive 1 & 2 wurde ein Film schmerzlich vermisst:

PSYCHO  ZAPPIN

KURZ & KLEIN ! – KARIKATUR ?

Alles ist kürzer, kleiner dimensioniert … und wird ab und an zur Karikatur?

DSCN1520.JPG„Ring-Trilogie“ war für staunende Wagner-Kenner auf Plakaten beim Eingang zum Theater an der Wien zu lesen. Der Ring –normalerweise im Angebot als Tetrapack- diesmal in nur drei Teilen ohne Vorabend und versehen mit den Titel gebenden Namen: Hagen, Siegfried und Brünnhilde. – In jedem der 3 Fälle wird die bekannte Story jeweils aus der individuellen Perspektive einer dieser Figuren abgehandelt, beginnend mit „Siegfrieds Tod“ (bedingt durch Hagen)   – dem dichterischen Ausgangspunkt des Komponisten …  (Anmerkung der Dramaturgie)

Bei diesem Prozedere werden in Summe ungf. bis zu max. 7 Stunden der Originalfassung „eingespart“ durch inhaltliche Abstriche verbunden mit heftigen, szenischen Umgruppierungen. Am Beispiel Brünnhilde durften wir miterleben wie das mit sanften, musikalisch logischen Übergängen lösbar ist. Dirigent Constantin Trinks holt aus seinem „zwergigen“ Nibelungen-Orchester dabei das Maximum heraus.

DSCN1521.JPGNach der stummen Szene der Ermordung Siegfrieds eröffnet „Wotans Abschied“ garniert mit Rückblenden in die Kindheit Brünnhildens das Tableau aus Sicht der göttlichen Tochter. Ohne Loges Feuer geht es nahtlos über in die Morgen- der Götterdämmerung. In der Folge verlässt dann Siegfried das Walkürenfelsenzimmer ausgestattet mit spielbarem Flügel (Tasten statt Helm) und begibt sich als Trockenschwimmer paddelnd mit den Rheintöchtern auf „Heldenfahrt“ – hiebei sowie davor und danach stolpert die Regie Tatjana Gürbacas immer wieder in fragwürdig parodistisch anmutende Sequenzen …

Bt Karte1.JPGAkt 2:  Durchaus überzeugend funktioniert die Personenregie bei der Waltrauten-Szene in Brünnhildes Mädchenzimmer im Stil eines alten, monochromen Films. Mittels Drehbühne und wenigen gezielten Takten geht es weiter: Gibichs Mannen (hervorragend & köstlich der A. Schönberg-Chor) empfangen ihren Chef „Weichei“ Gunther und dessen Braut mit der „Welle“ /wie im Fußballstadion) – bei der „Doppelhochzeit in Weiß“ geht es in optimaler Personenregie drüber und drunter: Gutrune fällt in Ohnmacht als Siegfried  gruppendynamisch in die totale Defensive gerät. Mitten drin thront ungerührt und unbeweglich (wie ein General in einem Kurosawa-Film) Hagen, bei dem Wotan kurz vorbeischaut um ihm die Splitter seines Vertragssymbols vorbeizubringen aus denen Alberichs Sohn sich den Rache-Speer zimmert.

Im 3.Teil des Brünnhilden-Abends hält man sich im Wesentlichen an die Vorgaben des 3. Akts Götterdämmerung – aufgefettet mit Regieideen, wenn zB. Siegfried durch die Rheintöchter (als Warnung) Mimes Kippa verpasst kriegt oder wenn sie am Schluss die „Starken Scheite“ aus der Kinderstube Brünnhildes requirieren. Wotan darf im Rollstuhl dem Weltenbrand beiwohnen, der in einer sich drehenden, langsam versinkenden Verbrennungshalle von „Wal-statten“ geht …

Plakat.JPGDie „Siegfried“-Variante des 2. Tags wäre sicher von den ausgewählten Szenen und speziell von der musikalischen Umsetzung her auch spannend gewesen, zumal Daniel Brenna (Darsteller Siegfrieds) in der Götterdämmerung am Schluss bedingt durch den Vortag doch stimmlich schon etwas müde wirkte. Prächtig der Hagen von Samuel Youn und alles überstrahlend: Brünnhilde Ingela Brimberg.

„Zurück vom Ring“ (nicht als Zitat gedacht) kann man das Experiment nur bedingt als gelungen bezeichnen, dennoch aber als solches befürworten – wenngleich alle drei Abende zu besuchen wurde nicht in Betracht gezogen – Denn das wahre, originäre Gesamtkunstwerk des „Meisters aller Meister“ (Originalton – Anton Bruckner) ist durch absolut NICHTS zu ersetzen !

Manfred Pilsz

                „Den Ring muss ich haben“ (Video):  http://www.dorftv.at/video/21488 

Ring Video.JPGInfos dazu:  http://www.musiktheater.at/index.php/uveranstaltungen/14-news/veranstaltungen/188-den-ring-muss-ich-haben

 

 

KRAMPUSSONG IM TELEGRAMMSTIL

                                     Abendbummel – Höllenrummel – Kettenrasseln                                      Sprüchlein quasseln – Angstpsychosen – Krampusposen

30440bb3697797b6feae5c8bfa3fc17f--christmas-postcards-vintage-christmas-cards„Rückblickende Gedanken zum Auftakt in den Advent“

Beim familiären Abendbummel über den mit einer großen Tanne geschmückten Linzer Hauptplatz konnte es früher schon mal passieren, dass man an einem 5. Dezember in den Höllenrummel der aus der Altstadt kommenden Krampusgruppen geriet. Hecktisch laut brüllend liefen sie durch die Straßen. Ein für Kinder unvergessliches Kettenrasseln, das in der Stimmung wieder hoch kam als zwei frisch Getraute am 6. 12. 82 beim Aussteigen aus der S-Bahn flankiert von schnauzenden DDR-Militaristen mit Maschinenpistolen von deren Kettenhunden zu den unheimlichen, verspiegelten Passkontrollschaltern verbellt wurden, bis sich dann plötzlich die fast unsichtbare Tür des Bahnhofs an der Friedrichstraße öffnete und man sich am Eck kurz vorm Brandenburger Tor befand. Eigenartig wohltuende Ost-Berliner Ruhe umfing sie, Hausbrandgeruch und weit und breit keine einzige Plakatwerbung – man war zurückversetzt in die frühen 60er, als es hier in Urfahr schon vor Weihnachten große, dicke Flocken schneite, die Kinder aber am gerade noch schwach hellen  Nachmittag in ihrer Schulbaracke saßen bei Liedern und beim Sprüchlein quasseln, die sie für den Nikolaus übten. Man hatte damals wechselweise Vor- und Nachmittagsunterricht, da die Sonderschule auch hier untergebracht war und man im Nachkriegs-Linz noch immer mit dem Wiederaufbau beschäftigt war. Die Volksschüler zogen in ihren 4 Jahren zweimal um in andere Gebäude und hatten jedes Jahr einen Lehrerwechsel. In der Vierten übernahm der bekannte Schulbuchautor und beliebte Direktor Würzl die Klasse – doch zurück in die Erste: Die Sechsjährigen bekamen Angstpsychosen, wenn sie nur daran dachten, dass es gleich dunkel würde. Vor den Fenstern ihrer alten Holzbarackenschule glaubten sie schon Fratzen mit Krampusposen zu sehen, als endlich die Schulglocke läutete. Würden sie es schaffen den Nachhauseweg ohne unliebsame Begegnungen zu überstehen?

DSCN1149.JPGVolksschule – 1941 war die Baracke errichtet worden – 45 diente sie den Russen als Pferdestall

                             Kinder weinen – Mütter greinen – Babyfraisen                              Dreizackeisen – Birkenruten – Rückenbutten

Auch der Klassenjüngste versuchte sein Glück. Ganz schnell steckte er stolz seine Faschingseinladung die er vom Rappl Heinzi für Anfang Jänner bekommen hatte in die Schultasche. Dann lief er durch den halbdunklen Gang zur Garderobe. Manche Mütter hatten es nicht geschafft ihre verzweifelte Brut rechtzeitig abzuholen und so empfing ihn Kinderweinen an der offenen Schultüre. Er wusste, dass er nicht zu hoffen brauchte, denn sein Vater hatte langen Tag und die Mutter kam auch erst gegen 19 Uhr vom Dienst nach Hause – wenige Minuten vorm Nikolaus. Am Vorplatz ein Auflauf: Mütter greinen, ein Kinderwagen, daraus schrill laute Babyfraisen – nichts wie weg … Die Angst stieg erst so richtig hoch als es auf der Straße nun still wurde. Eigentlich war er ja in Hochstimmung: Er war als Klassensieger des von seiner geliebten Lehrerin ausgerichteten Gesangsbewerbs vor wenigen Tagen hervorgegangen und er sollte sich wenig später Gesamtsieger nennen dürfen. Aber jetzt hatte er andere Sorgen. Überall hinter jedem Busch am Straßenrand konnte ein Dreizackeisen auftauchen und der kleine, kränkliche Taferlklassler gab sich wenig Chancen einem echten Krampus zu entkommen. Seine  Oberlehrerin Haase nannte ihn „Krankensessel“, denn sein Platz war oft mal leer, wenn er sich nach wenigen Schultagen die nächste Kinderkrankheit eingefangen hatte. Der Kindergarten hätte ihm auch diesbezüglich gut getan. Statt dessen war immer ein junges Dienstmädchen in seiner Nähe und hoffentlich auch jetzt zuhause, um ihn vor den Schlägen mit den Birkenruten zu bewahren. Gäbe es schon eine Schneedecke am Asphalt, dann wärs kein Problem: In den Weihnachtsferien konnte man alle Jahre wieder vom Pöstlingberg und seinen Rodelwiesen beim unteren Dießenleitenweg übers Petrinum mit dem Schlitten und Höllentempo vorbei an der Müllgrube (heute Sportplatz) und der Barackenschule  bis runter in den Karlhof gelangen. So wie mit dem Tretroller unterm Jahr. Erst direkt vor der Wohnung in der Leonfeldnerstraße wurde es richtig flach. Mittlerweile hatte er klamm die mit alten Straßenlaternen auf schwarzbraunen Holzmasten ausgeleuchtete kleine Kreuzung erreicht und bog in die dort abschüssige Teistlergutstraße ein, als er eine große, dunkle Gestalt am Ausgang des Holzwurmwegs im Augenwinkel sah und sofort zu laufen begann, ohne sich umzudrehen. Er wollte keinesfalls in einer dieser Rückenbutten landen, mit denen kleine Kinder in schaurige Kohlenkeller „vazaht“ wurden, um dann dort verdroschen zu werden. Nur noch wenige Meter bis zum Zebrastreifen. Hier könnte man auch direkt in die Polizeistation laufen. Die hell ausgeleuchtete breite Straße bot Sicherheit, die Autos blieben stehen, er hatte es geschafft denn eine schmale Quergasse und zwei Türen weiter war das Ziel.

krampusmontage.jpgDas Problem ist weder die Balkan- noch die Mittelmeer-, sondern die Birkenrute

Hader Privat zu Josef & der Krampus:

                      Hinterm Fenster – Nachgespenster – Treppenknarren                           Schreckerstarren – Schlägerei – Wehgeschrei

Hinterm Fenster wurde gerade das Licht aufgedreht und der Stohr vorgezogen. Es war also jemand zuhause und keines der Nachtgespenster war ihm gefolgt. Er läutete und bereits Sekunden danach öffnete die 18jährige Rosmarie die Haustüre und bugsierte ihn ins sichere, wohlige Innere.

Kurz vor seinem 6. Geburtstag war man her zur Volksschule übersiedelt, von der idyllischen Altomontestraße, den weiten Feldern (heute PRO-Kaufhaus und Stadtautobahn), die man über einen Weg auch mit dem Kinderwagen queren konnte bis hin zu einem Bach, der hinter einem Bauernhaus vom Bäumen flankiert durch den Urnenhain in Richtung Donau fließt. Damals war im Sommer das Gewässer für Kinder durchaus noch zum Baden geeignet …  Am Ende der Straße befand sich eine alte Kohlenhandlung, die im Winter direkt durch die Kellerfenster belieferte – dahinter ein Teich, wo man ganze Sommer Nächte lang den „Froschgesang“ hören konnte. Wunderbar war auch der große Innenhof mit dem großen Steinnilpferd und dem Delphin aus dem Wasser sprudelte. Ein Terrain, das sein mutiger erster Freund Gerhard auch gegen größere Burschen mit Wort und Tat verteidigte, doch das war nun Geschichte. Nur die Bücherei am Eck in der Linken Brückenstraße führte ihn auch später wieder alle paar Wochen hierhin zurück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERASein nunmehriges Zuhause ohne Holzstiegen und dem damit verbundenen öden Treppenknarren war das erste neu gebaute Haus inmitten der „Hitlerbauten“ an der Leonfeldnerstraße, die gleich danach enger wurde und gemeinsam mit der Linken Brückenstraße in die Felder überging. Schon damals gab´s den Bus bis zum „Jäger im Tal“ kurz vor der Lederfabrik im Haselgraben und eine seiner Haltestellen direkt vorm Kinderzimmerfenster. Dieser Bus sollte ihn nur wenige Jahre später in der Unterstufe am Krampustag von der Straßenbahn an der Biegung zur sicheren Heimstatt bringen. Dazu musste man am Eck Reindlstraße schnell zusteigen. Auch Mitte der 60er waren das Feeling, der Geruch und das ungute Bauchgefühl noch da. Hausbrandgeruch in der Urfahraner Hauptstrasse mit den großen leuchtenden gelben Sternen im Dezember. Weihnachtsbäume und Gestecke gab´s in kleinen Gasse dahinter, wo einige Gärtnereien untergebracht waren (heute steht dort das Lentia) und das Schaffer-Holzwerk. Vor Weihnachten hing an jedem vierten Fenster in Urfahr ein Fasan. Meist bis ganze zwei Wochen (also viel zu lange) davor musste das „Prestigetier der 60er Weihnachten“ dort im natürlichen Kühlschrank „abhängen“, um dann im quasi „halbverfaulten“ Zustand aufbereitet zu werden. Endlich mit dem Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung kam der Bus. Nur drei nervöse Schüler stiegen zu und weiter ging die Fahrt zur Friedenskirche – der Name täuscht, denn an der Busstation war zu befürchten, dass dem Pfarramt frisch entsprungene Kramperl versuchen könnten den Bus zu entern. Umso erfreulicher war es, als man über die Kreuzung Freistätterstraße zur Haltestelle einbog, dass kein gehörnter Geselle am Trottoir auszunehmen war. Es wollte auch niemand aussteigen. Doch plötzlich Schreckerstarren: Irgendjemand oder etwas drosch von außen gegen die geschlossene Wagentür. Es wurde heftig an der Schnalle gerüttelt. Doch als Ruten sichtbar wurden die gegen das Autoblech hämmerten, setzte sich das Gefährt endlich in Bewegung. Durch das hintere Fenster wurde man Zeuge einer Schlägerei. Das Wehgeschrei der Beteiligten ging im Motorenlärm und dem wilden Durcheinander der aufgebrachten Fahrgäste unter. In einer Minute würde der Bus den Karlhof erreichen. Höchste Zeit, denn Onkel Toni hatte sich angekündigt, um schon jetzt sein Weihnachtsgeschenk zu deponieren: Seit Schuleintritt lag so jedes Jahr „Das große Jugendbuch“ vom Verlag „Das Beste“ unterm Baum – zuletzt mit dem gar nicht schwachen Würfelspiel „Autorennen Paris-Dakar“ auf den letzten Seiten der Ausgabe – das macht dann doch Hoffnung auf mehr davon …

ER-und-sein-Stellvertreter  Spittelberg Dez. 013  Der Vergleich macht Sie sicher.jpgVon der Spittelwiese zum Spittelberg: Er und sein Stellvertreter – der Vergleich macht Sie sicher

                             Geißfußkratzen – Teufelsfratzen – Pferdeschwänze                                     Hexentänze – Besenreiter – usw.

Anfang Dezember ging’s aber nicht immer nur bloß um Geißfußkratzen und Teufelsfratzen:  „St. Nikolaus ora pro nobis“ steht groß auf der Kirche neben dem heutigen ARS-Center und der Stadtwerkstatt mit ihrem Radio FRO Studio. In dieser Kirche fand vor nunmehr 35 Jahren am Tag der Heiligen Barbara eine Trauung statt, bei der nicht nur Althea Bridges, sondern auch der Bräutigam selbst seine Braut zum Altar sang. Die Hochzeitsreise nach Berlin fand seither Anfang Dezember eine Entsprechung mit Fahrten nach Venedig und Wien …

Leinwand Hochzeit.JPGLeinwand Hochzeit

„Pferdeschwänze – Hexentänze – Besenreiter – und so weiter  …“  – „Ich hör´s noch, als wär´s gestern gewesen“, meinte eine etwas über 40jährige in Erinnerung an ihre Schulzeit am Fadinger BRG. Jedes Jahr Anfang Dezember hat er seinen jüngsten Unterstuflern diesen „Krampussong im Telegrammstil“ aufsagen lassen als feine phonetische Übung im Zeitraffer. Man musste schnell  und deutlich sein, jeder Fehler wurde zu den Sekunden dazugezählt, die mit einer Stoppuhr festgehalten wurden. Zwischen 14 und 16 Sekunden war die Sollzeit für einen 1. Platz angesiedelt. Es war eine Sprechübung von vielen, ein Wettbewerb, der verteilt übers ganze Schuljahr stattfand. Die ersten Drei wurden meist am Zeugnistag mit einem goldenen, silbernen und bronzenen Notenstift und essbaren Brucknernoten ausgezeichnet. Die Besten erhielten die große Ausgabe dieser köstlichen Linzer Variante der Salzburger Mozartkugel. Davon unabhängig gabs das „Hubi-Spiel“, wenn vor Weihnachten oder zum Semesterschluss der Ratehubschrauber bestückt mit Fragen zu allen möglichen Fächern vom Fadinger Schulhof hinaus in alle Welt flog und man die Antworten dazu und seinen Aufenthaltsort erraten musste. Nicht von ungefähr bekam er von seinen MaturantInnen 011 einen kleinen, blauen Modell-Hubschrauber zum Schulschluss geschenkt …

Manfred Pilsz

Super Hubi 1.JPG        „Super Hubi“ im Adventkalender

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