KULTUR – JUGEND OHNE MANDAT?!

Mit leichter Verspätung nahm Linz09-Intendant Ulrich Fuchs am improvisierten Podium platz. Der Veranstaltungssaal der Kunsthochschule war bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Der damalige Posthof-Musikchef Werner Ponesch war gerade bei seinen Ausführungen, konfrontiert mit Forderungen des jungen „Publikums“ sich wieder selbst auch jenseits des „Heimspiels“ im kurzen Monat Februar das ganze Jahr über mit Eigenproduktionen einbringen zu können, wie dies zB. im Kulturzentrum Hof nach wie vor möglich ist. Weg von bloßer Einladungspolitik ausschließlich arrivierter Kultur für junges & alternatives Publikum hin zu einem offenem Haus – also >back to the roots< als man im Posthof noch ganzjährig mit Eigenproduktionen egal ob am Musik- oder Kabarett-Sektor reüssieren konnte …

WAS WOLLEN JUGENDLICHE  OÖN.jpg20022006b-druck.jpgDas waren noch Zeiten, als man von der der Landestheaterregie die sich das selbst nicht antun wollte, beauftragt wurde ein Musical wie „Golfstrom“ im neuen (alten) Posthof herauszubringen – mit einer freien Gruppe und infiltrierten Fadingern, die damals auch in der Opern-Statisterie von Salome & Hoffmanns Erzählungen im Haus an der Promenade tätig waren. Wenig später war man mit Kabarett-Programmen wie „Urlaubsreif“ und dem Rogl`schen Musiktheater „Angela und der kleine Bär“ dort und anschließend damit auch im „Studio Molière“ in Wien vertreten …

Doch zurück zum „Jugendkulturparlament“ in der Kunst-UNI: Über 30 Themen wurden vom Plenum an das Podium herangetragen – darunter der Wunsch nach Proberäumen, einem Auto-Kino (- gabs früher auf einem Parkplatz neben der „Plus City“), nach einer Jugendklangwolke (neben der Kinder-KW), nach einem Jugendcafe und es gab auch eine Forderung von „teen open space“, die tatsächlich im Zuge von Linz09 teilweise in Variation umgesetzt wurde …

Dazu hier ein Radio FRECHer 09-Blog-Beitrag von Verena Duller in den OÖN:

DSC08873.JPG2 Ex-Fadis im Radio-Gespräch

Jugendprojekt bei der Eisenbahnbrücke!

Stolz eröffnete man zu Linz Mitte September, statt vor dem Sommer09, einen neuen „Jugendtreff“ bei der Eisenbahnbrücke – Er könnte neben dem „Kinderpunkt“ eine weitere nachhaltige Errungenschaft des 09Jahres werden  …

5 Jahre hat es gedauert, bis endlich eines der vielen Projekte, die im Rahmen des EU-geförderten Projekts „teens_open_space“ Jugendliche zusammen mit DI Dr. Karin Standler und DI Eva Schwab entwickelten, realisiert wurde. „Teens_open_space“ sollte die Stadt Linz jugendgerechter gestalten und verschönern. Leider konnte zuerst keines der Projekte realisiert werden, da sie alle für den Volksgarten konzipiert waren und dieser wegen des Baus des Musiktheaters „tabu“ ist – so die Begründung der Politiker. Als das „Teens_open_space -Team“ vorschlug die Projekte für andere Plätze zu adaptieren gab es auch kein wirkliches Feedback.

Nur ein Team, das von Anfang an ein Projekt für die Donaulände konzipierte war ausdauernd genug.  5 Jahre lang haben sie sich nicht abschütteln lassen, haben 2 Anträge gestellt und wurden von einem Jungpolitiker unterstützt …

Doch wie viele Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren haben solch eine Ausdauer? Wie viele würden für ein Jugendprojekt so viel Zeit investieren und wie viele hätten genug Know-how um 2 Anträge einzureichen? Vor allem, was haben die Jugendlichen von vor 5 Jahren, die damals mit 14 bis 18 Jahren an den Projekten mitgearbeitet haben, heute davon? Die meisten sind vermutlich nicht einmal mehr in Linz, sondern studieren oder arbeiten irgendwo anders.

 Jedoch egal, Hauptsache eines der Projekte wurde realisiert, lange genug hat es ja gedauert. Folglich könnte man sich dafür aber eine dementsprechend herausragende Umsetzung erwarten. Die Ideen der Jugendlichen allerdings wurden leider nur bedingt verwirklicht. Die ursprüngliche Planung, die einen „wetterfesten Treffpunkt“ mit „bewachsenen Seitenwänden“ beinhaltet, der Atmosphäre schaffen und den Ort aus der Durchzugsachse herausnehmen soll, wurde so verändert, dass die neu kreierte Variante genau diese Ziele nicht erreicht. Vielmehr wirkt es, als ob dieser Jugendtreffpunkt die Durchzugsachse noch verstärkt und nur wenig Gemütlichkeit aufkommen lässt.

So finden wir nun an der Donaulände – Linzer Seite –direkt neben der Eisenbahnbrücke eine „Betonstiege“, die in die „Steigung“ hineingebaut wurde, und als Sitzgelegenheit dienen soll. Zusätzlich zu den Änderungen am Grundkonzept kann man auch eine teils sehr „minimalistische“ Ausführung erkennen, sodass die  sicher grundsätzlich guten Ansätze beinahe zur Unbrauchbarkeit verkommen, so zum Beispiel die Bühne, die vor den treppenförmigen Sitzgelegenheiten steht und eher an ein „Haltestellenhäuschen“ erinnert, als an eine Bühne. Kein WC, kein Stromanschluss … Statt dessen ein „Strand“ –ähnlich minimalistisch-  etwas aufgeschütteter Sand, mit dem wohl die Hunde am meisten Freude haben werden.

Für die ganze Anlage wurden 200.000€ ausgegeben. Diese Summe ist das einzige was einen staunen lässt. Sie lässt vor allem darüber staunen, wie wenig man mit so viel Geld machen kann. – Ganz nach der Devise ein teures Geschenk muss auch ein gutes Geschenk sein.

Vergleichsweise erfolgreiche Umsetzungsbeispiele bei denen die Jugendlichen selbst am Bau aktiv beteiligt waren: Graz, Steyr oder Eferding  (Anm. V. Duller)

DSCN1658.JPG „Wann treffen wir drei wieder zusamm?“
„Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.“

Statt der Brücke ragen heute nur noch die „Pfeiler der Schande“ aus der Donau … dort wo als Alibi für die Jugend ein „Minimalmeetingpoint“ fernab im nichts eingerichtet wurde – bar jedweder Infrastruktur … (- im Niemandsland weit hinter dem Parkbad & der Eishalle – mit ohne Klos, keiner Verpflegung und null Wasser bzw. Strom – wenn man von der Donau mal absieht …)

DSCN1660.JPGIn der Kunst-UNI forderten damals die Jugendlichen eine nicht nur bloß finanzielle Förderung von „Kultur in der Schule“, sondern auch, dass ihre Projekte u. a. medial ernst genommen werden – ebenso wie die künstlerische Arbeiten einzelner unabhängig & frei agierender junger Leute.

„Ohne eigene Stimme“ bzw. keine altersadäquate Vertretung

Als man im Stadtkulturbeirat während der konstituierenden Phase von Linz09 nachfragte inwieweit sich Kinder und Jugendliche beteiligen und ihre eigenen Wünsche äußern könnten, wurde man wie beim KEP (Kulturentwicklungsplan) an die damalige Stadträtin für Soziales durchgereicht – dort wäre die „Jugendkultur“ gut aufgehoben: Stadtteiljugendzentren, wo „Kultur“ vor allem zur Sedierung Jugendlicher zum Einsatz kommt war damit sichtlich gemeint – fremd bespasst von wohlmeinenden, ambitionierten Sozialarbeitern, ohne wirkliche Möglichkeit sich als junger Mensch selbst einzubringen.

Nun scheint sich in nur wenigen Jahren ja einiges geändert zu haben: Junge Twens werden Bürgermeister, ältere dieser Preisklasse sogar Minister und mit knapp über 30 hat man reelle Chancen Kanzler zu werden. Kinder, Jugendliche, Jüngstwählerinnen, L17erInnen düften aber nach wie vor wohl auch kulturpolitisch im wesentlichen fremdbestimmt sein … oder existiert in Linz nun etwa gar tatsächlich der damals geforderte Jugendkultur-Beirat? Für den Bereich Jugendkultur zeichnen derzeit jedenfalls weder „junge Menschen“, noch „Berufsjugendliche“, sondern (!) zwei Schuldirektorinnen & der Kuddelmuddel-Chef verantwortlich – die machen ihren Job sicher gut, aber kulturelle Eigenbestimmtheit der Jugendlichen sieht anders aus …

MRG Medea Kinder.jpg

Der Arbeitskreis 7 des Stadtkulturbeirats hatte die Koordination zur Thematik Linz 2009 zum Inhalt und regte unter Punkt 1 speziell Jugendprojekte an und forderte unter Punkt 5 die Etablierung eines Jugendkultur-Beirates als Diskussionsforum für Anliegen & Bedürfnisse Jugendlicher in Hinblick auf 2009 und danach: „Der JKB soll Positionen der Jugendlichen bezogen auf den KEP behandeln und Projektideen für Linz 2009 entwickeln – weiters einen Projektwettbewerb begleiten dessen Ergebnisse von Jugendlichen selbst oder unter maßgeblicher Beteiligung Jugendlicher umgesetzt werden“ …

Was man keinesfalls wollte, das war eine Vereinnahmung von Jugendprojekten durch nicht nachhaltige Dachorganisationen wie sie bei Linz09 diesem Sektor verordnet und übergestülpt wurde – eine Vereinfachung für die Organisation, aber gleichzeitig eine Anonymisierung der einzelnen Bestrebungen und abhängig Machung, die letztendlich dazu führte, dass einzelne und Gruppen von Jugendlichen bzw. Schulkultur nicht mehr im Detail wahrgenommen wurden und so bereits im Folgejahr gemeinsam mit I like to move it – move it (- mutierte noch kurz in „Kukusch“ – letzter Eintrag 2013 …) dem Untergang geweiht waren …  Bedauerlichstes Opfer dieser echt unglückseligen Aktion: Die alljährliche Schultheaterwoche „Zündstoff“ bei der auch die Fadis immer wieder stark vertreten waren – Höhepunkte: „komA“ * bei Linz09* und davor Medea“ in den Kammerspielen … Im Zuge von Linz09 schafften die Fadis es alle ihre über 20 Projekte elegant an „Move it“ vorbei zu moven und weitgehend unabhängig davon ALLES zu organisieren und umzusetzen – darunter auch ein (nach heutigem „Sprech“:) „Leuchtturm-Projekt“ wie das MusiktheaterFadinger Reloaded“ (Egbert Bernauer) im 09Tempel der „Hafenhalle“ – mit x Lichteinstellungen (Kelp) und Video-Sequenzen (Nadlinger/Wurm) auf einem halbdurchsichtigen Nesselvorhang (wie schon zuvor bei „Medea“), mit eigenem Ensemble, tollen Solisten und dem Orchester der Linzer Musikschule, die sich mit vollem Elan unentgeltlich in den Dienst der Sache stellte …

M P

reloaded DVD.jpg

HIER gehts zur Radio-SENDUNG mit Dr. Egbert Bernauer:  https://cba.fro.at/379166

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

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