Linz – eine Stadt lebt(e) auf

Die Brucknerklänge der Missa Universalis waren eben verhallt und der Auftrittsnebel hatte im vollbesetzten Festsaal des Fadingergyms eben den Klangwolkenvordenker und –Auslöser Hubert Bognermayr auf der Bühne sichtbar werden lassen, als der Kopf von Eela Craig auch schon loslegte: „Nach meiner Vorstellung soll von den Bergen rund um Linz die Musik in den Donaupark geblasen werden und so eine Wolke aus Klang entstehen …“

14-03-2017 18;30;24a.jpg

Wäre dies eins zu eins passiert, hätte es die Bäume auf der Mayrwiesen oberhalb seines elektronischen Försterhauses am Fuß des Pöstlingbergs flach legen müssen und ebenso die Vegetation am Pfenning- und Freinberg. Letztendlich ist es 79 eine Abspeckversion dieser Vision geworden, aber gewaltig genug, um die verschlafene, noch stinkende Stahlstadt Linz sehr nachhaltig in eine pulsierende, internationale Kulturzone zu switchen und mit der            1. ARS den Ruf als weltweit anerkannte Medienstadt einzuläuten.

Im Jahr davor hatte man mit der begeisterten Aufnahme der Missa Universalis der Gruppe Eela Craig durch das Linzer Publikum im Rahmen des Brucknerfests im Konzerthaus an der Donau den Grundstein zu dieser Entwicklung gelegt. So war nach der Eröffnung des Brucknerhauses nun doch noch der Ausgangspunkt für ein Alleinstellungsmerkmal eines herbstlichen Fests gefunden. Mit Experimenten wie dem Forum Design oder – Metall, dessen Exponate noch heute im Donaupark zu bewundern sind, war man diesbezüglich nicht fündig geworden …

Forum_Metall(2).jpgnike

… im obigen Bild abrufbarer Radiobeitrag von Marlene Penn

ARS 79 S.jpg

Kurz nach der eingangs beschriebenen Infoveranstaltung wurde im September der Unterricht in den Donaupark verlegt, wo vergleichsweise zu heute ein kleines Häufchen von Technikern damit beschäftigt war auf vier Stationen unter Planen Lautsprecherboxen aufzutürmen. Zwei davon standen in Urfahr und zwei weitere Türme links und rechts des Brucknerhauses. Ein zerlegtes Orchester sollte simuliert werden, mit den hohen und tiefen Streichern auf der Linzer Seite und den restlichen Instrumenten von Urfahr kommend. Die Linzer Boxen wurden mit Zeitverzögerung so abgespielt, dass man im Klangzentrum direkt vorm Brucknerhaus das Gefühl haben sollte zentral als Dirigent die Wolke zu erleben. Im Gras ist dieser Punkt noch heute markiert durch das Forum Metall-Exponat Ellipse, doch bereits wenige Meter daneben begann sich das Klangbild je nach Boxennähe zu den einzelnen Stationen zu verschieben. Am Aufführungstag wurden im Verlauf von Bruckners Achter Teile der Verbindungskabel, die in Griffweite des Publikums über Gabelstangen gehängt waren von diesem bei einer der beiden Linzer Boxeneinheiten gekappt, sodass die volle Wucht der Streitrösser des vierten Satzes nicht wirklich zur Geltung kam. Bedingt war dies auch durch die doch eher schmalbrüstige Wattzahl von 20.000 – heute verwendet man das Achtfache und mehr … Als Visualisierung diente ein einziger Laser, mit dem auf kleine Herzballons gezielt wurde, die wiederum an der Unterseite eines großen, blauen Ballons festgemacht waren, der über dem Klangzentrum schwebte. Beim Transport der Propangasflaschen waren wir ebenso dienlich, wie beim Aufblasen der Ballons und der Film, der bei diesen Vorbereitungen entstand, brachte uns in der Folge einen der ersten Preise auf diesem Sektor ein. Der Ballondeko war weniger Erfolg beschieden, da sich am Abend dieser allerersten Klangwolke Teile des Publikums entschieden am Verankerungsseil die ganze Pracht vom Himmel herunter zu holen und das Gas freizusetzen, sodass Bruckners VIII. in der „2. Halbzeit“ (3. & 4. Satz) nicht nur klanglich mit weniger Instrumenten, sondern auch ohne wirkliche Visualisierung auskommen musste.

Ungeachtet dessen war an diesem Abend eine neue Ära in der Geschichte und Entwicklung unserer Stadt eingeläutet worden. Endlich konnte man im Café Lindy, das wir bis Anfang der Achtzigerjahre fast jedes Wochenende beglückten auch mal über wirklich interessante, ja beeindruckende Veranstaltungen und Aktionen, die in der eigenen Stadt passierten diskutieren und sich darüber freuen, dass dies nun zur Tradition wurde, ohne sofort wieder zu verkrusten. Beflügelt durch das Festival Ars Electronica bedeutete dies einen immer wieder spannenden Herbst mit ganzjähriger Nachwirkung. In diesem Aufwind segelte auch das Brucknerfest, dessen Namensgeber mit seinem Geburtstag alljährlich den Beginn dieses fruchtbaren Linzer Kulturtsunamis markierte. Während sich Ende August die Pforten der Sommerfestspiele in Salzburg, Bregenz oder Bayreuth schließen und dem grauen Alltag die Bühne überlassen, erhellen in Linz zu Schulanfang Ars und Brucknerfest im gepflegten Doppel den September. Die ersten visualisierten Klangwolken standen noch ganz im Zeichen unseres Ansfeldener Symphonikers, der sich mit seinen Orchesterwerken ganz hervorragend für die Umsetzung im öffentlichen Raum des Donauparks eignete. Bei der Mahler-Wolke gelang es den Traum des Komponisten vom sich bewegenden Orchester gleich am Beginn seiner V. beim einleitenden Marschthema zu erfüllen, indem man ein Schiff mit einer großen Lautsprechereinheit als Trauerkondukt am Publikum vorbei gleiten ließ. Legendär: Die Otto M. Zykan-Wolke … bei der wir dem Meister nach seiner 24stündigen Lesung der Odyssee im Donaupark beim Frühstück die Erlaubnis abluchsten seine Musik verfilmen zu dürfen (- ohne Dauerpräsenz des Komponisten bei den Dreharbeiten … denn das war sonst bei ihm Usus – hätten wir uns aber nicht leisten oder organisieren können) Erfolgreiches Ergebnis: „Im Auge des Zyklopen

„Kultur für Alle“ – „Klassik“ aufbereitet für Jedermann & – frau … Ein wahrhaft edler und wesentlicher „Kulturvermittlungsgedanke“ zum Nulltarif der 80er, der leider verloren ging …  Heute ist die ursprüngliche „Klassische Klangwolke“ verkommen zu einem Stehkonzert im leer geräumten großen Saal des Brucknerhauses unter dem Titel „Open Classic“ – das einzige was dabei offen ist, das sind die Türen und das Programm … ein beliebiges Indoorwölkchen, fern des ursprünglichen Konzepts, als „Vorgruppe“ für die Eröffnung des Fests am Folgetag. Das eigentliche Wolkenschmuckstück ist da alljährlich dann bereits Geschichte: Die große visualisierte Klangwolke der Ars Electronica im Donaupark.

Die Linzer  A R S  –  geboren aus der  M U S I K  …  

Was für eine Aufbruchstimmung begleitet von der Neugier des Publikums herrschte beim „Mitmachkonzert“ 1980, wie neu war der elektronische Sound von Klaus Schulze oder Isao Tomita & die „Pink Floyd -Wolke“. Damals war die Klangwolke noch ein wirkliches Experiment von Walter Haupt und nicht bloß eine „Rundum-Beschallung“ mit Feuerwerk. “Malstrom Südpol” und einer der absoluten Höhepunkte: “Out of Control“ – ja man könnte noch viele weitere, exorbitante „Aufmacher“ der folgenden Jahre anführen die Linz zur „Kulturhauptstadt“ und > city of media arts < werden ließen … Es lebe die ARS, die Wolke, die Goldene Nica und speziell die > u19 < mit ihrem Motto „Create Your World“ !!!

Manfred Pilsz                                                                                                                                                                   (der von 79 bis heute jede ARS & Klangwolke besucht hat … )                                                       ARS & KW 017

Zauberlehrling – der Film

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

IMG_5159.JPGu19 Goldene Nica  2006 – Krmpf Krmpf – Studios

Vor 10 Jahren waren diese Fadis NICA u19 Winner

Ein Gedanke zu “Linz – eine Stadt lebt(e) auf

  1. Pingback: Z Y K A N – „Im Auge des Zyklopen“ | LEO LOGEs LOGBUCH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s