ZUM RAUM WIRD HIER DIE ZEIT

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Weder Gralshüter & Monsalvat-Mastermind Gurnemanz noch ein „Tumber Tor“          wie Parsifal hätte das geniale Wagner´sche Textzitat heruntergebrochen auf die prosaische Ausdeutung in Richtung einer „Corona-bedingten“ > Quarantäne < !?!

Z E I T – R A U M

Etymologisch bedeutet Quarantäne 40 Tage in Isolation zu sein – hier wird dann die Zeit zu jenem Raum, den man nicht verlassen soll – gewissermaßen eine Parallele zur 40-tägigen Fastenzeit vom Aschermittwoch bis zum Osterfest. Und so seien denn Gedanken eines Wagnerianers in seiner Corona-Klausur zur ursprünglich, für den Karsamstag im Musiktheater geplanten Premiere des Bühnenweihspiels Parsifal, gestattet  …  Internationale Medienberichte dämpften spätestens in der 2. Märzwoche Hoffnungen selbst hartnäckigster Zweckoptimisten der Kulturszene und es kam bange Ahnung (sehnsücht´ge Mahnung) auf:

ES WIRD WOHL KEINEN ÖSTERLICHEN, LINZER PANDEMIE-PARSIFAL“ GEBEN !

Einen berühmten Sachs hatte es davor schon VOLLe erwischt:

Nordbayerischer_Kurier_alt.svg.pngBayreuther Tageszeitung

BAYREUTH. „Wahn! Wahn! Überall Wahn!“ – so singt es Hans Sachs in seinem berühmten Monolog in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Michael Volle, der diese Rolle in den vergangenen Jahren im Bayreuther Festspielhaus sensationell verkörperte, hat derzeit alle Grund, auf den weltweit grassierenden Wahn zu blicken. Denn der berühmte Opernsänger sitzt mit seiner Familie wegen des neuartigen Coronavirus in Quarantäne zu Hause nahe Berlin fest.  

Er habe seit Anfang Februar an der Mailänder Scala für „Salome“ von Richard Strauss geprobt und dort im Ensemble Kontakt mit einem Kollegen gehabt, der positiv getestet worden sei. „Dem habe ich einmal die Hand gegeben bzw. öfters zusammen mit ihm und anderen Kollegen geprobt.“

Übersetzt auf Linzerische Verhältnisse in den Iden des März 020:corona.JPG

„Leider, leider – sagt der  S c h n e i d e r“:

Freitag, der 13. März –  LANDESTHEATER LINZ UND BRUCKNER ORCHESTER LINZ                                                        STELLEN DEN PROBENBETRIEB EIN  …

Das Landestheater Linz und das Bruckner Orchester Linz stellen mit sofortiger Wirkung ihren gesamten Probenbetrieb auf Bühnen & in Probesälen in allen Sparten und allen Spielstätten bis auf Weiteres ein. Grund ist der in der künstlerischen Arbeit hohe persönliche Körper-kontakt von Darsteller*innen bzw. die Nähe der Musiker*innen eines Orchesters zueinander    –   eine rein Coroneske Aussendung  … 

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Wagnerianische Gedanken zum Bühnenweihespiel anlässlich der Corona-bedingten Verschiebung, in ebensolcher Klausur  –  gewissermaßen in der Einsiedelei des guten Gurnemanz. Weniger als 13 (?) Fragen stehen dabei mitleidig im Raum: Welche Matrix hat der Gral? Ist „Gemeine Atzungvegetarisch? Können Blumenmädchen zum Tod führen? Gibt es einen „Good Friday for Future“? – Ist Parsifal etwa gar Amerikaner?

tschech krone

Who the fuck (Trump-Deutsch für: Wer oder was) ist dieses verflixte Corona?  – Bis vor kurzem wohl nur ein eher harmloses (?), mexikanisches Bier, oder als „Koruna“ die Tschechische Krone (Koruna česká)  …  Wie aber konnte diese verdammt unglückliche Buchstabenkombination zu einem virulent gefährlichen Virus mutieren, der nicht nur 100.000ende Menschen in China und im Rest der Welt befällt und Schwerkranke auch zu Tode bringt?

Nur „umsichtige“ Staatenlenker wie der >Betriebsleiter< der USA sind gewiefte Vordenker und wissen daher auch in solchen Fällen wie der Oster-Hase läuft:

Virus, Virus – gib mir meine Billionen wieder

In den USA, wo das Problem als „Chinavirus“ auftritt, dort von den Demokraten und der Presse erfunden und durch die EU eingeschleppt wurde, hat Donald der „Weise“ zur Sicherheit zuvor das Gesundheitswesen zertrümmert (Obama Kehraus), was ihm vielleicht nachhaltig im Wahlkampf helfen wird  …  Make Amerika healthy again“ (?!) Mittlerweile hat sich auch die W.H.O. als ablenkender Sündenbock qualifiziert, oder waren es doch (wie so oft) die Radfahrer, von denen es ja gerade in China immer viel gab, ebenso wie in Holland, wo Corona auch sehr erfolgreich ist – und Belgien sei laut Trump´schen Globus doch die Hauptstadt von „dort“, womit wir wieder bei der EU wären – oder so  …

In Zeiten dieser Trump-Administration hätte Wagner wohl niemals auch nur in Erwägung gezogen zu emigrieren:

1876 hatte er als letztes Orchesterwerk den Großen Festmarsch zur 100jährigen Gedenkfeier der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten G-Dur  (WWV 110) geschrieben. Unter WWV 111 firmiert Parsifal (1865–1882)  –  und auch beim Gralsmusikdrama gibt es einen feinen Bezug zur anderen Seite des Teichs: Bei der Blumenmädchenszene (2. Akt) vermerkte Wagner handschriftlich in der Partitur: „Amerikanisch sein wollend“  …

                    Hier Syberbergs filmische Umsetzung der Blumenmädchenszene                          (Filmregisseur Syberberg war als aktiver Gast der Linzer Premiere geplant)

Vorm Milleniumswechsel gabs in Bayreuth einen Zahnarzt namens Dr. Fasolt – Um Wagners Kronen kümmerte sich ein Dr. Jenkins – ebenso um dessen Ambitionen in Richtung Umzug nach Wild West  (> Minnesota / Massachusetts <)  Parsifal sollte Amerikaner werden  …

Lieber, sehr geehrter Herr und Freund!

Es kommt mir so vor, als ob mir sehr bald die Geduld im Betreff meiner Hoffnungen auf Deutschland und seine Zukunft ausgehen, und ich dann bereuen dürfte, den Samen meiner künstlerischen Ideen nicht längst schon einem fruchtbareren und hoffnungsreicheren Boden übergeben zu haben. Ich halte es nicht für unmöglich, dass ich mich noch entschliesse, mit meiner ganzen Familie und meinem letzten Werke für immer nach Amerika auszuwandern. Da ich nicht mehr jung bin, bedürfte ich hierfür ein sehr bedeutendes Entgegenkommen von jenseits des Oceans.

Es müsste sich dort eine Association bilden, welche mir zu meiner Niederlassung und als einmalige Bezahlung aller meiner Bemühungen ein Vermögen von einer Million Dollars zur Verfügung stellte, deren eine Hälfte auf meine Niederlassung in einem klimatisch vortheilhaft gelegenen Staate der Union, deren andere jedoch als Kapital.Vermögen in einer Staatsbank zu 5 Prozent anlegbar zu verwenden sein würde. Hiermit hätte mich Amerika Europa für alle Zeiten abgekauft. Die Association hätte ferner den Fond für die alljährlich zu veranstaltenden Festspiele zusammenzubringen, mit denen ich allmählich meine sämtlichen Werke mustergültig zur Aufführung bringen würde: Diese würden alsbald mit der ersten Aufführung meinen neuesten Werkes ‚Parsifal‘ beginnen, welches das bis dahin nirgends anders wo zur Aufführung übergeben würde. Alle künftigen Leistungen meiner Seits, sei es als Leiter von Aufführungen, oder als schöpferischer Künstler, würden, auf Grund des mir übergebenen Vermögens, für alle Zeiten unentgeltlich der amerikanischen Nation angehören.

Mir kam nun in Erinnerung, dass Sie in freundlichem Eifer, bei Ihrem letzten Besuche sich mir erboten, wenn ich eine sogenannte Kunstreise in Amerika machen wollte, meine Geschäfte führen zu wollen. Mögen Sie es nun begreiflich finden, dass ich jetzt auf Sie, und keinen Anderen verfalle, um Ihnen meinen bei weitem durchgreifenderen Gedanken mitzutheilen. Eine blosse Kunstreise, um so und so viel Geld mit Konzertgeben zu verdienen, und dann wieder nach Deutschland zurückzukehren, würde nie meine Sache sein. Nur eine vollständige Uebersiedlung hätte für mich einen Sinn. – Wollen Sie gütigst hierüber ein wenig mit sich zu Rath gehen, und falls Ihnen – gut dünkt, Ihre Ansicht mir mittheilen!

Mit grösster Freundschaft

Ihr hochachtungsvoll ergebener

Richard Wagner                                               8. Febr. 1880  Neapel.-Villa AngriPosilipo

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For one million dollars and the establishment of an „American“ Wagner Festival like the one in Bayreuth, Wagner would come to America and premiere his latest opera, Parsifal, on the banks of the Mississippi. A Wagner Festival in Winona, perhaps?

As might be expected, even Wagner enthusiasts in America thought this, as one 1880 contemporary musical commentator put it, an „almost insane proposal.“ Dr. Jenkins, between probing Wagner’s molars, must have broken the news to him that there would be no one million dollars waiting for him in Minnesota. One million mosquitoes, yes — but dollars, no.

Wagner never came to Minnesota, but his operas did  …

In Seattle gabs in den 80ern sogar einPacific Nordwest Wagner Festival

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Der  W e s t e n  hatte es dem Bayreuther Meister immer wieder angetan – so zB. auch Brasilien: Aus der 1857 geäußerten Idee eines „Tristan“ für Südamerika wurde nichts. Die Kautschuk-Oper am Amazonas in Manaus gab es da noch nicht. Brasiliens Kaiser Dom Pedro II. war ein “louco por Wagner”, ein eingefleischter Wagnerianer, der 1876 nach Bayreuth reiste, um dort bei den ersten Festspielen den Ring des Nibelungen zu erleben.

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– Werner Herzog nimmt 1982 (genau 100 Jahre nach der UA von Parsifal) mit “Fitzcarraldo” filmisch diesen brasilianischen Ball auf  …

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Carrie Pringle (- klingt doch auch sehr nach Angloamerika) ist der Name des wohl berühmtesten Blumenmädchens aus dem 1882er UA-Parsifal. Diese junge Dame wurde im März 1859 hier in Linz (!) geboren.

In Bayreuth war sie bei den Proben (in die Unterbühne) abgestürzt und dem alten Meister (welchem sie „aufgefallen“ war) auf dessen Wunsch nach Venedig gefolgt. Queen Cosima wirkte „Not amused“  –  Wagners Herz auch nicht  …  Er starb dort        1883 am Canale Grande direkt nach Ende des Carnevals  –  ein Jahr nach den 1.       Parsifal-Festspielen.

rufulo.JPGbt 1882.JPGRavello, wo Wagner „Klingsors Zaubergarten“ entdeckte und der Dom von Siena -(Wagners Gralsburg = UA-Bühnenbild in Bayreuth 1882) in Wagners geliebten Italien.

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> Die MASKEN sahen plötzlich ganz anders aus  …  <

137 Jahre später wurde heuer in Oberitalien verfrüht der venezianische  Carneval abgebrochen  –  Eine Seuche, die im chin. Wuhan ihren Ausgang hatte, rafft tausende Menschen hinweg ! Nicht auf der Seidenstraße, nicht auf den Spuren Marco Polos      kam der Virus an die Obere Adria, sondern mit den „günstigen“ Arbeitskräften der Textilbranche (rund um Mailand) aus Fernost in der Economy Class eines Billigfliegers  – „Willkommen“ im „Globalen Dorf“ (- Bezeichnung,  die in Linz erstmals in den 80ern bei der ARS herumgeisterte / heute haben wir die Geißel des Internethandels sowie das permanente, sinnentleerte „Fluchtverhalten“ unserer überforderten Hamsterrad-Wohlstandsgesellschaft in der Verkleidung des Ferntourismus – legitimiert durch eine weltweite Wellness- und Spaß-Lobby  …  Freiwillige „Isolation“ der sogenannten  „1. Welt“ in gestrandeten Feriencamps und schwimmenden Hotelfestungen  … )

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An der Donau realisierte man nur sehr langsam den Ernst der Lage: Erst nach dem 5 : 0 für Manchester (und Corona) im leeren Gugl-Stadion fiel am Freitag den 13. März ganz langsam in Linz der Vorhang. Ein Geisterspiel ohne Publikum – das drohte nun auch dem Bühnenweihspiel (- beim „Fidelio“ im Theater an der Wien ging das dann ja auch so über die Bühne)

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W a g n e r s  Z a h l  1 3

130 Jahre nach Richard Wagners Tod wurde zu dessen 200. Geburtstag im Zuge der Eröffnung des Linzer Musiktheaters 2013 Parzifal (als Eschenbach/Wagner-Mix) am Vorplatz zum Volksgarten zur Aufführung gebracht: Regie führte Carlus Padrissa Mitbegründer der Theatergruppe La Fura dels Baus, die weltweit agiert, bei diversen Großereignissen  – u. a. im öffentlichen RAUM – so auch bei der Klangwolke  …LINZER-MUSIKTHEATER-GENERALPROBE-DER-OPEN-AIR-AUFFHRUNG-EIN-PARZIVAL_1365670254671687.jpg DSC08967.JPG2020 – „Im verflixten 7. Jahr“ nach dem Eröffnungsevent sollte nun also PARSIFAL auch im Inneren des neuen Hauses präsent sein. Premiere in der Osterwoche – wie traditionell in Wien (STOP am Gründonnerstag)  –  Der Linzer Karfreitagszauber war hier für Karsamstag geplant. Doch ist dies praktikabel? – „Das weiß ich nicht“ – hätte Parsifal geantwortet und es wäre eine wahrlich philosophische Antwort gewesen  …    Der „Indirekte Bühnenweiheklang Bayreuths“ im Linzer Musiktheater? Wie wird sich der Orchestergraben, nebst Auditorium und Bühnenraum in diesem Fall bewähren?

Opernführer Marcel Prawy >selbst bekennender, praktizierender Wagnerianer< hat immer betont, dass R W für alle Lebenssituationen in seinen Werken Entsprechungen und „Erlösungen“ anzubieten hätte  –  derzeit wär wohl auch für ihn Parsifal die 1. Wahl: In der aktuellen Wiener Inszenierung (Staatsoper) von Alvis Hermanis ist die ganze Gralsgemeinschaft krank !? Das erscheint etwas übertrieben, wenngleich Gralskönig Amfortas bedingt durch seine schmerzende, bemitleidenswerte Wunde, in ratloser Unentschlossenheit tatsächlich auch seine >nach dem Gral< dürstenden< Ritter schwächt. Gurnemanz versucht der siechen Truppe Hoffnung zu geben:

Titurel, der fromme Held,
der kannt ihn wohl.
Denn ihm, da wilder Feinde List und Macht
des reinen Glaubens Reich bedrohten,
ihm neigten sich, in heilig ernster Nacht,
dereinst des Heilands selige Boten:
daraus er trank beim letzten Liebesmahle,
das Weihgefäß, die heilig edle Schale,
darein am Kreuz sein göttlich Blut auch floß,
dazu den Lanzenspeer, der dies vergoß, –
der Zeugengüter höchstes Wundergut,
das gaben sie in unsres Königs Hut.
Dem Heiltum baute er das Heiligtum.
Die seinem Dienst ihr zugesindet
auf Pfaden, die kein Sünder findet, –
ihr wißt, daß nur dem Reinen
vergönnt ist sich zu einen
den Brüdern, die zu höchsten Rettungswerken
des Grales Wunderkräfte stärken

 Eigentlich ist nicht ganz klar warum die Bruderschaft so schwächelt, denn in einem Aufruf in den Medien noch Ende Februar wurde uns verbindlich mitgeteilt, dass das Anforderungsprofil für einen Gralsritter (Ausnahmen: Titurel & Gurnemanz) sich an Jahresringen gemessen doch deutlich unterhalb aller Risikogruppen im allerbesten Mannesalter befindet:

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Vor dem verwaisten Heiligtum
in brünst’gem Beten lag Amfortas,
ein Rettungszeichen bang erflehend: –
ein sel’ger Schimmer da entfloß dem Grale;
ein heilig Traumgesicht
nun deutlich zu ihm spricht
durch hell erschauter Wortezeichen Male:
»durch Mitleid wissend,
der reine Tor,
harre sein,
den ich erkor!«

 

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Bei Eschenbachs Parzival sind es 3 Blutstropfen einer Gans  –  bei Wagner tötet gar „Gänser“ Parsifal bei seinem Erscheinen im Gralsgebiet einen Schwan (Lohengrin)

Auf keine der Fragen von Gurnemanz weiß er zu antworten

…  durch Mitleid wissend,
der reine Tor
 

Die HANDLUNG nimmt ihren Lauf

Ich schreite kaum, doch wähn‘ ich mich schon weit  …    im  Raum/Zeit-Kontinuum          Musik am Weg in eine 5. Dimension …  

PARSIFAL:
Wer ist der Gral?

GURNEMANZ:
Das sagt sich nicht;
doch, bist du selbst zu ihm erkoren,
bleibt dir die Kunde unverloren.
Und sieh‘!
Mich dünkt, dass ich dich recht erkannt:
kein Weg führt zu ihm durch das Land,
und niemand könnte ihn beschreiten,
den er nicht selber möcht‘ geleiten.

PARSIFAL:
Ich schreite kaum,
doch wähn‘ ich mich schon weit

GURNEMANZ:
Du siehst, mein Sohn,
zum Raum wird hier die Zeit

Lang gehaltene Posaunentöne schwellen sanft an: näher kommendes Glockengeläute. Endlich sind sie in einem mächtigen Saale angekommen, welcher nach oben in eine hochgewölbte Kuppel, durch die einzig das Licht hereindringt, sich verliert. Von der Höhe über der Kuppel her vernimmt man wachsendes Geläute  …

GURNEMANZ:
(sich zu Parsifal wendend, der wie verzaubet steht)

Nun achte wohl, und lass mich sehn:
bist du ein Tor und rein,
welch Wissen dir auch mag beschieden sein.

Der wunderbar ewig lange 1. Akt erreicht mit der Verwandlungsszene und dem Tönen der Gralsglocken seinen Höhepunkt (Hubert Bognermayr von Eela Craig lieferte einst für Maestro Karajan ein elektronisches Geläut bei den Salzburger Festspielen)  –  Es wäre spannend Meister Poschner zu befragen, wie das in Linz gelöst wird  …  wie es mit dem doch massiven Choreinsatz klappt und ob er bei den Stimmen aus der Höhe, wie einst der legendäre KNA  auf das Erscheinen der Taube besteht  …

Was rankt und spinnt sich alles rund um das Bühnenweihfestspiel?

Allein die Begrifflichkeit Bühnenweihfestspiel ist Hinweis auf die Sonderstellung, die dieses Abschiedswerk Wagners hat: Er ließ eine 30jährige Sperrfrist für alle anderen Theater verhängen. die erst 1913 endete  –  kein Komponist vor bzw. nach ihm leistete sich einen solchen „Luxus“  –  Das quasi Applausverbot nach dem 1. Akt und das Geschehen auf der Bühne stilisierten das Weihespiel zu einer Ersatzreligion hoch !

Alle Suchenden nach Seele, Gott und Gral sollen nicht in Ferne und Irre schweifen, sondern es mit Selbsterkenntnis versuchen:

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spiegel.JPGD E R   G R A L  –  E I N   S P I E G E L

Tat twam Asi – das bist du !

(- auch in den Parsifal-Gedanken von Titus Leber)

„Du bist das“- was durch dich wahrgenommen wird. Du bist all das. Das alles ist deine wahre Natur. Du bist die Gesamtheit deiner Erfahrungen. Du bist nichts anderes als das was gerade ist. Das Absolute ist identisch mit Dir und dem was durch Dich erfahren und erkannt wird.

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Schopenhauers Notiz „Tat twam Asi“

Unter die obige Notitz schrieb er:  „Das Tier, das du jetzt tötest, bist du selbst  …“

Kundrys Frage „Sind die Tiere hier nicht heilig?“

Die geehrte Direktion des Tierschutzvereins in Dresden erlaubt sich der Unterzeichnete um gefl. Mitteilung der Statuten und sonstigen Berichte desselben über dessen Wirksamkeit und Tendenz, sowie um die nähere Angabe der in das Auge gefaßten Agitations-Mittel zur Unterdrückung der medizinischen Vivisektion von Tieren, zu ersuchen, da er gesonnen ist, mit seiner ganzen Familie nach äußersten Kräften dem Verein seinen Anteil zu widmen. Hochachtungsvoll

Richard Wagner

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V e g a n e r   W a g n e r ?

Dem Fleisch abgeschworen hatten damals auch in Wien einige Künstler, die alle zum Stammpublikum des Cafe Griensteidl zählten wie der Schriftsteller Siegfried Lipiner, der Komponist und Musikjournalist Hugo Wolf oder der Komponist Gustav Mahler (1860-1911). Der sogenannte Lipiner-Kreis berief sich in Anlehnung an Schopenhauer auf eine asketische Mitleidsreligion. Maßgebend für diese Facette des Vegetarismus wurde der 1880 publizierte Essay Religion und Kunst von Richard Wagner (1813-1883). Wagner traf damit offenbar den Zeitgeist junger Intellektueller und für ein kurzes Zeitfenster war es kein Widerspruch, liberal und Wagnerianer zu sein. Bayreuth wurde 1882 anlässlich der Uraufführung des Parsifal zur Pilgerstätte vegetarischer Wagnerianer, wie Friedrich Eckstein berichtete: „Viele Mitglieder unseres Kreises fanden sich bei der ersten Aufführung des >Parsifal< zusammen & wir pflegten uns dort in dem vegetarischen Speisehaus >Frohsinn< an der Ecke der Schulstraße und der Schwarzen Allee zu treffen“.
Schilderungen wie diese haben zu der Annahme beigetragen, dass deutschlandweit das erste vegetarische Restaurant auf Initiative Wagners in Bayreuth entstanden sei, wozu es jedoch keine gesicherten Belege gibt. Vermutlich bestand die fleischfreie Speisestätte lediglich temporär während der Festspiele.
Richard Wagner selbst war kein Vegetarier, in seinem Umfeld und in den Bayreuther Blättern fanden sich jedoch zahlreiche Vertreter des Vegetarismus  …

Liebig.JPGLiebigs Fleischextrakt.JPGGrotesk:  Liebigs Fleischextrakt wirbt mit Parsifal-Bildern auf den Dosen  …

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Die vielen Namen Kundrys beschreiben eine Reinkarnationen-Kette, ausgehend von „Herodias“, der Frau des Herodes (die ihre Tochter Salome vor dem König tanzen lässt, um dann das Haupt Johannes des Täufers von ihm zu fordern) – Da muss auch die legendenhafte Verhöhnung des kreuztragenden Christus geschehen sein, die Kundry in der Folge beichtet. Kundry ist nicht nur ein Wesen in unterschiedlichen Zeiten, sondern auch in mindestens zwei Welten: Sie dient als Gralsbotin der Ritterschaft und Klingsor in dessen Parallelwelt als Verführerin in einer „Matrix der Lüste„, die den Garten der Natur (die reale Welt) zudeckt und verdorren lässt  …  > Die Matrix als Gegen-Gral <

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                    Ist Parsifal tatsächlich ein Vorbild von Neo in  „The Matrix“

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         Kundry & Gurnemanz auf der Suche nach Parsifal im virtuellen Raum:
Die Welt ist zu einer Matrix, zu einer Simulation geworden. Leben in einer virtuellen Welt. Ein geheimnisvoller Morpheus sucht zusammen mit Trinity den Auserwählten, den Erlöser, der die Kraft hat, die Welt aus der bösen Macht, der Matrix zu erlösen.

Wer ist die Matrix?

Morpheus glaubt, dass es sich bei dem jungen Computerhacker Neo um eben diesen „Auserwählten“ handelt, der laut eines ominösen Orakels die Matrix bezwingen wird.

Eine Art „Höhlengleichnis“ Platons (- Die Uridee des Kinos lässt grüßen)

Morpheus erklärt Neo, dass die Welt, in der er zu leben glaubt, lediglich eine schnöde Simulation ist, er nur ein gefangener Sklave in dieser computergenerierten Traumwelt, der Matrix, sei, und bietet ihm die Befreiung daraus an. Er stellt ihn vor die Wahl  in sein bisheriges Leben zurückzukehren oder die Wahrheit über die Matrix zu erfahren. Neo entscheidet sich für die Suche nach Wahrheit, die ihn in die reale Welt bringt.

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Trinity küsst Neo  – Dieser erhält dadurch neuen Fähigkeiten. Er kann den Code der Matrix nun deutlich sehen und mit seinen Gedanken frei manipulieren. Am Ende dieses (ersten) Films (einer Trilogie) befindet sich Neo dann wieder in der Matrix, aus der er die gefangenen Menschen erlösen will.

Die Androgynität Parsifals:  Syberbergs Geschlechterwandel bei der Kussszene

parsifal kreuz Wegweiser für die Regie.JPGobige „Matrix“ ist das berühmte Wieland Wagner-Kreuz

Der analoge Speer (der mit menschlichen Sinnen erfassbaren Natur), dessen Absenz in den Gefilden des Grals, Klingsors mehrdimensionale Welt seiner Matrix möglich machte, ließ dieser nun versinken  …

PARSIFAL:
(erfasst den Speer mit der Hand und hält ihn über seinem Haupte)

Mit diesem Zeichen bann‘ ich deinen Zauber.
Wie die Wunde er schliesse,
die mit ihm du schlugest,
in Trauer und Trümmer
stürz‘ er die trügende Pracht!

   (Er hat den Speer im Zeichen des Kreuzes geschwungen wie durch ein Erdbeben versinkt das Schloss. Der Garten ist schnell zu einer Einöde verdorrt; verwelkte Blumen verstreuen sich auf dem Boden. – Kundry ist schreiend zusammengesunken)

PARSIFAL:
Du weisst,
wo du mich wiederfinden kannst!

ltl_mrz16_peter philipp (1).jpg Karfreitag – April 1857 – Wagners erfundenes „Parsifal-Erlebnis“ (Zürich – „Asyl“)Asyl April 1857.JPG

Parsifal  – ein Seelenverwandter des Initiationskandidaten Tamino (Zauberflöte) –  erlebt das Ende seiner Prüfungen / seiner Heldenreise als > Karfreitagszauber < (Wunder Natur, Salbung, Taufe Kundrys, Rückkehr als König in die Gralsburg  …)

„Wie dünkt mich doch die Aue heut so schön“

            Das Gras dünkt grüner, die Luft frischer, würziger, als in den Jahren davor  …

         „Das ist Karfreitagszauber, Herr“

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CO2 im „Sinkflug“  –  kein Kondensstreifen am „Blauen Band“ des Frühlings“ 

Greta wollte es – Corona erzwingt es: Umweltunverträgliche Kreuzfahr(er)tschiffe werden zu schwimmenden Quarantänegefängnissen – Mehr Stornos als Buchungen – Deutlich weniger Touristenbomber pflügen als CO2-Schleudern durch die bereits etwas sauberere Luft  –  Peking kann so mittlerweile wieder (im doppelten Sinn)  durchatmen  …

co2 china.JPGEine Handy-App als Virus-Kontaktmelder, eine automatische Fiebermessung  (Trau keinem über 37“) und Gesichtsmaskenerkennung in Städten am Zebrastreifen sowie 30-Tage-Bewegungsdaten vom Mobilfunkbetreiber: Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus fährt China seine ganze Überwachungstechnologie auf. Unwirklich scheinende Szenarien werden Realität  …

>Klingsors Blumenbordell ist geschlossen – Home-Office – Man(n) nimmt Abstand<  Wenige Autos nur, fast leere Gehsteige beim >Osterspaziergang<Nicht durch des Frühlings holden, belebenden Blick, sondern durch Corona, befreit sind Flur und Bäche, aber nicht vom Eise, sondern wie Venedigs Kanäle: Vom Schmutz  … Fische tummeln sich wieder im klaren Wasser  …

Gretas Fridays for Future könnten im GOOD FRIDAY FOR NATURE 020 gipfeln !

ERLÖSUNG DEM ERLÖSER

PARSIFAL-PROGNOSE

Was einen Neustart des Spielbetriebes betrifft, wurden 3 Optionen zeitlich in den Raum gestellt: Die optimistischste Variante sah einen Beginn des Probenbetriebes nach Ostern vor, ein weiteres Gedankenspiel beschäftigte sich mit einer möglichen  Wiederaufnahme im Mai. Letzter Ausweg: ein Neubeginn mit nächster Spielzeit im Herbst – unter anderem mit Ludwig van Beethovens „Fidelio“Die Bayreuther Festspiele 2020 wurden übrigens abgesagt  … !!!

Die große Parsifal-Produktion, die am 11. April in Linz Premiere gehabt hätte, sollte in jedem Fall gezeigt werden – das galt für alle drei Szenarien !!! – Letztendlich wird PARSIFAL nun erst in der neuen Saison das Geheimnis des Grals enthüllen  …

Manfred Pilsz  –  Wagnerianer/Wahl-Bayreuther/RWVler

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http://www.musiktheater.at/                 http://www.wagnerverband-linz.at/

Der >für den Palmsonntag< abgesagte Linz-Marathon würde seit Jahren erstmals wieder eine Messe in der Stadtpfarrkirche am besagten Vormittag möglich machen, allerdings macht Corona sogar vor Kirchen nicht halt & so bleiben auch heuer die Pforten geschossen  …

Selbiges gilt für die Karwoche und für  0 s t e r n

DSCN8238.JPGDiesen PARSIFAL-BLOG-Beitrag gibts auch als Radio-Sendung: https://cba.fro.at/449384

M E T   NY  https://www.metopera.org/user-information/nightly-met-opera-streams/articles/transcendental-meditations/

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…  und in jedem Fall haben wir ORF III  Ö1 !!!

LETZTE MELDUNG:

DER LINZER PARSIFAL KOMMT NUN DOCH ERST IM JUBILÄUMSJAHR 2022

 

 

 

Helmut Rogl 60

Dieser BLOG–Beitrag hätte sich Lektüre & Betrachtung auf einem großen Screen verdient
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Helmut Rogl Musicletter #70 – Einladung zur Online-60er-Geburtstagsfeier
Der nicht nur musikalische Ausnahmezustand hat die geplante Uraufführung meiner Sinfonie, op. 66 voll erwischt und auch das Fest zu meinem runden Geburtstag.                          Gefeiert wird dann eben nur privat in trauter Zweisamkeit!

Aber halt – hier die Einladung: online mitfeiern und dabeisein!

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Videoportrait

Danke für das                                              schöne Geburtstagsgeschenk von Manfred Pilsz und Gerhard Bös!

 

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Hier nun der  V i d e o f i l m:

 

Radiotipps – Sendungen zum Geburtstag:

Mittwoch, 1. April, Radio OÖ, 18.10 Uhr  https://radiothek.orf.at/ooe/20200401/OSVO/1585757548000
Mittwoch, 1. April, Ö1, Zeitton, 23.03 Uhr                                                                        https://radiothek.orf.at/oe1/20200401/592769

https://cba.fro.at/442694     <<< Radio FRO zum 60er  (- hier jederzeit abrufbar !)

Was heuer (hoffentlich) noch kommt

21. Juni 2020 – Musik für Streichorchester, Sinfonia Christkönig, Eduard Matscheko
ab 5. September 2020 – Installation zum Start des Brucknerfests in den Promenaden Galerien  –  Bitte Termine vormerken. Nähere Infos folgen!

Helmut Rogl

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Arbeiten.JPGIMG_4098.jpg18-05-2011 06;52;47.jpg…  so jung kumm ma nimma zam  …

-siehe auch unter: LOT CAPE CHEN  und  JOHANNISNÄCHTE SCHLOSS WILDBERG

sowie weiters unter: PANNONIAALICE,  Fete de la Grenouille (Frosch-Horror) und  Der Blick des Orpheus

80 22-03-2017 13;17;24

  „Einmal Fadinger – Immer Fadinger“  – Absolvent Helmut Rogl war im Verlauf seines Schaffens auch immer wieder an Produktionen seiner ehemaligen Schule beteiligt  …

HAPPY BIRTHDAY  –  OHNE SORGEN

M a n f r e d

   Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

Bonus-LINK:   S O F I   9 9

und noch eine Printmediale Gratulation:

https://www.tips.at/nachrichten/linz/kultur/505368-komponist-helmut-rogl-im-portraet-zum-60er-eine-sinfonie