In den Iden des März 026
Es war in den späten 70er Jahren: Riesige Klassen. Viele Kinder, die gerne Bühnenluft im Festsaal der Schule schnuppern wollten. Meist fielen spezielle Talente durch „Action zum Quadrat“, Originalität, FRECHen, selbstbewussten Textvortrag und dergleichen auf. Schwerer hatten es da die Stillen – Sie landeten nicht ungern bei Ton, Licht, sowie hinter oder vor der Kamera – Letztere oft in der Tanzgruppe. Meist waren es bunte Mischungen, die sich dann als „Rampensäue“ beim Fadinger „Cabaret“ durch- und in Szene setzten. Ganz selten wurden sogenannte >Typen< beim Casting entdeckt. Da ging es meist um Aussehen und Habitus. Einer dieser Spezies war unser aller Max: Geschwätzig, von Schatten spendender Gestalt und schräg. Ein originärer, kugelrunder Typ, der zu sich stand und darauf brannte in der geplanten „Fadi Horrorshow“ das Monster zu verkörpern – Unseren „Max Monster“, der immer wieder (auch bei anderen Veranstaltungen & Programmen), später auch bei Maturabällen in diese oder artverwandte Rollen schlüpfte. Bei der Johannisnacht im Schloss Wildberg versuchte sich „Mad Max“ erfolgreich als Alberich, bei einer „Ballett-Einlage“ führte der spätere Taucher eine Gruppe „Flossenträger“ beim „Tanz der Schwäne“ an – ein sensationeller Auftritt, den wir immer wieder bei Auftritten der Fadinger wiederholten. Max gehörte zu jenen Absolventen des Fadinger Gyms, die auch nachher bei der Stange blieben und (wie vorher schon erwähnt) immer wieder bei Produktionen auch in ihrer Studentenzeit mitmischten. Stets von Geldsorgen geplagt, nahm er Jobs an, beendet verfrüht sein schweres Chemiestudium, logierte zeitweise gemeinsam mit seinem Auto in einer Garage und wurde Taxler – ein Beruf, der er lange bis zu seiner krankheitsbedingten Frühpension ausübte. Wenn er nicht gerade als „Bodyguard“ seines ehemaligen Lehrers in Erscheinung trat: Nie werde ich vergessen, wie er bei den Österr. Filmtagen bedrohlich aufsprang, als der damals schon geschätzte Kameramann Berger sich über unseren sogenannten „Vorfilm“ bei einer Nacht-Diskussion im Welser Greif lustig machte. Ich musste ihn „zurückpfeifen“, sonst wären wir in diesen frühen Morgenstunden wohl fragwürdig „berühmt“ geworden …
Max bei der Überreichung der BSG-Ehrenurkunde (- für Maturanten bei Premieren / später Dank & Anerkennung beim MRG)

Im Team der „Fadi-Horrorshow“ (U-Hof Juni ‚082 – Veranstaltung des Landesstheaters)
Maxens Leben war kein Honigschlecken. Früh schon musste er auf eigenen Beinen stehen und als Schwergewicht immer wieder um seine Gesundheit kämpfen. Tapfer trainierte er, doch eine schlimme Nierenerkrankung machte ihn mit den Jahren zum Dialysepatienten. In den wenigen guten Zeiten davor, zog es ihn gar in fremdländische Taucher-Gefilde, meist aber an & in seine geliebten Salzkammergutseen. Da schickte er dann per Internetz seine Bilder oder brachte Analog-Material mit seinem Mercedes-Taxi vorbei. Maxens absolutes Highlight war der Luxus auf zwei Rädern: Sein feines Motorrad, das er mir zur Freude nach der Walküre „Schwertleite“ taufte. Pöchi – da „Wüde mit seiner Maschin“ – das gefiel ihm …
Er war mehr Hunde- als Menschenfreund und in seinen Ansichten (spez. dann in seinen letzten Jahren) weit jenseits jedes Mainstreams. Viele künstlerische Ausprägungen sowie meine liberalen Einstellung dazu, konnte & wollte er nie wirklich verstehen, gestand sie mir aber zu und war an diversen, einschlägigen Diskursen immer wieder interessiert. Während der Pandemie haben wir uns verloren und nicht mehr wirklich gefunden …
Max war immer gut für Schreckmomente und -Meldungen. Unvergessen bleibt ein Anruf, den er mir auf einer Wienwoche (mit einer 7. Klasse Ende Sept. 86) in Form des unheilvollen Satzes zukommen ließ: „So, jetzt is er g’storben“ – Auf meine hastige, besorgte Nachfrage wen er denn meine, kam vorwurfsvoll: „Na, da Qualtinger – wer denn sonst“ – Meine Erleichterung gefiel dem „Quasi-Fan“ da gar nicht … Und nun ist er selbst, der Max von uns gegangen, zurückgetreten in jenes fahle Dunkel des Festsaals aus dem er vor über 45 Jahren ins Fadinger Bühnenlicht getreten war …
Farewell Max – Farewell <<<