FREMDLINGIN – Grete & Georg Trakl

… zum Todestag des Dichters

Georg Trakl (* 3. Februar 1887 in Salzburg / † 3. November 1914 in Krakau)

DAS FILMPROJEKT  „F R E M D L I N G I N

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Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldet  sich der Dichter Georg Trakl freiwillig als Sanitäter. Die erlebten Gräuel der Schlacht bei Grodek stürzen ihn in arge Verzweiflung

Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

Trakl12.jpgtrakl 0 Kopie.jpgtrakl 2 Kopie.jpgEr wurde vom Versuch, sich zu erschießen, durch die Kameraden abgehalten und nach einem Fluchtversuch zur Beobachtung seines Geisteszustandes ins Militärhospital Krakau eingewiesen. Am Abend des 3. November 1914 starb er dort nach Einnahme einer Überdosis Kokain an Herzstillstand. Ob es sich dabei um einen Unfall oder um Suizid handelte, ist ungeklärt.

Komponist Klaus Schulze schuf 1994 eine Oper mit dem Titel „Totentag„, die sich mit dem letzten Tag des Dichters Georg Trakl befasst.

Salzburg-Georg-Trakl-Gedicht.jpgMayr_Richard_Gedenktafel.jpg.

Im Herbst jenes Jahres brach man an einem wunderbar nebelig kalten Herbsttag in aller Früh mit dem Zug und der Filmkamera nach Salzburg auf – wahrlich ideale Bedingungen um dort vor Ort an Originalschauplätzen Georg und Grete Trakl zu „treffen“.

Am Weg vom Bahnhof in Richtung Mozarteum kamen vage Erinnerungen an einen Wettbewerb der Stadt an der Salzach hoch: „Riesige Mozartkugeln rollen donnernd von der Salzburger Festung herab durch die engen Altstadtgassen bis in den Zwergerlgarten, wo sie letztendlich von den beiden Einhörnern von Mirabell aufgespießt werden“ – ein Video das nie gedreht wurde, dessen Konzept aber von der Jury gelobt worden war …  Doch zurück zum Trakl-Projekt:

Vorbei an dem beliebten Gasthof „Zum Fidelen Affen“ gings hier direkt beim „Ochs von Lerchenau“ (Gedenktafel für KS Richard Mayr) am Haus neben der guten, alten Engel-Apotheke (Trakl war hier Praktikant) scharf links in die wie ewig vertraute Linzergasse bis hin zum Sebastiansfriedhof, dessen Relief an der Kirchenmauer eine exorbitant stark inspirierende Wirkung für die filmische Umsetzung entwickelte (Der schöne, alte, „schmale“ Friedhof von St. Peter, der ursprünglich auch im Gespräch war konnte da nicht mithalten) – hier im dunklen Schatten des Kapuzinerbergs in unmittelbarer Nähe zur temporären „Giftküche“ zum „Weißen Engel“ …

Aufzeichnen10F.jpg1024px-Sebastianskirche_(Salzburg)_hl_Sebastian_an_der_Außenfassade.JPG     (Trakls zweiter Gedichtband Sebastian im Traum erschien im Frühjahr 1915 postum)

                           Der Literat Georg Trakl in einem Musikfilm des Fadinger-Gyms                             – wie soll sich das fügen?

Da ich nachtwandelnd an steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend verbarg ich das Antlitz in den langsamen Händen.

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„Fremdlingin“ Grete ist die Brücke zur Musik

Grete war musikalisch sehr talentiert; das zeigte sich deutlich schon früh, als sie ihre Geschwister, die alle Klavierunterricht bekamen, spielend überflügelte. Ihr Umzug 1904 nach Wien, wo sie bis zum Ende des Schuljahres 1908/09 im Internat Notre Dame de Sion verblieb, ist mit ihrer späteren Ausbildung als Pianistin verbunden. In der Höheren Französischen Schule dieses Internats konnte sie musikalisch weiter ausgebildet werden. Im letzten Schuljahr (1908/09) wurde sie zugleich Studentin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und wurde aufgrund ihres fortgeschrittenen Könnens sofort in das zweite Akademiejahr aufgenommen. Sie beendete dieses Jahr allerdings vorzeitig.

Zu ihrem vier Jahre älteren Bruder Georg hatte sie eine sehr enge Beziehung. Georg Trakl sah in ihr sein Abbild, in seiner Lyrik nahm er oft Bezug auf seine Schwester. In vielen Trakl-Biographien wird auch eine inzestuöse Beziehung vermutet.24-07-2014 16;51;22a.jpgtrakl 3 Kopie.jpg

Ab dem Herbst 1909, als sie 18 geworden war, lebte Grete selbständig in Wien, wo sie vermutlich von einem (bisher unbekannten) Privatlehrer unterrichtet wurde, eine übliche Praxis bei talentierten Pianisten. In diesem Jahr traf sie abends oft mit ihrem Bruder Georg und dessen Freund Erhard Buschbeck zusammen. Dieser besorgte ihr bei Gelegenheit immer wieder Opium.

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              Margarethe Trakl, ihrem Bruder Georg ebenso verfallen wie er ihr, ist in seiner                                                  Lyrik unsterblich geworden. Als Mensch blieb sie aber unsichtbar.                                       Eine Annäherung …

G r e t e  –  Sie ist das > Alter Ego < Georg Trakls, die „Schmerzverschwisterte“, sein Abbild, „Abglanz“, Süchten verfallen so wie er und so wie er früh gestorben durch eigene Hand. Er hat sie an die sechzig Mal in seinen Gedichten und Prosatexten angerufen, die „Jünglingin“, die „Fremdlingin„, die „Mönchin“, er hat sie verklärt und dämonisiert, und er kam nicht von ihr los, ebenso wenig wie sie von ihm.

T13.PNGTrakl13.jpgTrakl9TKlhJünglingin, Mönchin – hätte Trakl die Bundeshymne geschrieben – sie wäre wohl nicht „ein-zugegendern“ gewesen …  und das Dunkle, Jenseitige wäre sicher partiell dem österreichischen Naturell auch sehr entgegen gekommen …  so es denn diesbezüglich wirklich geTRAKLt hätte …

trakl 4 Kopie.jpgtrakl 5 Kopie.jpgTrakl Film.jpg24-07-2014 16;45;02a.jpgDie Linzer Dreharbeiten am spätherbstlichen Kreuzweg in St. Margarethen, einem halb verfallenen Maximilianischen Turm im Westen des Pöstlingbergs oder in einem schneebedeckten Linzer Friedhof gestalteten sich beschaulich und dank wärmender Kostüme auch vor der Kamera erträglich. Bildlich beflügelt durch eine Ausstellung im OK nahmen hier die Aufnahmen ihren Ausgang. Und von hier marschierte die im Leben unstete Grete mit ihrem Goldenen Koffer durch das vorweihnachtliche Grau dem Ende entgegen …

„Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

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05-09-2017 21;03;10.jpgIm 95er Jahr war so das Literatur/Musikvideo „Fremdlingin“ entstanden (-die Welt Georg Trakls mit Musik von H. Rogl ) – anerkennende Rückmeldung durch den wissenschaftlichen Leiter der Trakl Gedenkstätte Salzburg (Präsentation vor Ort). Preise: Landesmeisterschaft Gold & Titel, Staatsmeisterschaft: Sonderpreis des Unterrichtsministeriums, Ebenseer Bär, DanubialeMedaille im Stift Göttweig – Innovationspreis des Unterrichtsministeriums sowie eine Medaille der Eurofilmer (Video EM in Südtirol)

24-07-2014 16;51;22c.jpg04-04-2018 11;50;15.jpg06-07-2013 13;28;38.jpg

Die Vorstellung des Films im Trakl-Haus in Salzburg erfolgte terminlich ziemlich in der Nähe des Geburtstags des Dichters. Anreise wieder per Bahn – diesmal auf der Flucht aus einem Skiort, wo man familiär in den Semesterferien „sportlich kaserniert“ worden war …

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Das „Trakl-Haus“ trägt diese Bezeichnung seit der Eröffnung der Trakl-Gedenkstätte im Jahr 1973 – Im ersten Stock wurde von der Salzburger Kulturvereinigung in den Räumen der ehemaligen Wohnung der Familie eine Gedenkstätte eingerichtet. Der Freistädter Dr. Hans Weichselbaum ist Leiter dieser Forschungs- und Gedenkstätte.
Ein 3. Exkurs nach Salzburg fand gemeinsam mit dem Komponisten Helmut Rogl auf Einladung der Trakl-Gedenkstätte am Waagplatz statt – Kurze Präsentation des Films kombiniert mit einer Diskussion im Rahmen einer Tagung als glänzender Abschluss des erfolgreichen Projekts …

Manfred Pilsz

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