Kubins „Traumstadt“ auf der ANDEREN SEITE

Dem Münchner Ehepaar Anna und Florian Sand wird von einem mysteriösen Unbekannten die Einladung von Claus Patera  -eines Schulkollegen von Florian aus der Salzburger Gymnasialzeit- und ein „Reisescheck“ in der Höhe von 100.000.- DM für den Aufbruch in  die „Traum-Stadt“ Perle überbracht. Die Zivilisationsmüden machen sich auf in östliche Gefilde, wo sie schließlich in einer Wüstenlandschaft ihrem Schicksal überlassen werden.

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Als sie plötzlich mitten in diesem steinernen Meer eine mitteleuropäisch anmutende, alte Kleinstadt vor sich ausgebreitet sehen, die von einem Fluss umspült wird. Der Himmel ist bedeckt von Wolken, die Perle abschotten von der Außenwelt, vor der sengenden Sonne    schützen und ihren Bewohnern ein frischeres, milderes Klima garantieren …

Die „Filmkulisse“ ist Weltkulturerbe in Kubins Urheimat Böhmen

In den frühen Siebzigerjahren, als diese Szene über die heimischen Kinoleinwände flimmerte, war der soeben malerisch beschriebene Drehort  –80 Km von Linz entfernt-  hier kaum jemandem geläufig und dämmerte unberührt vor sich hin – fern der Tourismuskarawanen. Noch verhinderte der dichte eiserne Vorhang einen schnellen Blick auf die „Andere Seite“ und damit auf das mittlerweile allseits bekannte und beliebte Krumau an der Moldau, das der deutsche Regisseur Johannes Schaaf für seine Verfilmung von Kubins „Anderer Seite“ ausgewählt hatte. Unvergessen bleiben die Aufnahmen im Theatersaal des Schlosses, die Färberszene an der Moldau, der Leichen tragende Schimmel, der durch die alten Gassen geistert oder der Beginn der Finalszene im unteren Schlosshof. In den Film-Bildern und Sequenzen kollidieren die Welten von Kafka, Trakl, Bosch, Dali, Buñuel, E. T. A. Hoffmann mit dem wahlverwandten, surrealen „Traumgewölk“ von Alfred Kubins literarischer Vorlage.

Kafkas Schloss ist integraler Bestandteil des Traumreichs … dieser Welt der permanenten Entschleunigung … des „Auf der Stelle – Tretens“, eines plötzlichen Fallens ins Bodenlose. Der nahtlose Übergang von Realität in Traum, der spätestens vollzogen ist, wenn das Ehepaar von einem mittelalterlichen Zwerg vom Rand der Wüste in die Traumstadt geleitet, von deren Bewohnern taxiert wird, wie Glucks Orpheus auf der Suche nach Eurydike beim Übergang am Styx  ins Paradies. Kubins „Traum im Traum“ lässt die Erkenntnis von der Dualität der Welt und der Zusammengehörigkeit der Gegensätze der jeweils „Anderen Seiten“ gipfeln im Finalsatz seines Romans, der im Film nicht gesprochen wird: „Der Demiurg ist ein Zwitter“.

Es wäre schön gewesen Schaafs „Traumstadt“ im Rahmen des Kubin-Hypes eingebunden in den Aufführungsreigen rund um Opernaufführung, Ausstellung und Konzerte wieder einmal hier in Linz (oder Krumau) erleben zu dürfen.

Manfred Pilsz                                                                                        Text – Frühjahr 017

„DIE ANDERE SEITE“ – ein faszinierendes Stück Literatur des Zeichners Alfred Kubin – ALS OPER IN LINZ – 1973 verfilmt von J. Schaaf in Krumau an der Moldau und Anfang 80 in der Fadinger Studios …

Bild zu unserem KubinFilm 1980 DIE ANDERE SEITEFilm „Die andere Seite“ (Harrer, Maretka, Scherfler, Barta)

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