019 – Zehn Jahre LINZ09 …

Gedanken in den Iden des März

L I N Z  0 1 9

DAS GELBE VOM EI  & DAS:  >NACHHALTIG< ?!

File_001.JPGSpiegelei.jpg.638544.jpg      EIN FRECHer RÜCKBLICK  (- 09 aus der Perspektive des Jugendmedienpartners)  IMG_1640.JPG

FRECH WAR IMMER UND ÜBERALL

„Keiner verlässt den Außenlift !“ – entfuhr es einem der Insassen des soeben hängen gebliebenen „Fensterputzer-Aufzugs“ – sein Blick haftete wie gebannt an der glatten Außenwand des nun fast fertigen Wissensturms – bloß nicht runterschauen – Dr. E. Watzl hatte seine eben erst geäußerte Idee den fehlenden halben Meter zur offenen Luke im obersten Stock eigeninitiativ zu überwinden wieder ruhig gestellt, als das „50plus-Gefährt“ (- die Jüngeren hatte man dem Stiegenhaus überantwortet) mit einem Ruck kurz absackte, bevor es dann die letzten paar Zentimeter nach oben kroch – Nichts wie raus auf die rettende Plattform, wo bereits das junge Team des FRECHen Radios auf die „Senioren“ wartete (- gar nicht außer Atem und etwas schadenfroh) – Die angekündigte 09Pressekonferenz mit Uli Fuchs & Co konnte somit nun über die Bühne gehen  …

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Linz09 – VorglühenÜbersicht 09 a

p1070890File_013.JPGAlles begann schon 1998 mit einer Einladung zu „Expertengesprächen“ zum neuen Kulturentwicklungsplan der Stadt Linz . Drei Jahre später folgte das Angebot sich als Mitglied des OÖ. Landes – und Linzer Stadtkulturbeirats einzubringen. Auf Vorschlag von Dr. Chr. Schöpf (ORF/Kultur) erfolgte 04 die Wahl zum Leiter des Arbeitskreises „Koordination – Linz Kulturhauptstadt 2009“ – für 2 Jahre. In der Expertengruppe „Linz 2009“ fanden sich u. a. Peter Androsch (späterer Musikchef von Linz09 und verdienstvoller Erfinder des leider nicht wirklich nachhaltigen Akustikons), Thomas Baum, Silvia Nagl (OÖN) oder Dr. Gabriele Kepplinger (dorfTV)  …  2005 wurde ein leider in der Folge nur einmaliger Impuls gesetzt, junge Menschen endlich auf die „Brücke“ des Kulturdampfers zu holen: Das Jugendkulturparlament in der Kunst-UNI

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                     2006 wird Radio FRECH Jugendmedienpartner der Kulturhauptstadt                              und wenig später reiht es sich ein unter: Linz09 FRIENDS  …

zucker heute

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header_home_09.jpgDer obige „Aufmacher“ der „Fadi-hp“ hatte ab 07 rechts oben ein 09-Logo

Im Vorfeld der Ausstellung im Schlossmuseum wurde vom Fadinger MRG ein Dokuvideo zum November-Pogrom in Linz in Zusammenarbeit mit Zeitzeugen, Experten und der Kultusgemeinde gedreht. Nach der Präsentation der Arbeit      wurde in der Folge die Tonspur für eine ORF-Sendung zum Thema verwendet.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

File_008KFklDSC04477Eine Fadinger Absolventin (- wesentliches Mitglied des Teams) beschäftigte sich in ihrer Diplomarbeit an der Grazer UNI mit „Linz09 und der NS-Zeit“  …

2008 war gekennzeichnet durch intensive Probeläufe und Vorbereitungen: Allem voran der offizieller Drehbeginn für „Alice“ (Musikvideo mit Beiträgen von H. Rogl & W. v. Zutphen) und für Agentin009 rettet die Kulturhauptstadt– Letztere Parodie war besonders aufwendig, bedingt durch unterschiedlichste Drehorte für die meist auch Drehgenehmigungen notwendig waren: Spielcasino, Arcotel (mit einer eigenen 009-Suite), Geister- & Grottenbahn, sowie das Autohaus Baschinger mit einer Dodge Viper (über 400 PS) für die „09Fahrstunden“, der „Tiefenrausch08“, das nächtliche Schulhaus, der Winterhafen und das Lentos  …  Ein 2tägiges, über die Maßen extrem exzessives WelserWeihnachtsWorkshop mit Gerolf Nikolay machte ein rasches Finalisieren von „Alice“ und „Agentin 009“ möglich – Parallel dazu wurden in zwei anderen Sälen des Medienkulturhaues die Videosequenzen zur 09Musiktheater Produktion „Fadinger Reloaded“ aufbereitet und FRECHe PR-Strategien gemeinsam mit Ex-Fadi Gerald Wahl ausgetüftelt, der bereits beim „Schaurausch“ für Linz09 im Vorlauf aktiv gewesen war  …bruckneronair3                   header.jpg02-09-2016 18;23;35.jpgBrucknerhaus Magazin.jpgErstmals gabs 2008 offiziell ein eigenes Jugendfestspielradio bei ARS & Brucknerfest samt Blog auf der Brucknerhaus-hp unter dem Markennamen BRUCKNER ON AIRBegeistertes Feedback für Radio FRECH dazu vom Brucknerbund OÖ & von der LIVA-Direktion  (- Zwei Jahre davor hatte man eingeladen vom ORF Tirol beim Festival in Erl schon erfolgreich geübt  …)  Das Fadinger Mediengym MRG & die Radio FRECH waren an der Kippe zu Linz09 mal grade 10 Jahre alt  …File_009.jpgFür Schulprojekte gab es im Vorfeld zu Linz09 ein großes Problem, das eigentlich als Hilfestellung und Auffangbecken gedacht war:  I LIKE TO MOVE IT MOVE IT sollte über Künstlervermittlung (- also eigentlich ganz im Sinne der Austria Kulturkontakte) Schulproduktionen begleiten und so überhaupt ermöglichen – eine geordnete, bunte Abfolge von unterschiedlichsten Arbeiten sollte in kleinen Tranchen mit wenig Proben über die Bühne gehen – gemeinsam beworben & verteilt aufs ganze Jahr – Ideal für Newcomer und tödlich für alteingesessene Hasen, die so ihre Identität aufgeben und mit wenigen Proben (unter einer Stunde) auskommen mussten (- allein für „Fadinger Reloaded“ wurde ganze 2 volle Tage direkt in der Hafenhalle geprobt …)

Das Schultheater-Festival „Zündstoff“ wurde aus Kostengründen aufgelöst, da es ab sofort ja ohnehin MOVE IT gab …  Die FRECHen Fadis warnten zurecht nicht nur vor einem „Rohrkrepierer“ (- nach 2010 waren die 09MOVER tatsächlich wieder von der Bildfläche verschwunden), sie wurden direkt bei der Intendanz vorstellig und konnten so unabhängig agieren. Nur bei ganz wenigen ihrer Einreichungen klappte es nicht: Schmerzlich das Ballprojekt – und selbst in diesem Fall milderte Intendant Uli Fuchs als Ehrengast im KV den kurz aufkeimenden Frust der Maturanten.IMG_1955.JPGIMG_1781.jpg

buch 4

2009: Radio FRECH ist bei den offiziellen Eröffnungfeierlichkeiten überall dabei und startet mit einem 09Blog auf den Kulturseiten der Online-Redaktion der OÖN (- jede Woche ein Eintrag von Jän. bis Dez. 09) – weiters erscheinen auch Beiträge auf der OÖN-Kulturseite. Die Fadi-Bond-Parodie Agentin 009 rettet die Kulturhauptstadt wird beim 09Projekt „52 Wege die Welt zu retten“ angenommen. Und so besetzt Radio FRECH am Faschingdienstag die Weltrettungshaltestelleund ist dort eine Woche lang u. a. mit 2 Großplakaten von „Agentin009 rettet die Kulturhauptstadt“ vertreten – ab 1. April wird die Video-Bondparodie  2 Wochen lang auf LIWEST-TV in Linz & Okto-TV in Wien, Graz u. Klagenfurt gezeigt. Großes Projektabschlussfest im OK MediendeckWiederholung im Keplersalon auf Einladung der Intendanz09  …

buch 8.jpgÜbersicht 09 b.JPGbuch 6.jpgbuch 5.jpgagentin m1 Kopie.jpg                                  …  mit prominenten Gästen aus der Medien-Landschaft  …buch 10.jpgbuch 9.jpg

DSC06143.JPGGemeinsam mit Fredi Rauch wurde die Idee entwickelt das nunmehr 100 Jahre alte Schulgebäude in der Linzer Fadingerstraße mit seinen Räumen und Gängen in das Stationentheater „komA“ zu integrieren – zu 100 % vom Turn- & Festsaal, über die Chemie & Aula bis zur Direktion. Bereits im Vorfeld wurden die Bekennervideos für die Kellersequenz und der Amok-Film für den Schluss im Festsaal gedreht. – Das Fadinger Medienteam übernahm dann auch die Dokus und stellte nach dem Casting fast die Hälfte der SchauspielerInnen (neben dem Ensemble des Landestheaters), sowie alle Führungscrews  …  Ergänzend zum Erfolgsstück gab es eine gediegene Begleitveranstaltung (Runder Tisch der OÖN mit Exfadinnger Gerhard Lukesch)

buch 13.jpgDSC06810.JPGbuch 12.jpgÜbersicht 09 c.JPGMai 09.JPG4232363677_6c53cd97f4.jpgbuch 16.jpgbuch 15.jpgFile_061.jpg

Routinemäßig waren die Frechen als Festivalmedium 09 auch wieder bei SCHÄXPIR  (Zündstoff) und YOUKI (Blog für die Jugendinternetplattform „Subtext“) vertreten  … 

Ganz und gar nicht „Repertoire“ war die multimediale Musiktheaterproduktion Fadinger reloaded (- Regie & Visualisierungen) im Rahmen von Linz09 in der Hafenhalle (- beide Vorstellungen fast total ausverkauft) – Allein die Aufstellung des Budgets erwies sich als extrem kompliziert, da die Stadt Linz alle Schulprojekte mit 300.- Euro gedeckelt hatte. Nur mittels Aufsplittung in mehrere Einzelprojekte (Technik, Bühnenbild, Orchester …) war eine Abdeckung gemeinsam mit Bundes- und Landesförderung möglich. Ingo Kelps technische Wunderkiste verwandelte die karge Grundausstattung in ein Inszenierungseldorado mit Nesselvorhang, Vorder- und Rückprojektion, sodass die von den Fadis im MKH vorgefertigten Videos exzellent die Szene veredeln konnten. Stimmbandoperationen, Einspringer 3 Wochen vor der Premiere, nur 3 szenische Proben mit Orchester (- eine davon noch im Festsaal) und Querschüsse aller Art – NICHTS konnte die musikalische Reinkarnation Stefan Fadingers verhindern – pünktlich zum Wagner-Geburtstag ging das Musiktheater über die Bühne !!! – Groß angekündigt im 09Infomagazin „Neuner & gut verkauft am Hauptplatz-Infopoint   —    > BRAVISSIMO <IMG_6921.JPGimg_6920IMG_7006.JPGIMG_2419.jpgIMG_3403.jpg

buch 18.jpg

HAI-sieh-mir-ins-Auge-Klein.jpgLinz verändert 11Zur Halbzeit konnte man in den Sommerferien im Gelben Haus kurz durchatmen und mit der Linzer Buhlschaft Birgit Minichmayr FRECH über alte Zeiten plaudern (als man im Fadinger Festsaal der Interessierten blöderweise weder eine Kabarett- noch eine Filmrolle anbieten konnte  …) –  Phil Glass wurde ebenso vors Mikro geholt wie Hubert von Goisern  …

IMG_1194kl.jpg09strand 6.JPGflag 09.JPGFRECH bei Phil Glass 10.jpgBruckner und die FRECHebn Frauen.jpgAls ob der wöchentliche OÖN-09Blog nicht schon reichen würde, kam mit Ausbruch von ARS & Klangwolke ab Ende August auch noch „BrucknerOnAir“ (Festivalradio samt Blog) sechs Wochen (fast täglich) dazu. Zum Auftakt waren die FRECHen in den Aufbau der Ausstellung „Augenmusik“ involviert und zimmerten vor Ort ihre Kulisse „Augen-Ohr“ zusammen, die samt Abspielgerät als Installation Fadinger Musikfilme dem Publikum im großen Pausenfoyer während des Brucknerfests kredenzte  …haupt.jpgDSC08849.JPGDSC09019.JPGDSC08826.JPGFile_075.jpgDSC00065.JPGÜbersicht 09 d.JPG

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DSC09985.JPGDank1.JPGLinz09 DSC07125.JPG

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09Faschingsflohmarkt 1.JPG              OÖN Linz09 Urkunde.jpg

Linz09 FRECH DSC09979.jpgP6050001.JPG                       Letztendlich blieb das „Linzer Auge“ dann doch leider trocken …Linz09 P3120006.jpgUnglaubliche Karrieren & Erfolge mit Nachhaltigkeit haben sich bei 09 abgezeichnet: Die „Putzfrau“ des Stationentheaters „komA“ ist heute Direktorin des Fadinger Gyms – Regisseur John F. Kutil wurde Chef des Theaters für junges Publikum und bekam 2010 den Bühnenkunstpreis im Festsaal „seiner“ Fadingerschule vom LH überreicht.DSC00235.JPGDSC00271.JPGDSC00244.JPG Letzterer beglückte dann Ende des Jahre den „Intendanten“ der FRECHen im Steinernen Saal des Landhauses mit der Kulturmedaille des Landes OÖ 

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Hier die Radio-Sendung zum Linz09-Jubiläum 019: https://cba.fro.at/399154

Manfred Pilsz

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Eusebius, Florestan & Clara – „Dichterliebe“

 1819 – zum 200. Geburtstag von Clara Schumann

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25 Jahre nach dem (Fadinger) Filmprojekt

Zwei Tage vor Weihnachten beschloss man entsprechend des Titels & Inhalts der letzten Nummer von Schumanns „Dichterliebe“ nach Asten zu fahren und „Die alten, bösen Lieder“ auf der Mülldeponie (ausgestattet mit einer „Lizenz“) zu „entsorgen“  …

Die alten, bösen Lieder,
Die Träume bös und arg,
Die laßt uns jetzt begraben,
Holt einen großen Sarg.

Hinein leg ich gar manches,
Doch sag ich noch nicht was  …

BSG Kalender13F.jpgUnd so stand Claudia bei milden Wintertemperaturen und gutem Wind, der unsere schwarzen Müllsackbänder an ihren Händen flattern ließ, unsicher, aber entschlossen am Gipfel der Deponie, umzingelt von Kettenfahrzeugen, in sicherem Abstand, aber nahe genug, um filmgerecht ganze Schwärme schwarzer Vögel aufzuscheuchen und so insgesamt die gewünschte Stimmung am Kochen zu halten. Die eine oder andere Schumann-Krähe dieser Deponie dürfte dann wohl auch im Trakl-Film erfolgreich aufgetreten sein – Raben nicht ausgeschlossen  …  Als aber dann heftige Böen die Hauptdarstellerin arg ins Wanken brachten und sie einer ihrer schwarzen Fahnen beraubten, wurde eiligst Drehschluss ausgerufen. Wir hätten nicht den Müllberg mit dem Auto hochfahren sollen, denn mittlerweile nach einer halben Stunde Drehzeit war man fast bis zur Bodenplatte eingesunken – und nur mit viel Glück gelang es mittels fremder Hilfe das Fahrzeug wieder flott zu kriegen …  Weihnachten somit war gerettet und der Film endgültig abgedreht.

Drehbeginn der Fadinger Visualisierung der „Dichterliebe“ war allerdings im Frühjahr Nicht von ungefähr hatte der 1983 von Peter Schamoni mit Nastassja Kinski und (täuschend echt) Herbert Grönemeyer (als Clara & Robert) gedrehte Film Frühlingssinfonie diese Jahreszeit im Titel  …fruehlingssinfonie_14.jpg(Dichterliebe & Sinfonie Nr. 1 in B-Dur entstanden in der glücklichsten Zeit des Paares)

Endenich.JPGAm Rosenmontag des Jahres 1854 stürzte sich Robert Schumann, geplagt von argen Bipolaren Störungen in den Rhein, wurde gerettet und wenige Tage später auf eigenen Wunsch in die „Irrenanstalt“ in Endenich bei Bonn eingeliefert. Hier nun erst setzt die Visualisierung der 1840 komponierten zyklischen Lieder „Die Dichterliebe“ ein – also gewissermaßen als Rückschau Schumanns auf sein Leben und ganz zentral seine große Liebe: Clara ! An seinem Schreibtisch in Endenich sitzend, zieht ALLES noch einmal an im vorbei – In der Musikvideofassung ist Schumann im heute angekommen, ruft seine Musik per Fernbedienung ab und holt seine Erinnerungen mittels Bilder aus seiner Schreibtischlade  …

05-09-2017 21;52;42arobert_und_clara_schumanns_kinder

24-07-2014 18;50;30a.jpgWeitere Drehorte: Schule, Ölhafen,  St. Margarethen, Naturbühne Limonigasse sowie die Gewächshäuser des Botanischen Gartens

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangenbl06-07-2013 12;41;24af.jpg

Hier nun der Film (Blog-Autor = Regie & Gesang / Lieder-Texte):

Das Musikvideo „Eusebius, Florestan und Clara“ wurde u. a. bei den Filmtagen in Wels gezeigt. Preise: Landesmeisterschaft Gold & Titel Staatsmeisterschaft Silber und ein Ebenseer Bär. Hervorragendes Feedback durch das Schumann- Haus Zwickau und die UNI Leipzig, sowie später auch durch die Schumann- Hochschule Düsseldorf Preise1f.jpg06-07-2013 12;41;24b.jpg05-09-2017 21;52;42b.jpgschumann 2

Der verhinderte Pianist ! / „Florestan & Eusebius“ – Vorboten der Krankheit?

Schumanns unkonventionelles Übertraining am Klavier (Vorrichtungen zur Stärkung der Finger … Lähmung …) führte zu physischen Problemen an der rechten Hand, die in der Folge die Laufbahn als Konzertpianist verunmöglichten.

Zusammen mit seinem Lehrer Friedrich Wieck und einigen Freunden gründete Robert Schumann im April 1834 die Neue Zeitschrift für Musik und schreibt, wie auch anderen Autoren unter zahlreichen Pseudonymen und Kürzeln. Er selbst verwendete über dreißig, darunter die Namen der fiktiven Figuren Florestan und Eusebius.  Florestan verkörperte den leidenschaftlichen (männlichen), Eusebius den in sich gekehrten (weiblichen) Schumann.

Kölner Dom Marienbild kl.jpg05-09-2017 21;52;42d.jpg

Es schweben Blumen und Englein
Um unsre Liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die Wänglein,
Die gleichen der Liebsten genau.

                                       Unbenannt.JPGUnbenannt1.JPG

Wieck wollte sein Wunderkind Tochter Clara nicht an den, wie er meinte: „Eher wenig erfolgreichen“ Schüler Schumann verlieren und versuchte die aufkeimende Beziehung zu beenden. Noch kurz vor der Großjährigkeit Claras strengte das junge Paar erfolgreich einen Prozess an, um kurz danach zu heiraten  …  Das Glück dauerte knappe 14 Jahre  …

Es flüstern und sprechen die Blumen,
Und schaun mitleidig mich an:
Sei unsrer Schwester nicht böse,
Du trauriger, blasser Mann!

(an dieser Stelle folgt am Klavier ein instrumentales „Schluss-Stück“, das ein Ende andeutet, welches allerdings erst beim Nachspiel des 16. Lieds Realität wird)04-12-2016 11;55;43F.jpg05-09-2017 21;52;42c.jpg05-09-2017 19;25;35b.jpgNach den schlimmen Zeit in Endenich und dem Tod ihres geliebten Roberts, widmete sich Clara wieder der Konzerttätigkeit als gefeierte Pianistin und reüssierte als eine der wenigen (damaligen) Komponistinnen der Musikgeschichte  …  40 Jahre nach Robert starb die 7-fache Mutter & beliebte Künstlerin im Todesjahr von A. Bruckner

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Ach! jenes Land der Wonne,
Das seh‘ ich oft im Traum;
Doch kommt die Morgensonne,
Zerfließt’s wie eitel Schaum

Manfred Pilsz

Jahre später wagte sich eine junge Ex-Fadingerin anlässlich ihrer Abschlussarbeit an der Linzer Bruckner-UNI auch sehr erfolgreich an die Dichterliebe-Thematik heran: Julia Noa Fischer mit „Attosphere“  …

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BÜHNENBRETTER STATT KATHEDER ?

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 Ergänzung / Leserbrief:

T h e a t e r  –  Bildungsauftrag neu

Intendant Hermann Schneider lud zum kulturpolitischen Diskurs ins Schauspielhaus – eine wichtige Initiative – nicht nur angesichts der Theatervertragsproblematik …

In der „Nachlese“ der OÖN – am Podium vertreten durch Kulturchef Peter Grubmüller, der speziell auch die „Nachwehen“ von Linz09 zum „10er-Jubiläum“ zur Diskussion stellte, wurden fast alle Punkte des Abends kurz repliziert. Ein wesentlicher Aspekt, den Schneider schon am Abend nur kurz einbringen konnte, wurde dabei allerdings ausgespart: Er sprach von einem neu zu sehenden, basalen Bildungsauftrag an das Theater (- früher: begleitend)  Ein Faktum, das sich nicht nur durch das jede Kreativität abwürgende Korsett der Zentral-Matura offenbart, die im Sinne der Aus- statt Bildung Kunstvermittlung wenig Raum lässt (Beispiel: Deutsch – Textsorten, statt Literatur usw.)  Für die Politik ist unproblematische, anerkannte und durch Umwegrentabilität ausreichend abgesicherte Kunst willkommene „Behübschung“ – Erster Auftrag an die neu geschaffenen Bildungsdirektionen: Einsparungen bei Werteinheiten an höher bildenden Schulen – in der Umsetzungspraxis sprich: Bei den Teilungen in diversen Kunstfächern, sowie bei den ohnehin kaum noch existenten Freifächern und detto unverbindlichen Übungen (- meist Chor, Theater, Literatur, Tanz) und auch bei den angeblich doch der Bildungspolitik heute so wichtigen Neuen Medien (- Kunst im Netz, Schulradios, Filmarbeit …)

Wenn alles zusammengelegt oder gleich ganz eingespart wird, könnte tatsächlich das Theater Subventionen vom Bildungsministerium für seine kulturelle Grundversorgung (nicht nur) junger Bürger rekrutieren …    (- so sinngemäß von H. Schneider angedeutet)

„Sehn wir doch das Große aller Zeiten
Auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
Sinnvoll still an uns vorübergehn.
Alles wiederholt sich nur im Leben,
Ewig jung ist nur die Phantasie;
Was sich nie und nirgends hat begeben,
Das allein veraltet nie!“

aus Schillers Gedicht: An die Freunde

Werden die „Bühnenbretter“ von nun an mehr oder weniger singulär für jede Form der  Kunst/Kulturvermittlung zuständig sein müssen, oder sind alle „Bretter vorm Kopf“ einiger Bildungs“Experten“ endlich im öffentlichen Blickfeld, sodass die Schule auch in Sachen Kunst ihrer Aufgabe wieder nachkommen darf ?  – Die Hoffnung stirbt zuletzt !

Manfred Pilsz

TITUS LEBER – MUSIK SEHEN

Zum Ende des Weihnachtskreises – 11 Tage vor dem 13. Februar

TAT TWAM ASI   –   DAS BIST DU  angkorwat14.jpgmonserrat.JPG

In seiner Zeit als Medienkünstler am Hof des thailändischen Königs war  Titus Leber u. a. gedanklich intensiv mit einem PARSIFAL-Projekt in den Dschungeltempelanlagen Angkor Wat beschäftigt – eine buddhistische Auslegung und Verfilmung des Parsifalganz im Sinne Wagners, der dieses Werk aus diesem Geiste heraus schuf  … Schon im Jahr 1856 wurde von Wagner die buddhistische Oper „Die Sieger“ angedacht  …

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Wie dünkt mich doch die Aue heut‘
so schön! –
Wohl traf ich Wunderblumen an,
die bis zum Haupte
süchtig mich umrankten;
doch sah‘ ich nie so mild und zart
die Halme, Blüten und Blumen,
noch duftet‘ all‘ so kindisch hold
und sprach so lieblich traut zu mir

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Der Gral kann nicht durch SUCHEN im irgendwo gefunden werden, sondern nur im EINS-WERDEN mit sich und der Natur (- im Karfreitagszauber des Parsifal  / oder im Tristan – Isoldens Schlussgesang)

In den wonnigen Schwall,
in dem tönenden All,
in des Welt-Atems wehendem All

isolde.JPGAncor wat titel.JPGAncor wat1.JPGAncor wat.JPGAncor wat2.JPG

mehr dazu  …

Parsifal Fernost.JPG                                                        P A R S I F A L  –  A BUDDHIST TALE  (engl.)wolfgang wagner.JPGWolfgang Wagner war bei einer seiner Fernostreisen von T. Lebers Parsifal-Projekt sehr beeindruckt und lud ihn zu Schlingensiefs Ausdeutung des Bühnenweihe-Festspiels nach Bayreuth ein  –  Schade, dass die Verbindung zur Wagner-Metropole (sicher auch bedingt durch W. Wagners Tod) dann wieder versiegte  …

Wahnfried-Winter02_2008-12-12.jpgWeihnachten 017: Treffen & Interview werden fürs kommende Jahr ins Auge gefasst. Ab Ostern wird die Planung intensiviert, im Sommer bedingt durch die Hitze ausgesetzt  … Eisbär und Feuersalamander können nicht kommen zusammen …

a1Anima-websitepage-menu-film-21.png                   Berlioz – 4. Symphonie                                          „Anima“ – Titus Leber

Dann folgte ein Berlioz Déjà-vu bei der 018er ARS – mit der T. Leber seit frühen Tagen eng verbunden ist (P. Weibl)  –  2019: Bedeutet 40 Jahre ARS und KW (1979)

Was spricht noch für einen Treff in OÖ? – Ein Domizil am Irrsee  …  dort vielleicht Nachbar des Komponisten Erich Eder de Lastra oder von Otti Schenk  …

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Nach dem Linzer Kulturherbst 018 konkretisiert es sich: Termine ab Oktober werden vorgeschlagen. Das ausbrechende Afrika-Projekt lässt zwei Zeitfenster zerspringen – Mitte Dezember ein überfallsartiger Auftrag des BKAs (der Tisch im Landtmann neben der Wiener Burg war schon uhrzeitlich fixiert) – letzte Chance vor Weihnachten: Der 3. Advent-Sonntag …

Kurz vor Weihnachten 018 ist es gelungen den österreichischen Synästheten, Multimedia- und Musikfilmpapst Dr. Titus Leber dann doch noch nach Linz zu locken – ein feines Wiedersehen nach fast 40 Jahren

DSCN4959.JPG(Angenehm) klirrende Kälte – „High Noon“: Ein Taxi fährt beim Cafe vor & dann welch eine Erscheinung: In Pelzhaube, Pelzkragen – assoziative Bilder werden wieder wach: Ein berühmtes TV-Interview zum Mahler-Film mit Ken Russell –nicht Papst, sondern der Gott aller wissenden Musikfilmer  … Ein „5-Stunden-mEATing“ mit Köstlichkeiten & erhellend amüsanten Gesprächen folgen. Dann verlässt man das Traxl mit dem Taxl

ken russell.JPG„Gott“ Russell

Details und Hintergründe verrät das Gespräch im „Traxl-Eck“, das teilweise für eine  R a d i o-Sendung  aufgezeichnet wurde:  https://cba.fro.at/392466 

Der-Standard-Wien-Die-Bildplatte-wird-zur-Zeitmaschine-1989.jpgProf. Leber ist mit seiner „Schichtungsmethode“ und Filmarbeit eine fixe Größe:
„A n i m a“
(Berlioz) nominiert in Cannes  …<— hier der Film

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18-01-2019 17;15;51.jpgIn den späten 70ern lief im Linzer OP-Kino die Leber Verfilmung von Mahler-Liedern 80/81 hatte dann alles begonnen mit einem Besuch im BRG Traun (Prof. Ruttner), wo sich ein gerade mal 30jähriger Filmer einer Mediengruppe der Schule präsentierte. Wenig später gabs einen Abend im Anderen Kino in Anwesenheit der Regie  …  Wenige Tage später wurden zwei 7. Klassen BE & ME bestens vorbereitet dort hinbeordert um gemeinsam den Musikfilm „Anima“ zu begutachten, zu analysieren, sowie heftigst zu interpretieren. Im selbigen Monat wurde für die Super-8-Kamera ein Rückspulgerät für Mehrfachbelichtungen angeschafft und wenig später stieg man auf Video um (inkl. Bild/Tonmischer und mehrere Zuspielgeräte)  …

Musik im Bild – Töne sehen / Bilder hören    —   hier aus Esthers FBA (ein Ausschnitt):

Der österreichische Regisseur Titus Leber perfektionierte zu Beginn der achtziger Jahre die visuelle Vertikalmontage. Für seine „Schichtungsmethode“ werden die Filmbilder überbelichtet, damit man sie zu überlagernden Bildsequenzen montieren kann. Diese Technik verdichtet Handlungsabläufe, dient zur Illustration von Visionen, Träumen oder Wahnsinnsszenen und kann mit großer Leichtigkeit das Unvorstellbare und das Unsagbare darstellen. Durch die Schichtung entsteht ein visueller Akkord.

Univ. Prof. Dr. Erwin Ringel erkannte zwischen der „Schichtungsmethode“ von Titus Leber und der Tiefenpsychologie einige Parallelen: „Ein wesentliches Prinzip der Leber’schen Schichtungsmethode besteht nun darin mehrere zu getrennter Zeit und an getrenntem Ort aufgenommene Bildeindrücke durch Überkopierung zu einer Synthese zu verschmelzen. Dies entspricht im bildlichen Bereich genau dem Versuch der Tiefenpsychologie, die Gesamtheit der Person durch Zusammenführung der bewussten Oberfläche mit der unbewussten Tiefendimension zu berücksichtigen.“

In seinem Meisterwerk „Anima“ interpretiert Titus Leber Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“. Berlioz’ Programm zu seiner Musik beinhaltet die Geschichte eines Musikers, der zu Beginn seine Geliebte idealisiert, dann ihre Fehler erkennt und daran zerbricht.

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Titus Lebers „Schichtungsmethode“ lässt sich ideal mit Videotechnik umsetzen. Und so produzieren wir seit Jahren im Geiste unseres Vorbilds Dr. Titus Leber Musikvideos mit Langzeitdoppelbelichtungen auf unterschiedlichen Bildebenen, die synchron auf die Tonebenen der Musik abgestimmt sind. Unsere Film/Video -Gruppe BSG erarbeitet das jeweilige Konzept zur Visualisierung im ME-Unterricht -die Umsetzung selbst passiert dann in einer unverbindlichen Übung.

Um die Technik der Schichtungsmethode näher zu erläutern, sei exemplarisch unser Musikvideo „Im Auge des Zyklopen“ angeführt:

 Grundlage des Videos ist Otto M. Zykans „Odyssee“. Dr. Irene Suchy beschreibt die Musik zu „Der Tod der Freier“ folgendermaßen: „Hier verschmilzt Abstraktion und Bildhaftigkeit zu einer spezifischen, authentischen Einheit. Hier wird Sprache zur Musik ohne Verzicht auf die konkrete Aussage. Der „Tod der Freier“ vermittelt neben der Musikalisierung der Sprache unschwer die Aufregung eines Sportreporters, dem es angesichts der dramatischen Vorgänge den Atem verschlägt…“

Zykans „Der Tod der Freier“ wird mit einem sich drehendem Blutwirbel in der ersten Bildebene umgesetzt. Während Blutstropfen abgestimmt auf die Wortmusik, die vom Tod der Freier berichtet, fallen, erscheinen auf der zweiten Bildebene zwei Gestalten, die um das Schicksal der Helden kämpfen. Während man die Kämpfer noch immer auf der einen Bildebene sieht, blickt man in das blutgetränkte Auge des Zyklopen, in dem man die todgeweihten Freier sowie die gefangenen Mägde erkennen kann.

 Natürlich beschränkt sich die Gestaltung von Musikfilmen nicht nur auf die „Schichtungsmethode“. Häufig wird zum Beispiel Animationstechnik angewendet – denken wir nur an „Fantasia“, Beatles – Filme oder an den Kultstreifen „The Wall“.

Wie man der Fachbereichsarbeit von Esther V. entnehmen kann waren die Jungfilmer speziell der 80er / 90er mit der Theorie und Praxis (Pflicht- & Kür-Programm: „Anima“) vertraut und ab und an holte man sich sogar Feedback direkt vom großen Meister  … (zB. beim Bruckner- & Zykan-Film):

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 Titus Leber feiert 2021 seinen 70er  /  Wagners Parsifal wird 2022 ganze 140raum zeit.jpgMöge es ihm & den Fans vergönnt sein, den „Friedhof der Projekte“ (- Zitat T. Leber) möglichst klein zu halten – Seinem Parsifal sollte Raum und Zeit gegeben werden  Auch Syberberg hatte seine Chance

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Manfred Pilsz

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Statt „Stehend KO“ – ein fundiertes OK zur KI !?

Reif für „Künstliche Intelligenz“ & Digitale Welten?

Angstfreie analoge Wesen, die sich ohne einlullende Scheuklappen auf Breitband-Pfaden in digitale Sphären vorwagen und sich an den Vorteilen dieser neuen Welt erfreuen. Damit dies so allen Menschen vergönnt ist, müsste man (?) sie darauf allerdings entsprechend entschlossen & schnell vorbereiten …

„Das Niveau auf dem man hier nun diskutiert … wird dem Ernst der Lage nicht gerecht“

– soweit ein Zitat (Min 37) von Richard David Precht zur Halbzeit der TV-Diskussion „Im Zentrum“, in Reaktion auf  Beschwichtigungsworthülsen von Politik und Gewerkschaft, gefolgt von allgemeiner „Schnapp-Atmung“ bei dem von ihm prognostizierten, unvermeidlichen „Bedingungslosen Grundeinkommen“ …

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In den darauf folgenden Tagen: Kein wirkliches (auch nicht) mediales Echo auf den inhaltlich eloquentest, vom Philosophen Precht angeregten Diskurs, bei dem von seiner Seite kein einziges, schwammiges „Gegenargument“ unwidersprochen blieb.

Wie in „Schockstarre“ nimmt zur Sicherheit niemand die heiße Kartoffel auf – stattdessen kommen bloß lauwarme Ladenhüter medial in die Schlagzeilen:

Im „Spätherbst“ unseres derzeitigen Schulsystems diskutiert man viel lieber über jahreszeitlich angepasste Ferien, glaubt mit Laptops und Gerätekunde, die bereits alt aussieht bevor noch die Glocke ertönt, junge Menschen u. a. auf ein Arbeitsleben vorbereiten zu können, das es dann so gar nicht mehr geben könnte. Waschechter Medienunterricht in Theorie und Praxis mit Reflexion des Mediengebrauchs wäre gefragt und ein gezielter Schwerpunkt in Förderung von Kreativfächern wäre zu setzen – neben den Grundfertigkeiten & angewählten Vertiefungen …

Das Wichtigste aber: Das Problem ist das System – Lasst die Lehrer wieder in Ruhe frei arbeiten – weg mit dem Reform-Korsett, sonstigen Knebelungen, der Evaluierungsflut und sonstigen Irritationen …

KI, digitale Welt bedingen neue Gesellschaftsmodelle & Wertvorstellungen – das sind die längst überfälligen, jetzt dringlichsten Themen, denen sich Staat / Politik endlich stellen muss !

Manfred Pilsz

Mehr zur Thematik:                                                            https://leologeslogbuch.blog/2017/07/28/schoene-neue-digitale-arbeitswelt/

 

1999: Vom Roten Platz an die Newa

Jänner: Russische Weihnacht525134_448306441883281_1710590500_n.jpg16185_439482856098973_705465744_n.jpg1378650_560877923959465_835339987_n.jpg

Vor nunmehr 20 Jahren  …

Autobahnstation Ansfelden: 1999 – Ein grauer Abend in der Woche nach Ostern: Ein rotes, altes Gefährt biegt klappernd auf eine fast leere Asphaltfläche ein und bremst abrupt – der Motor stirbt ab. Aufspringende Türen umstehender Autos spucken im Stakkato Fahrer aus, die sich alle hektisch dem Geschehen nähern. Das Fenster der Ostblockkarre wird herunter gekurbelt und es kommt zur „konspirativen“ Übergabe von Dokumenten in Plastikfolien. In einem Fall wird Geld nachgereicht und gleich gezählt. Manche Fahrer beginnen querfeldein miteinander zu quatschen – man scheint sich lose oder enger zu kennen. Nach fünf Minuten löst sich mit dem Aufheulen des Motors der roten Limousine die Szenerie aus einem eher ruralen Agentenfilm auf. Die Ausstellung der Visa für Russland kann ihren Lauf nehmen  …

chimky.JPGJuni 99: Die Aeroflot-Maschine landet weich am Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Es war der Einladung durch die russischen Filmer geschuldet, dass sich die strikten Einreiseformalitäten nur auf das Zeigen des Passes beschränkten und man sich so bereits nach wenigen Minuten im Bus auf der Höhe von Chimki befand. Auffällig hier direkt am Stadtrand von Moskau das Jeschi-Denkmal:  Jeschi (auch Protiwotankowye jeschi; russisch: Противотанковые ежи  für Panzerabwehrrigel) Das 1966 eröffnete Denkmal liegt bei Kilometer 23 (gemessen ab dem Stadtzentrum Moskau) der breiten Leningrader Chaussee und markiert den der russischen Hauptstadt nächstgelegenen Ort, den Teile der deutschen Wehrmacht am 2. Dezember 1941 bei ihrem Vorstoß auf Moskau erreicht hatte. Nur ein paar Offiziere eines Erkundungstrupps haben von hier die Zwiebeltürme des Kreml gesehen – durchs Scherenfernrohr …  und damit war dann ihr Wahn vom „Schrebergarten im Ural“ auch schon wieder ausgeträumt (- Zitat frei nach „Bockerer“ -alias Mundl)  …

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Besagter Bus brachte die Filmer-Community ins zentral neben dem Stadion gelegene Hotel Yunost. Noch am ersten Abend drängten zwei der österreichischen Filmer die Gastgeber ihnen die Möglichkeit eines Besuchs des Roten Platzes zu eröffnen. „Keine Alleingänge – wesentlich zu gefährlich“ –  also mit 2 Taxis in die Moskauer Nacht zur Basilius-Kathedrale. Dort ging es dann per pedes mit den beiden Taxlern fünf Meter dahinter als Security weiter vorbei am Lenin-Mausoleum, den dunklen Nadelhölzern, die dort Spalier bildeten und dem Kaufhaus GUM bis zum Manege-Platz und dem Grabmal des unbekannten Soldaten – unglaublich stimmige, gewaltige Bilder, die sich erst bei der Rückfahrt ins Hotel wieder langsam auflösten  … Vor dem Hotel grimmige Wachmannschaften mit Waffen in den Händen  …1012623_519552434758681_1921390110_n.jpg1175071_545749892138935_1745111906_n.jpgLomonossow.JPGMo.JPGAm nächsten Morgen gings zur Lomonossow UNI direkt über der Moskwa auf der anderen Seite – ein gewaltiger Anblick mit einer Aussichtsterrasse an der etwas vorgelagerten Straße, über die dann, diesmal am helllichten Vormittag, ein weiteres Mal der Rote Platz frequentiert wurde. Diesmal waren man wesentlich näher am Lenin-Mausoleum dran und wagte sich in den inneren Kreml-Bezirk vor, wo ein Übertreten des Mittelstreifens der Besucherstraßen mit lauten Pfiffen und Befehlen gemaßregelt wurde. Unser deutscher Gast Dr. Ludwig kaufte am Platz vor dem berühmten Gum in nur wenigen Minuten alle verfügbaren Russenmützen, um sie anschließend auch an Passanten weiterzuverschenken. Ähnlich gestaltete sich sein Besuch in der Filmakademie, wo er einer Studentin zu einer Summe ein Bild abkaufte mit der er sie für mindestens 2 Semester aller finanzieller Sorgen enthob. Hier im altehrwürdigen Institut für Kinematographie sorgte dies für gehörige Verwirrung – 1919 von Wladimir Gardin gegründet handelt es sich um die älteste Filmhochschule weltweit. Berühmte Lehrer waren dort einst tätig – u. a.  Sergei Eisenstein oder Lew Kuleschow. Ein Besuch in den Synchronstudios und bei einer Probe der engagierten Schauspielabteilung rundeten dieses Filetstück unseres Moskauaufenthalts ab  …391022_499464340100824_1006979884_n.jpg222568_432837283430197_2097824295_n.jpg1382303_559669097413681_2127693833_n68_1280.jpgDurch weite Waldstücke gelangten wir an einem Nachmittag nach Sagorsk – sprich ins Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad. Mehrere Stunden wandelten wir durch das Areal der weitläufigen Anlage hier im Nordosten Moskaus. Einzigartig: Das hektische Treiben im Inneren der Hauptkirche – hier wurde zentral auf einer Art Marktplatz neben Betenden laut verhandelt, gebügelt, gesungen und gegessen. Es wurden Waren angeboten, Kleintiere gesegnet und verkauft. Popen in langen schwarzen Gewändern kamen und gingen, zogen sich um und verschwanden hinter goldenen Türen. Überhaupt war dieser ausufernde Raum, der sich nach hinten im Dunkel auflöste, prächtig und bestand größtenteils aus Ikonenmalerei, wie schon die Kirchen im Kreml – würde man dort im ehemals kommunistischen & heutigen, russischen Machtzentrum wohl eher so nicht vermuten  …16_1280.jpg

18518_434914906555768_1229028037_n.jpgWieder angekommen in Moskau gab es einige gewagte „Selbstversuche“ die Stadt mit der Metro zu erkunden – nicht einfach für Unkundige der zyrillischen Schriftzeichen. Nur 2 Möglichkeiten gab es da für den Unbedarften: Entweder wie schon in der ersten Nacht gemeinsam mit dem „Schul-Kollegen“ Richard dem Schlauen aufzubrechen, oder aber sich das Schild Roter Platz (Красная площадь) einzuprägen und mit richtigem Stationen-zählen ganz allein den Ausstieg in Hotelnähe schaffen. Hilfreich war dabei auch die doch sehr unterschiedliche Ausgestaltung dieser U-Bahn-Prunk-Hallen mit Mosaiken, Statuen bis hin zu Luster-artigen Lampen  …

Roter Pfeil.JPGUnd dann raste der Nachtzug – früher: „Roter PfeilKrasnaja Strela (Красная Стрела) – in die Stadt von Peter den Großen – in jedem Wagon befand sich ein dampfender Samowar  …  Doch statt eines Frühstücks gabs noch im Morgengrauen die freudige Begrüßung durch die Filmer von St. Petersburg – verbunden mit einer raschen Fahrt ins Quartier und dem Versprechen baldiger Labung im Offizierskasino direkt neben der Peter & Paul-Festung an der Newa (Нева)  …moskau-und-st-petersburg-peter-paul-festung-159908507.jpgStpetersburg_165.jpg

Ein Postsowietisches Hotel an einer breiten Ausfallstraße in der Nähe eines Parks – hier wurde in einem Holzanbau nicht nur genächtigt, hier gabs auch günstigen Kaviar und dankenswerter Weise (angesichts russischer Dimensionen) eine eher nahe U-Bahnstation: Metro Petersburg: Man steht vor einer Wand hört die U-Bahn einfahren – plötzlich öffnen sich Türen in der Wand – Leute steigen aus und ein – die Wand schließt sich und dahinter setzt sich die Metro in Bewegung. Wenig später war man beim Literatur-Cafe am Nevsky Prospekt oder an einem der vielen, nun touristisch erschlossenen Kanälen der Stadt. Am Vortag noch im Mariinsky bei Tschaikowskys Schwanensee und nun in einem der gepflegtesten Kinderfilmstudios, wo mit Legetrick gearbeitet wurde. Mentor Dr. Ludwig beglückt die junge Crew mit einer Einladung ins frisch eröffnete Mc Donald’s.

Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 1970.             Er behandelt das Leben des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky               Regie: Ken Russell.

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Weiße Nächte Petersburg – das bedeutet rund um die 2. Juni-Hälfte bis zu 19 Stunden Tag. – Unter diesem Titel existiert in der Stadt aber auch ein feines, für alle offenes Filmfestival …  „Isoldens Oden an die Nacht“ (kurz davor zum Staatsmeister in Innsbruck gekürt) und andere Fadi-Videos liefen hier vorher und danach  …

DSCN5363.JPGDSCN5160Hinterhof: Ein Gitter geht auf, Cafe-Tische werden entfernt, in einem Saal entrollt sich eine Leinwand, Sesselreihen entstehen neu, Durchsagen über trichterförmige Lautsprecher, es wird dunkel, zwei Stunden Kurz-Film sind angesagt  … Es wird hell, Durchsagen – die Gruppe wird sanft hinausbugsiert – Wer aufsteht, dem wird der Sessel unter dem Hintern weggezogen – noch in Hinausgehen hat sich das „Kino“ in einen Nachtklub verwandelt – das Scherengitter schließt sich  …  Die Gruppe begibt sich in einen Seminarraum – Große Schachteln: Wodka wird ausgepackt, russische Musik eingespielt. Der einzige Antialkoholiker verlässt die „Fete“ (- beim Abflug hatten ihn die Russen endgültig aufgegeben und auch mit Cola zugeprostet …) und möchte die Umgebung „erkunden“ – der Bus kommt ja erst in etwa einer halben Stunde – Nach dem 3. komplett identischen Plattenbau: Abbruch des Projekts, da die Chance nicht mehr zur Gruppe zurückzufinden mit jedem Meter der Entfernung quadratisch zunahm …

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Am Weg nach Peterhof kam man mit dem Bus vorbei an jener Stelle, wo bereits am 7. September 1941 das Leid für Leningrad seinen Ausgang nahm, als 1. deutsche Panzer vor der Stadt eintrafen – direkt an der Endstation der russischen Straßenbahn bei Urizk (- heute Siedlung bzw. Munizipaler Kreis Urick des Rajons Krasnoje Selo)  …  siehe: „Die Tragödie von Leningrad“  (Urizk – Seite 3 – „Der Beginn“)strelna.JPGUnweit davon am Meer gelegen: Das 99 noch immer vom Krieg gezeichnete Anwesen Strelna – halb verfallen präsentierte sich der Palast in der Morgensonne – hier hatte sich die Deutsche Wehrmacht zwischen Leningrad und Oranienbaum (Lomonossow) festgekrallt. So wie auf der anderen Seite der Stadt am Ladoga-See bei Schlüsselburg – um sie auszuhungern  …

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Schostakowitsch (als Feuerwehrmann) auf die Titelseite des Time Magazins

Während der Belagerung entsteht u. a. hier die Leningrader Sinfonie als Zeichen des ungebrochenen Überlebenswillens – Komponist Dimitri Schostakowitsch wurde so zum Helden – Legendäres Konzert in Leningrad am 9. August 1942  …

Zeugenaussage ist ein Biographischer Film (T. Palmer) aus dem Jahr 1988 und hat das Leben und Wirken des sowjetischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch (gelitten) unter Josef Stalin (u. a. in Form einer Gegenüberstellung) zum Thema

peterhof-1.jpgPeterhof präsentiert sich wie ein übergroßes,  langgestrecktes „Bayrisches Linderhof“ mit noch wesentlich prächtigeren Kaskaden und nicht neben Oberammergau, sondern an der Ostsee am westlichen großen Tor Russlands gelegen. Nicht nur die üppigen Wasserspiele, sondern die gesamte Anlage ließ sofort das Bild Ludwig des II. vorm geistigen Auge entstehen – dieses kleine Weltwunder war 41 bis 44 den heftigsten Kampfhandlungen rund um Leningrad ganz unmittelbar ausgesetzt  …

„Ras-Putin“ tanzt in Puschkin

Das nächste Ziel der österreichischen Filmer war im Süden der Stadt zu finden: Puschkin (russisch: Пушкин; bis 1918 Царское Село, Zarskoje Selo (Zarendorf) Später: Krasnoje Selo (russisch für Schönes Dorf) mit dem Jekaterinen– Palais …

katharinenpalast selo.JPGIm Katharinenpalast konnte damals 1999 ein nur unvollständiges Bernsteinzimmer besucht werden. Erst in den 2000ern wurde es vervollständigt. Bevor es aber in Fußbodenschonern durchs Palais ging, musste einem recht dringlichen Wunsch der Russen nachgekommen werden:  Als der Bus   die Türen öffnete ertönte Musik – eine uniformierte Kapelle in alter Tracht hatte am Parkplatz Aufstellung genommen und beschloss nach der Begrüßung einen Wegzoll: Durchlass erst nach einem getanzten Walzer – Österreicher müssen das können  …  Nach 13 Jahren Balldirektion war es unumgänglich sich für die Gruppe zu opfern. Schon nach den ersten Drehungen des Blog-Autors mit Austro-Russin Larissa rief der enthusiasmierte Delegationsleiter der Petersburger Filmer begeistert: Ras-Putin tanzt wieder !“

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Am nächsten Tag ging es mit einer Kiste Russen- Cola in Richtung Flughafen, wo eine umgebaute alte Tupolew auf  die Österreicher wartete – der Verschlag für den „Bombenwerfer“ war noch zu erahnen – dazu Stewardessen (Matroschkas wie nach einer Bauvorlage), die nach etwas verspätetem Eintreffen des einzigen First-Class -Passagiers mit einem „Duschvorhang“ am Mittelgang den Beginn des zweitklassigen Areals markierten und trotz des bevorstehenden, ausschließlichen Überlandflugs mit Schwimmbewegungen laut gestikulierend ihre schicken Rettungswesten propagierten – angesichts einer möglichen Wasserung im Neusiedlersee …  Nach zwei Extrarunden über Schwechat (– wegen zu früher Ankunft – bedingt durch Rückenwind) und einer eigenen Gangway für den einzigen „erstklassigen“ Gast war für die österreichischen Filmer Abspann & Abschied angesagt  …

Manfred Pilsz

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SCHLOSS WILDBERG – Johannisnächte, Pannonia, Musik, Film, Kabarett …

schloss.JPGPannonia Endfertigung Plakat_Page_1.jpgDas Riff schimmerte dunkel – Nebelschwaden umkreisen die offen einsehbare Fläche im Zentrum der Szene – unvermittelt löst aus dem unruhig waberndem Boden eine Gestalt in einem gelben Fischschuppenkleid  …  Doch nein – keine Fluss-Tochter im Rheingold ! – Nur eine kleine Seejungfrau auf der Flucht vor Wasserhexen, die sie mit Schlingpflanzen zu fangen trachten  …  „Stop ! Bitte noch mal – können wir diesmal mehr Nebel haben?“  – Meister Ingos Lichttunnel – erstmals angeregt in den 80ern durch Werner Herzogs Lohengrin-Ankunft, bei den Fadis bereits im Einsatz bei einer Kabarettproduktion, gleich darauf bei der feinen „Holländer“-Visualisierung „Senta D“ (- damals noch mit einem Diagerät / Konzentrischer Lichtkreis) und schließlich bei der einleitend geschilderten Unterwasserszene von Pannonia“ (Musik von Helmut Rogl) mittels modernster Gerätschaft im MKH (Medienkulturhaus) Wels. Der untere Museumsraum (heute Kinosaal 1) war damals vollgestopft mit bunten, unterschiedlich großen Schaumstoffteilen.Pannonia 1.JPGLightdesigner Ingo Kelp (früher in seiner Schulzeit im Fadinger BRG bereits für die Kabarett-Technik verantwortlich) verwandelte diesen musealen Kunstraum mittels aufflammender Scheinwerfer und Nebel in eine phantastische Unterwasserwelt. Zu diesem Zweck musste allerdings das Notfallmeldesystem des Hauses abgeschaltet werden und ein beamteter Feuerwehrmann „eingeflogen“ werden – und das einen Tag vor Weihnachten. Am Vortag hatte Ingo sein Konzept in Theorie und Praxis den jungen Fadis im Rahmen der alljährlich traditionellen Welser Medienklausur vorgestellt, um es am nächsten Tag dann Projekt-bezogen umzusetzen. Alles waren vom Vorabend noch müde, da der 1. Tag mit einer schwierigen Treppenszene im MKH erst so gegen 21.30 zu Ende gegangen war. Ungeachtet dessen ging man am folgenden Morgen die Schaumstoff/Nebelszene äußerst konzentriert an, sodass man bereits nach etwa 3 Stunden alles im Kasten hatte: Aufnahmen im Lichttunnel und an dessen Rändern – sprich: Herausragende Neptun-Dreizacke und „gestikulierende“ Extremitäten  …DSC06132.jpgpannonia film 26.JPGpannonia film 30.JPG

picture-0017.jpg16-05-2011 19;20;50B.jpg1164860.jpg18-05-2011 06;52;47.jpg1164989.jpg

IMG_1788.JPGIMG_1472.JPGpannonia rundschau.jpgPannonia Volksblatt.jpgDSC_9645.JPGPannonia

In den folgenden Jahren kam es nach erfolgreicher Postproduktion und 1. Preisen bei vielen Wettbewerben zu 2 interessanten „hybriden“ Präsentationen, bei denen die nicht im Film vorkommenden Teile der Rogl-Komposition in Echt getanzt wurden, eingebettet in den Beginn und das Ende der Musik-Visualisierung, welche auf einen halbdurchsichtigen Nesselvorhang in Front der Szene projiziert wurde. Einmal geschah dies in dieser Form im Brucknerhaus anlässlich des 50. Geburtstags des Komponisten und ein weiteres Mal als Freilichtaufführung im Schloss Wildberg. Hier sind schon Jahre davor und auch danach Fadinger Produktionen entstanden und über die Bühne gegangen: Allein fünf Jahre lang (86 – 90) gabs als jeweils erste Veranstaltung des Musiksommers im Schloss – ein Stationentheater vom Hof bis zum Dachboden mit Gesang, Tanz, Film: Die legendären „Johannisnächte“ – R. Wagner-Kabarett vom Allerfeinsten – dargeboten von einem Spitzenteam aus Ex- & Aktiv-Fadingern  …  sowie mit Gästen  … Da wurde Bärte abrasiert und Gesichtshaut mit schwarzer Creme behandelt, um wenigstens visuell dem Idealbild eines Othellos nahe zu kommen  …  Dabei wärs so simpel gewesen: Einfach auf Desdemona und den Begleiter verlassen  …  –  Auf der Probe erlauscht:                                                                                                           

28-11-2018 23;51;07.jpgJ2.JPG01-09-2016 16;36;021.jpg01-09-2016 16;42;541.jpg28-11-2018 23;51;07a.jpg29-08-2016 17;48;33102-07-2013 18;26;40.jpg07-12-2018 09;30;26.jpg02-07-2013 18;42;33.jpg

J3.JPG23-01-2018 13;00;08aJ1.JPG29-08-2016 17;45;47.jpg28-11-2018 23;51;07b.jpg

Arge Wetterkapriolen bereitete den Fadingern das Wildberger Klima bei der Musical-Produktion des „Neuen Jerusalems“ – „Coole“ Proben und Aufführungen rund um die „Eismänner“ machten jeden Aufführungstermin spannend bis zur letzten Regenwolke – mit detaillierten Hörschinger Prognosen, genug Heizdecken und Zweitbesetzungen drückte man das Musikdrama im Schlosshof erfolgreich durch  …rundschau 2.jpgMRG Musical Premiere.2jpg.JPGrundschau 1.jpgwildberg.jpgTIPS 1.jpgwas ist los.jpglot cape chen 8.JPGWeitaus gelöster verliefen da die herbstlichen Filmaufnahmen zu „Lot Cape Chen“  (fernöstliche Variante von Rotkäppchen) und zum Horrorstreifen „Das Fest des Frosches“, wenngleich das Versinken eines Jaguars im Neuschnee zu heftigen Verunsicherungen führte, die jedoch zeitlich mit einem ausgiebigen Dreh sehr ergebnisreich überbrückt werden konnten  …

Der „Froschfilm“ beginnt nach 28 Min 30 in der obigen Sendung

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Wie oft hat Heinz Helmut Ecker in Wildberg mit seiner Pfeife in der Hand empfangen, im Schlosshof auf der Bühne rezitiert, im Rittersaal gelesen oder im Landesstudio des ORF moderiert und durch Sendungen geführt – weit über seinen zu frühen Tod hinaus haben seine Frau Heidi & Sohn Julius gemeinsam mit einem Leadingteam (- u. a. Herr der Technik Bühnenmeister & Lightdesigner Ingo Kelp) die Schlosskultur > hoch über Linz < weitergepflegt – nun geht eine Ära zu Ende  …

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Manfred Pilsz

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ZAPFEN-STREICH … „Habt (Weihn)-8 !“

                             Warum wurde der folgende Beitrag im Dezember 018 verfasst                                 Weil sich 2x kurz vor Weihnachten das Happyend eines Dilemmas abzeichnete  …

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„Sequel“ /Auslöser:  Februar 2016   –  „Vergatterung“ zur REHA

Der große Zeiger hatte eben erst unentschlossen und dann doch mit einem kleinem Hüpfer und leichtem Nachzittern die „5 vor 12 – Marke“ erklommen. Und genauso fühlte auch ER sich: Wie im 5 vor 12 -Bereich und das im ganz schlappen Zustand. ER hatte kein Auge zugetan und war viel zu früh losgefahren. Die unbarmherzige Uhr unterstrich dies nachhaltig. Es war so ein typischer Zeitmesser Marke „Bahnhof“ – überdimensional groß, rund und dominant inmitten der dazupassenden Halle, im andauernd diffusen Schwebezustand zwischen Ankunft und Abfahrt. Überladene Gepäckswagen wurden hektisch und extra geräuschvoll durch den halligen Raum geschoben. Plötzlich eroberte eine Gruppe „Römischer Soldaten“ Bild füllend das Zentrum des Geschehens. Unter ihnen unverkennbar Julius Cäsar, der eben dem Aufzug unter der riesigen Uhr entstiegen war und nun imperatorisch laut grüßte. „Morituri te salutant“, dachte der müde Gast, als in seinem Blickfeld ein Pinguin auftaucht, der eben am Nachbartisch einen Cappuccino servierte. Würde der Vogel wohl auch zu ihm kommen, um eine Bestellung aufzunehmen? Ein Blick in die vor ihm liegende Speisenkarte ohne wirklich darin zu lesen, ermöglichte einen erhofften, sekundenschnellen Szenenwechsel bei dem sich Alt-Rom verabschiedet hatte. Ein Römer hatte seine Krücken vergessen: Wunderschöne rote Exemplare, die jetzt verloren im Eck bei der Aufzugtür lehnten. Ihm würden ja marineblaue Gehhilfen zusagen, statt der vom Spital zur Verfügung gestellten, verwechselbaren, öd grauen Krankenkassenvariante. Egal, das passte alles wunderbar zur Situation in der er sich befand: Faschingdienstag als Ankunftstag im „Revital Aspach“ – Beginn einer dreiwöchigen REHA in „Aspach Uralt“. Eigentlich hatte er gar keine Lust etwas zu bestellen, wusste aber, dass volle zwei Stunden (120 Min) totzuschlagen waren. Das hatte man ihm an der Rezeption mitgeteilt. Erst dann war mit der Zimmerzuteilung zu rechnen. Sein Blick schweifte, wie schon in den letzten Minuten immer wieder zu seinem Gepäckswagen auf dem sich das zusammengerollte Unterbett gegen die Decke wölbte. Als letztes Stück Heimat und möglicherweise eine, wenngleich zweifelhafte Garantie, dass die ihm zugewiesene Bettstatt in erträglicher Härte endlich wieder etwas Schlaf ermöglichen würde. Seit der Operation hatte sich Morpheus kaum mehr blicken lassen, außer in widerwilliger, durch kleine blaue Tabletten dazu genötigter Form. Und dies bedeutete Albträume in der Gestalt eines sich permanent mit sich steigernder Geschwindigkeit wiederholenden Horrortrips von wild kreisenden Zahlen, Terminen und permanent wieder und wieder zu erledigenden Aufgaben. Gefolgt von einem nicht zu beschreibenden Gefühl der totalen Erschöpfung am nächsten Morgen, aber begrüßt und kommentiert von einer allzu zufriedenen Nachtschwester der Patient und sein neues Knie hätten nachweislich laut und tief geschlafen.

2016-02-14 09.18.51.jpgDer Hinweis man haben ein Zimmer ohne Teppichboden am Telefon vereinbart und somit verbindlich gebucht, war eben erst gerade beim Gespräch mit der beamteten Rezeptionistin  im Strudel bürokratischer Willkommenskultur unreflektiert versickert. Ein zweiter zaghafter Versuch diesen essentiell wichtigen Punkt im Kontext des leider unvermeidlichen Aufenthalts mit der Dame zu klären scheiterte an der morgendlichen Stimmschwäche und am schwächelnden Kreislauf des Kandidaten. Ein Zimmer mit Teppichboden war atemtechnisch, schlafstrategisch und überhaupt ebenso wenig denkbar, wie Zimmer mit Katze. Letzteres war Gott sei Dank nicht im Angebot. Diese Teppich-Allergie schloss bei ihm schon seit ewig etwa 90 % der heimischen Hotellerie aus bei verzweifelten Buchungsattacken seiner Frau betreffend freie Quartiere für gemeinsame, ohnehin selten gestreute Urlaube.

Kasernenort im Salzburgischen.JPGNur die Grundausbildung war doppelt so lang & schlimmer  …

Erinnerungen werden wach:  1 9 7 3   –  45 Jahre danach

Drei volle Wochen inklusive ebensolchem Dienstplan mit bis zu 6 „Anwendungen“ täglich ! (- Tagwache um 6.00 mit Blutdruck messen, Unterwasserübung, Ergometer …) Ihm war schlecht vom Kreislauf. Er hatte in den Nächten davor kaum geschlafen. Also schloss er die Augen und dank der Gnade seiner Schwerhörigkeit verwandelte sich die so gedämpfte Hektik in artverwandte Bilder aus seiner Vergangenheit: Als er eine Woche nach seinem ersten Bayreuth-Besuch an einem viel zu sonnigem Tag in einem Bahnhof im Pongau ankam, um sich von dort aus möglichst zaghaft dem Haupttor des Kasernenareals zu nähern in der Hoffnung nie in ihm anzukommen. Dann betrat er doch im gleißenden, fahlen Licht die unheimliche Weite des Kasernenhofs. Kalte, ja feindliche Umwelt, fern der Linzer Heimat, getrennt von Vater und Mutter, entwurzelt, bedroht von einer langen, endlos scheinenden Verweildauer. Da brauchts kein Brom im Tee um einen Durchhänger zu haben, oder „flammende“ Reden des kommandierenden Oberstleutnants, der seine „Braven Buam“ gefährdet sah durch urbane Rekruten aus den östlichen Städten der Republik und daher oft Kontrollfahrten zu den Kuhfladen-„Gefechtsplätzen“ mit seinem Ford Mustang unternahm, auf dessen Kühlerhaube ein knochiger weißer Stierschädel montiert war. Wenn er dann damit eine Vollbremsung auf der „Sprung vorwärts Deckung – Wiese“ in Form einer Halbpirouette hinlegte & sich leicht texanisch, quasi mit Sombrero aus seinem Westernmobil wuchtete, wusste man sich „gut aufgehoben“ in dieser staatlichen Institution. Ebenso wenn der leider unfreiwillige „Kompanie-Schwejk“ die Übungshandgranate gegen, statt über die Schutz-Wand schoss, oder man wegen angeblicher, sogenannter „Anstiftung zum Kameradschaftsdiebstahl“ (sprich man hatte den Spindschlüssel irrtümlich im Schloss stecken gelassen) zum „Rapport“ befohlen wurde und man als Ergebnis einen blöden   SAmstagSOnntag Latrinendienst ausfasste – verbunden mit einer Streichung des Urlaubsscheins für dieses Wochenende …

Tagwache“  – „Links um – Rechts um !“ – schallt es schroff über den Kasernenhof  …

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ATOM-PIL(S)Z VON LINKs  –  Rechts schaut !

St. Johann ließ ihn über 6 Wochen nicht los – unterbrochen von nur ganz kurzen bewilligten Fluchten nach Salzburg und Linz (!) nach erfolgreichem Schießen und Turmspringen vom 5er des örtlichen Schwimmbads. Der 3. Platz beim Schießen und „Acapulco für Arme“ brachten dem Rekruten immerhin 3 Extra-Tage ein an denen er das nervige Exerzieren am Appellplatz mit anschließender Übung auf der Kuhwiese vergessen konnte. Am Morgen und am späteren Nachmittag war ein junger, „wichtiger“ Leutnant und dazwischen ein recht solider Offizierstellvertreter [OffzStv] für die FuRV (Funkrichtverbindungskompanie) zuständig. Die „Höhepunkte“ ihrer Bemühungen gipfelten in der Verlegung eines fetten Postkabels auf einen Hügel durch die FuRV mit anschließender Coca Cola –Labung (Man glaubt gar nicht wie enorm schwer diese extra dicken Kabeln sind – selbst wenn in etwa alle 50 cm je ein Soldat Hand anlegt) Die Angelobung, zu der die Eltern anreisten und die Abschlussübung inklusive 30 Km-Marsch mit partiellem Einsatz der ABC-Schutzmaske kombiniert mit grauer Antiatom- Regenpelerine ergänzten den ganz „normalen“ Wahnsinn  …  Hauptsache man war somit „vor dem bösen Atom geschützt“  und  „Neue Lage“: 120 Tage …

ABC Maske mit Regenschutz gegen Atombombe

Obiges war kein Ausschnitt aus einer Aufführung der Kabarettgruppe „Schlabarett“ – Diese schilderte perfekt 1 : 1 ihre „Militärerlebnisse“ – allerdings zu einer Zeit als man schon die Wahl hatte vor die Zivi-Kommission zu treten und man nicht automatisch bei der „Stellung“ mit damals noch 89 Kg Lebendgewicht als athletisch eingestuft und voll tauglich den Pionieren zugewiesen wurde und erst nach Bitten & Protest zum dann eigenen Entsetzen dem Funkrichtfunkverband (?) der „Gebirgsjäger“ im alpin bergigen St. Johann im Pongau zugwiesen wurde. Ein „Gebirgsjäger“ – der bereits bei einem Höhenunterschied von ganzen fünf Metern mit Schwindelgefühlen gesegnet war. Hindernisbahn sollte die Kaserne nach Möglichkeit auch keine aufweisen … Tja …

Unter der Regierung Kreisky II wurde auf Druck pazifistischer Verbände der Zivildienst eingeführt – inkl. gefürchteter Zivildienstkommission – Fredi Dorfer, Roland Düringer & Co hatten bereits das zweifelhafte „Vergnügen“  …

Genial: Atompilz von Links (obiges Video unbedingt anschauen !)06-07-2013 12;43;00kl.jpg06-07-2013 12;43;00akl.jpg08-12-2018 14;34;06.jpgEhrenfadinger Fredi Dorfer war so frei den Fadis zum 10er-Jubiläum seines „Schlabaretts“ eine Adaption des Atompilzes zu gestatten – eines der letzten Kabarettprojekte (siehe oben) in den 90ern im BRG Linz  …

06-04-2018 19;51;28kl.jpgSchulfreund Siegi Gressl (im Bild oben als Operettenbuffo später auch Tatort-Darsteller) war kurz davor beim Versuch eines Militärsender dabei gewesen, den man allerdings zwischenzeitlich wieder eingespart hatte …

Also konnte ein dahingehender Versetzungsantrag nicht bewilligt werden, sehr wohl aber wurde dann dem Begehr nach einer Linz-nahen Kaserne entsprochen, um es dem unbescholtenen Rekruten zu ermöglichen sein Gesangsstudium mit nun einsetzendem Herbst in „Angriff“ nehmen zu können (- nach bereits vor Einrückung erfolgter, recht erfolgreicher Aufnahmeprüfung)

So wurde aus dem irrtümlichen Schützen der FuRV-Kompanie der Gebirgsjäger im salzburgischen St. Johann noch im August ein Wehrmann der HZA (Heereszeuganstalt mit hohem ZivilistInnenanteil) in der oö. Panzer-Kaserne Wels. Der Start dort geriet geradezu grenzgenial in der etwas separierten Telefonzentrale inmitten einer Schar junger „Telefonfräulein“  …

„Jom Kippur“- Krieg

Der Krieg begann mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, auf dem Sinai und den Golanhöhen, die sechs Jahre zuvor von Israel im Zuge des Sechstagekrieges erobert worden waren. In den Österreichischen Kasernen wurden Leute für UN-Einsätze angeworben und die Bereitschaft erhöht. Während sich in der zivillastigen Welser HZA niemand fand, der in Wüstenkriege verwickelt werden wollte, trudelte wenig später die Karte eines FuRV-„Kameraden“ aus Kairo ein …  Der telefonierende Wehrmann in Wels war mittlerweile in den Kommandoturm umquartiert worden & absofort in Soldangelegenheiten tätig und für die „Essenskarten“ der Kompanie zuständig. Auf die Art und Weise konnte er Kameraden glücklich machen, einem freundlichen, älteren, kränklichen Wachtmeister die Arbeit erleichtern und er hatte Ansprache durch den 2. Schreiber – einen eben fertigen Juristen, der die Welser Gepflogenheiten schon gut kannte. War der Vizeleutnant (Spieß) außer Reichweite gabs Coca Cola-Pausen beim Turmstübchen am Dach (- Lehnstühle & Kühlschrank inkl.) Der gemeinsame „Dienst“ beschränkte sich auf die periodisch notwendige, rituelle Verbrennung des Inhalts des Geheimpapierkorbs (- dazu natürlich hier keine Angaben) – Eine einmalige Indiskretion bescherte den beiden Soldaten allerdings ein dabei plötzlich einsetzender Herbststurm, der „anregendes“ in der Trafik gekauftes Bildmaterial des Majors über die Wiese wirbelte und so kurzfristig unter die Leute brachte  …  Das Welser Klima erwies sich als gut und beständig: Kein Auslandseinsatz – statt dessen mit ausbrechendem Herbst nun Beginn des Studiums, geblockt bzw. am späten Nachmittag und Abend. Das war möglich durch den täglichen Dienstschluss um 16 Uhr, am Freitag auch früher und bedingt durch die kurze Zeit dieses Zustands: Nach starken drei Monaten war der Spuk vorbei. Bis dahin hieß es aber täglich um einen Überzeitschein anzusuchen, der es ermöglichte den letzten Personenzug nach Kallham nehmen zu können, um so knapp vor Mitternacht das Haupttor zu passieren.

Auf Google Maps sieht der Welser Komandoturm aus wie dazumal.JPGGoogle-Maps machts möglich: Der Welser Kommandoturm wie dazumal  …

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Adjustierung verbessern !

Nachdem der Oberst (auch in seiner Funktion betreffend die Militärmusik) ab und zu Gäste empfing brauchte er einen „Pfeifendeckel“, der Speis & Trank servieren konnte ohne dabei gleich unangenehm aufzufallen – und so bediente er sich abwechselnd seiner Schreiber. Einem in der Panzergarage gemobbten Jungmann konnte man durch Kontakte zum Oberst und Dank eines guten Tags des Vizeleutnants einen gepflegten Reinigungsdienst im Turm verschaffen, was den Kameraden so glücklich machte dass er beschloss den Schreibern am folgenden Tag das Frühstück ans Bett zu bringen – so gut so schlecht: Denn im Moment dieser „Morgengabe“ tauchte aus dem nichts der OvT (Offizier vom Tag) in der Unterkunft auf – noch bevor das weiche Ei geköpft war. Der Spieß wurde verständigt und damit war der alte Wachtmeister 2 Tage mit seinen Rechnungen alleine beschäftigt, denn der Schreiber durfte in dieser Zeit einen großen Lastwagen ent- und beladen. Ein Schwielen förderliches Unterfangen, das sich wenig später fast wiederholte, als Wehrmann „Schreiber“ nach einem überknöchelten (!) Weekend in Hausschuhen zur Standeskontrolle erschien. Erst nach Rücksprache mit der SAN-Abteilung nahm der Vize von einer seiner drakonischen Strafen Abstand und beließ es bei einer Verwarnung. Noch glimpflicher ging ein letztlich doch nicht ganz so wirklich routinemäßiger, morgendlicher Besuch in der Kasernenküche über die Bühne. Längst hatte man sich dort auf ein eher unmilitärisches „Guten Morgen“ nach dem Parken des Dienstrades verständigt, als an einem Wochenbeginn im November-Grau unvermittelt mit lauter Stimme ein Unbekannter das freundliche, eher zivile Ritual des Frühaufstehers harsch unterbrochen wurde. Als der Mantel von den Schultern des aufgebrachten Mannes rutschte wurden drei Goldsterne sichtbar …  aus der edlen Zornesröte des erregten Offiziergesichts quoll ein fordernd angriffiges: „Machen sie eine Meldung Wehrmann – hat man ihnen das hier nicht beigebracht?! – Darauf ein eher zögerlich verhaltenes „Herr Hauptmann, Wehrmann  …“     – und dann ein Wunder: Ein Unteroffizier unterbrach die Szene: „Telefon Herr Hauptmann“!                                               

1385476339Waffenrad_H_1_freisteller_web_resized_960.jpgDer „Goldfasan“ eilte in den Gang neben der Küche und der Wehrmann entschwand nach einer kurzen Schrecksekunde durch die andere Tür an der Rückseite, startete eilends sein bereitstehendes Waffenrad und gelangte so im Zickzackkurs unentdeckt zum Kommandoturm – in der Hoffnung, dass ihn auf Nachfrage kein Küchenbulle enttarnt und es sich um keinen Gast des Herrn Oberst handelt. Denn auch zu Wels waren SAMSONe nicht sonderlich beliebt und äußerst gefährlich. Der nächtliche Flughafen war extrem spooky und der sonntägliche Beschuss der Panzergarage durch unbekannte Aggressoren konnte erst durch das beherzte Herbeitelefonieren des OvTs beendet werden. Jugoslawische Mitbürger hatten von ihrem Garten aus störende Vögel unter Beschuss genommen, sodass die Querschläger gegen die Glaswände des Vorbaus prasselten. Oberst sei Dank gabs für die „Retter des Vaterlandes“ keine quasi Anhebung des militärischen Rangs. – Schon beim sommerlichen 30Km-Marsch traute man sich in der Pause nicht mal durch Alle Neune auf der Kegelbahn aufzufallen und auch im Rahmen der unnedigen, tiefwinterlichen Gefechtsübung kurz vorm seligen Abrüsttermin war den Schreibern klar: Bloß keine „Kecks“ & damit eine Beförderung zum Gefreiten, Korporal oder gar schneidigen Zugsführer zu riskieren und schon gar nicht so kurz vor Weihnachten – sonst blühen später alljährlich ausgiebige Miliz- anstatt kurzer & überschaubarer Waffenübungen (insgesamt 60 Tage) …

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Aber war die Wehrdienstmedaille in Bronze der krönende Schlusspunkt?

Eiszelt Basislager am Pfenningberg

 Einberufungsbefehl nach nur wenigen Wochen im Schuldienst? – dem Administrator des Hauses war die zornige Enttäuschung im Tonfall deutlichst anzumerken – Nein, nein nur eine Waffenübung konnte den aufgebrachten Stundenplaner nur langsam beruhigen. Wenige Nächte später ein böses Erwachen: Eisige Kälte – es war rund um Nikolaus – stockdunkel, hartes Lager … erst beim Versuch aufzustehen realisierte der aus seinen Träumen Gerissene, dass er nicht zuhause war, sondern in einem Militär-Zelt, das hartgefrorenen sich wie Beton anfühlte, sich unter Garantie nicht öffnen ließ, da auch der Reißverschluss vereist war. Und so blieb dem nun wieder kurz Teilzeitsoldaten nichts anderes über, als die steife Behausung mit vollem Körpereinsatz aus der Verankerung zu lösen und durch den Spalt unten ins Freie zu kriechen. Die restliche Mannschaft hatte sich bereits in noch möglichen „Öffnungszeiten“ rund ums Feuer inmitten der Militär-Tipis versammelt und dämmerte so dem Morgengrauen entgegen. Den Panzer-„Angriff“ der nächtlichen Übung hatte man hier im Freigelände des TÜPl Treffling unterm Pfenningberg gut überstanden, zumal die ach so bedrohlichen Kettenfahrzeuge nur in den Köpfen der Übungsleiter existierten und der Beschuss ausschließlich durch erhellende Leuchtraketen erfolgte …  Schon in Kindertagen hatte der spätere „Soldat wider Willen“ diese Gegend bedrohlich als Mondlandschaft taxiert und seinen Vater bei einer Wanderung zur Umkehr bewogen …

Noch am Vormittag wurde zuerst die „Zeltstadt“ und schließlich in Ebelsberg die mehrtägige Übung abgebrochen. Der zivile Advent konnte ausbrechen – die Welt war wieder in Ordnung. Dieser Ausflug ins Grüne, das sich über Nacht in eine klirrend solide, schneebedeckte Eiswelt verwandelt hatte, war nach dem Grundwehrdienst der erste und zugleich letzte Einsatz (mit der Waffe) zur Erhaltung der immerwährenden Neutralität … Schuldienst und ein stärker werdendes Asthma beendeten die steile militärische Karriere des Wehrmanns …   (Antrag: 76 / Finale Entscheidung: 81)

Kompanie ruht ! – Wegtreten !

Manfred Pilsz   (Der unmilitärischte Schütze & Wehrmann – seit geraumer Zeit a D)

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FREMDLINGIN – Grete & Georg Trakl

… zum Todestag des Dichters

Georg Trakl (* 3. Februar 1887 in Salzburg / † 3. November 1914 in Krakau)

DAS FILMPROJEKT  „F R E M D L I N G I N

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Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldet  sich der Dichter Georg Trakl freiwillig als Sanitäter. Die erlebten Gräuel der Schlacht bei Grodek stürzen ihn in arge Verzweiflung

Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

Trakl12.jpgtrakl 0 Kopie.jpgtrakl 2 Kopie.jpgEr wurde vom Versuch, sich zu erschießen, durch die Kameraden abgehalten und nach einem Fluchtversuch zur Beobachtung seines Geisteszustandes ins Militärhospital Krakau eingewiesen. Am Abend des 3. November 1914 starb er dort nach Einnahme einer Überdosis Kokain an Herzstillstand. Ob es sich dabei um einen Unfall oder um Suizid handelte, ist ungeklärt.

Komponist Klaus Schulze schuf 1994 eine Oper mit dem Titel „Totentag„, die sich mit dem letzten Tag des Dichters Georg Trakl befasst.

Salzburg-Georg-Trakl-Gedicht.jpgMayr_Richard_Gedenktafel.jpg.

Im Herbst jenes Jahres brach man an einem wunderbar nebelig kalten Herbsttag in aller Früh mit dem Zug und der Filmkamera nach Salzburg auf – wahrlich ideale Bedingungen um dort vor Ort an Originalschauplätzen Georg und Grete Trakl zu „treffen“.

Am Weg vom Bahnhof in Richtung Mozarteum kamen vage Erinnerungen an einen Wettbewerb der Stadt an der Salzach hoch: „Riesige Mozartkugeln rollen donnernd von der Salzburger Festung herab durch die engen Altstadtgassen bis in den Zwergerlgarten, wo sie letztendlich von den beiden Einhörnern von Mirabell aufgespießt werden“ – ein Video das nie gedreht wurde, dessen Konzept aber von der Jury gelobt worden war …  Doch zurück zum Trakl-Projekt:

Vorbei an dem beliebten Gasthof „Zum Fidelen Affen“ gings hier direkt beim „Ochs von Lerchenau“ (Gedenktafel für KS Richard Mayr) am Haus neben der guten, alten Engel-Apotheke (Trakl war hier Praktikant) scharf links in die wie ewig vertraute Linzergasse bis hin zum Sebastiansfriedhof, dessen Relief an der Kirchenmauer eine exorbitant stark inspirierende Wirkung für die filmische Umsetzung entwickelte (Der schöne, alte, „schmale“ Friedhof von St. Peter, der ursprünglich auch im Gespräch war konnte da nicht mithalten) – hier im dunklen Schatten des Kapuzinerbergs in unmittelbarer Nähe zur temporären „Giftküche“ zum „Weißen Engel“  …06-07-2016 18;34;47.jpgAufzeichnen10F.jpg1024px-Sebastianskirche_(Salzburg)_hl_Sebastian_an_der_Außenfassade.JPG     (Trakls zweiter Gedichtband Sebastian im Traum erschien im Frühjahr 1915 postum)

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                           Der Literat Georg Trakl in einem Musikfilm des Fadinger-Gyms                             – wie soll sich das fügen?

Da ich nachtwandelnd an steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend verbarg ich das Antlitz in den langsamen Händen.

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„Fremdlingin“ Grete ist die Brücke zur Musik

Grete war musikalisch sehr talentiert; das zeigte sich deutlich schon früh, als sie ihre Geschwister, die alle Klavierunterricht bekamen, spielend überflügelte. Ihr Umzug 1904 nach Wien, wo sie bis zum Ende des Schuljahres 1908/09 im Internat Notre Dame de Sion verblieb, ist mit ihrer späteren Ausbildung als Pianistin verbunden. In der Höheren Französischen Schule dieses Internats konnte sie musikalisch weiter ausgebildet werden. Im letzten Schuljahr (1908/09) wurde sie zugleich Studentin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und wurde aufgrund ihres fortgeschrittenen Könnens sofort in das zweite Akademiejahr aufgenommen. Sie beendete dieses Jahr allerdings vorzeitig.

Zu ihrem vier Jahre älteren Bruder Georg hatte sie eine sehr enge Beziehung. Georg Trakl sah in ihr sein Abbild, in seiner Lyrik nahm er oft Bezug auf seine Schwester. In vielen Trakl-Biographien wird auch eine inzestuöse Beziehung vermutet.24-07-2014 16;51;22a.jpgtrakl 3 Kopie.jpg

Ab dem Herbst 1909, als sie 18 geworden war, lebte Grete selbständig in Wien, wo sie vermutlich von einem (bisher unbekannten) Privatlehrer unterrichtet wurde, eine übliche Praxis bei talentierten Pianisten. In diesem Jahr traf sie abends oft mit ihrem Bruder Georg und dessen Freund Erhard Buschbeck zusammen. Dieser besorgte ihr bei Gelegenheit immer wieder Opium.

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              Margarethe Trakl, ihrem Bruder Georg ebenso verfallen wie er ihr, ist in seiner                                                  Lyrik unsterblich geworden. Als Mensch blieb sie aber unsichtbar.                                       Eine Annäherung …

G r e t e  –  Sie ist das > Alter Ego < Georg Trakls, die „Schmerzverschwisterte“, sein Abbild, „Abglanz“, Süchten verfallen so wie er und so wie er früh gestorben durch eigene Hand. Er hat sie an die sechzig Mal in seinen Gedichten und Prosatexten angerufen, die „Jünglingin“, die „Fremdlingin„, die „Mönchin“, er hat sie verklärt und dämonisiert, und er kam nicht von ihr los, ebenso wenig wie sie von ihm.

T13.PNGTrakl13.jpgTrakl9TKlhJünglingin, Mönchin – hätte Trakl die Bundeshymne geschrieben – sie wäre wohl nicht „ein-zugegendern“ gewesen …  und das Dunkle, Jenseitige wäre sicher partiell dem österreichischen Naturell auch sehr entgegen gekommen …  so es denn diesbezüglich wirklich geTRAKLt hätte …

trakl 4 Kopie.jpgtrakl 5 Kopie.jpgTrakl Film.jpg24-07-2014 16;45;02a.jpgDie Linzer Dreharbeiten am spätherbstlichen Kreuzweg in St. Margarethen, einem halb verfallenen Maximilianischen Turm im Westen des Pöstlingbergs oder in einem schneebedeckten Linzer Friedhof gestalteten sich beschaulich und dank wärmender Kostüme auch vor der Kamera erträglich. Bildlich beflügelt durch eine Ausstellung im OK nahmen hier die Aufnahmen ihren Ausgang. Und von hier marschierte die im Leben unstete Grete mit ihrem Goldenen Koffer durch das vorweihnachtliche Grau dem Ende entgegen …

„Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

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05-09-2017 21;03;10.jpgIm 95er Jahr war so das Literatur/Musikvideo „Fremdlingin“ entstanden (-die Welt Georg Trakls mit Musik von H. Rogl ) – anerkennende Rückmeldung durch den wissenschaftlichen Leiter der Trakl Gedenkstätte Salzburg (Präsentation vor Ort). Preise: Landesmeisterschaft Gold & Titel, Staatsmeisterschaft: Sonderpreis des Unterrichtsministeriums, Ebenseer Bär, DanubialeMedaille im Stift Göttweig – Innovationspreis des Unterrichtsministeriums sowie eine Medaille der Eurofilmer (Video EM in Südtirol)

24-07-2014 16;51;22c.jpg04-04-2018 11;50;15.jpg06-07-2013 13;28;38.jpg

Die Vorstellung des Films im Trakl-Haus in Salzburg erfolgte terminlich ziemlich in der Nähe des Geburtstags des Dichters. Anreise wieder per Bahn – diesmal auf der Flucht aus einem Skiort, wo man familiär in den Semesterferien wieder einmal mehr „sportlich kaserniert“ worden war …

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Das „Trakl-Haus“ trägt diese Bezeichnung seit der Eröffnung der Trakl-Gedenkstätte im Jahr 1973 – Im ersten Stock wurde von der Salzburger Kulturvereinigung in den Räumen der ehemaligen Wohnung der Familie eine Gedenkstätte eingerichtet. Der Freistädter Dr. Hans Weichselbaum ist Leiter dieser Forschungs- und Gedenkstätte.
Ein 3. Exkurs nach Salzburg fand gemeinsam mit dem Komponisten Helmut Rogl auf Einladung der Trakl-Gedenkstätte am Waagplatz statt – Kurze Präsentation des Films kombiniert mit einer Diskussion im Rahmen einer Tagung als glänzender Abschluss des erfolgreichen Projekts …

Manfred Pilsz

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„HALLOWEEN 1883“ – Marx & Wagner

                     …   Beitrag verfasst 2 Tage davor   …                           wagneriminternet116_v-ARDFotogalerie.jpg                           Karl Marx (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London)                                          Richard Wagner (* 22. Mai 1813 in Leipzig; † 13. Februar 1883 in Venedig)

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Halloween 1883 im Himmel: „Richard macht sich einen Karl

Wirklich im Himmel?  – ist es im Jenseits von Marx & Wagner nicht etwas wärmer?

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„Wenn es [das Christentum] wirklich das seinem Glauben entsprechende Kunstwerk schaffen wollte, könne es nicht die sinnliche Schönheit der Welt, welche für den Christen ja eine Erscheinung des Teufels ist, darstellen.“ Weiter führt Wagner aus, dass sich die Kunst mehr und mehr „mit Haut und Haar“ verkauft habe:

„Ihr wirkliches Wesen ist die Industrie, ihr moralischer Zweck der Gelderwerb, ihr ästhetisches Vorgeben die Unterhaltung der Gelangweilten. Aus dem Herzen unserer modernen Gesellschaft, aus dem Mittelpunkte ihrer kreisförmigen Bewegung, der Geldspekulation im Großen, saugt unsere Kunst ihren Lebenssaft, borgt sich eine herzlose Anmut aus den leblosen Überresten mittelalterlich ritterlicher Konvention, und lässt sich von da – mit scheinbarer Christlichkeit auch das Schärflein des Armen nicht verschmähend – zu den Tiefen des Proletariats herab, entnervend, entsittlichend, entmenschlichend überall, wohin sich das Gift ihres Lebenssaftes ergießt.“

Die Kunst sei zu einer Ware verkommen, einzig zum Geld- und Ruhmerwerb, schreibt Wagner weiter, und vergleicht das künstlerische Handwerk, das dem schaffenden Künstler, dem das Produzieren seiner „Arbeit“ eine Freude macht und ihn befriedigt, mit der Tätigkeit des Handwerkers, der meist ohne Freude und mit dem Zwang, nämlich fremde Bedürfnisse gegen Geldzahlungen zu befriedigen, sein Tun nur als Mühe, als traurige, saure Arbeit sieht. Er könne auch mehr und mehr durch Maschinen ersetzt werden und wäre somit ein Sklave der Industrie, „deren Fabriken ein jammervolles Bild tiefster Entwürdigung des Menschen, ein beständiges, geist- und leibtötendes Mühen ohne Luft und Liebe; oft fast ohne Zweck“ uns zeigen.

 Wagner hat in seinen beiden Revolutionsschriften Formulierungen gefunden, die dem Manifest der kommunistischen Partei, das 1848 von Karl Marx veröffentlicht wurde, in nichts nachstehen. Mit der emotionalen Formulierung: „Unser Gott ist das Geld, unsere Religion der Gelderwerb“, verknüpfte er die allgemeine Sozialkritik mit der eigenen Kultur- und Kunstkritik, die er als „Geld-Erwerbsquelle“ immer wieder kritisierte. Wie er sich die Kunst nach einer Revolution vorstellte, verdeutlichte er in seinem nächsten Werk Das Kunstwerk der Zukunft.M & W.JPGDSCN2099.JPG2017-07-24 15.02.18.jpgWo ist Wagner nun also zu verorten? RECHTS – wo er vor 45 vereinnahmt wurde oder doch eigentlich LINKS, wenn man von obigen Zeilen ausgehtvielleicht aber auch mittig dazwischen?  –  W a g n e r  ist immer und überall …

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HALLOWEEN 018 wird im Marx-Jahr (* 5. Mai 1818) Klarheit schaffen:

Peter Androsch (*1963)
Himmel II Ein Totengespräch zwischen Richard Wagner und Karl Marx (2018) UAhalloween 018.JPG

PROGRAMMHEFT  Himmel II <— Hier Infos zum Abend

… weit und breit keine Marx Brothers

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Die komplette Sendung mit Peter Androsch hier unter –> https://cba.fro.at/376631 

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FAFNER:
Ich lieg‘ und besitz‘:
lasst mich schlafen!

Im RING (egal welcher Auslegung) wird es in Text & Musik deutlich …

 Der Anarchist und Hofkapellmeister Richard Wagner, der während der Dresdner Revolution 1848/49 persönlich eine beträchtliche Zahl Handgranaten beim örtlichen Gelbgießer Oehme bestellte, hätte vermutlich den verwandten Geist erkannt. Wagner und Castorf eint das tragische Bewusstsein, dass sie nicht an die historische Mission der Arbeiterklasse glauben. Aber sie nehmen sie ernst, ganz ernst.

 Aus der früheren Fassade des ZentrumWarenhauses strömten die DDR-Konsumbürger in ihrer ganzen Unschuld. Das „Zentrum“ als Fafners Hort: „Ich lieg und besitz, lasst mich schlafen“. Weltpause des Konsums, Unterbrechung der Selbstverwertung des Kapitals. Und zugleich: Geburt des Konsums als Utopie. 

                                                                                         (Tagesspiegel zum „Castorf-Ring“)

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Hier bei „Fafners Neidhöhl“ hat die „Volksbühnen-Patina“ samt ihrem DDR-Mief Berechtigung, aber sonst ist die ideologische Überfrachtung von Wagners genialem Gesamtkunstwerk nur Ausdruck dessen, dass die Regie der Dramaturgie und Musik nicht vertrauen will, ja selbstverliebt sich und unausgegorene, eigene „Ideen“ ungeschickt einbringen möchte: Sinnlose Film-Zuspielungen und ebensolche Bildmetaphern pflastern bei Castorf in den vier Ring-Teilen alle Textinhalte und Gefühlsmomente möglichts unpassend wie nach einem völlig überflüssigen Zufallsprinzip ideo(un)logisch zu. Bei der Götterdämmerung wird so noch schnell der gute, alte Eisenstein ausgepackt – getreu dem Motto: „Einer geht noch“: Man muss kein Sowietpropagandstreifen-affiner Cineast sein um den auf der linken großen Steiltreppe herabplumpsenden Kinderwagen Marke 50er Jahre sofort als peinliches Zitat aus dem Kultfilm ‚Panzerkreuzer Potemkin‘ zu identifizieren …

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Nach diesem Siegfried, dem dritten Abend im Ring 2014, gehört eigentlich auch noch ein durchgestrichenes Hirn dazu: Denken verboten!

Denn wie Frank Castorf hier das alteingesessene Festspielpublikum auf den Arm nimmt, lässt sich nur dann einigermaßen ertragen, wenn man nicht nachdenken muss über Logik der Handlung, über dramaturgische Abläufe und über den Sinn des Ganzen. Denn dann hat das handwerklich geschickt gemachte Werk durchaus seine Reize. Dann passt auch wieder das Bühnenbild von Aleksandar Denić, der die Schmiedeszene im schon bekannten Wohnwagen Mimes spielen lässt, angesiedelt vor dem berühmten Mount Rushmore in den USA, nur mit dem Unterschied, dass nicht vier amerikanische Präsidenten in den Fels gehauen wurden, sondern die vier Hauptprotagonisten des Kommunismus Marx. Lenin, Stalin und Mao (der übrigens von der Physiognomie her sehr Gorbatschow ähnelt). Und damit ist Castorf in seiner DDR-Vergangenheit angekommen. Viele ostdeutsche Versatzstücke und Andeutungen kommen ins Spiel, als Österreicher bekommt man wahrscheinlich nur einen Bruchteil mit, wie es wohl den zahlreichen japanischen Besuchern ergangen ist?image-525079-galleryV9-rgso.jpg

Der Riese Fafner entpuppt sich als Zuhälter im Kreis seiner Miezen, sein „Ich lieg und besitz“ passt so gar nicht zu diesem Bild, am Berliner Alexanderplatz wird er schließlich von Siegfrieds Kalaschnikow hingemetzelt.         

(oben Auszug aus einer Kritik des Merkers)

Das Wiener Kabarett hat mit der Nummer „Volkseigener Wagner“ hörenswert Wagner in der DDR schon in den 60ern parodiert …   Heute „Wagnert“ es anders:c240f9c953d2d789f7138db5319ae46b_f159.jpgWho the Fuck.JPGDSCN3372.JPGR2W2.png  „Den RING muss ich haben“

Wenigen dürfte bekannt sein, dass R, Wagner rund um 1848 am Entwurf zu einem fünfaktige Drama Jesus von Nazareth arbeitete. – In letzterem agiert Jesus quasi als Sozialrevolutionär, der gegen den „Sündenfall“ kämpft, welcher darin bestünde, dass sich die Menschen im Laufe der Geschichte von der Natur entfernt und sich Eigentum und Gesetze geschaffen haben …   Kein Jota minder spannend ist, dass nicht allein Wagner, sondern auch Friedrich Engels seinen Rienzi geschrieben hat …

Gedanken zur Halloween-Veranstaltung Himmel II im Brucknerhaus zusammengestellt von

Manfred Pilsz

Hier —>  KRITIK zum Abend

Abschließende Randbemerkung für Karl & Richard: Halloween ist Weltspartag !

M Geburtshaus.JPGDSCN0814.JPGBeim privaten „Fotoshooting“ in Trier vor dem Marx-Haus (mit integriertem EuroShop) gabs heftige Verwechslungen als Touristen aus Vietnam auch ihre Fotogeräte zückten.

… aus Ken Russells „Lisztomania“ (- hier wahrlich ein „Halloween-Wagner„)

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