25. August 2017 – Eine wirkliche OBERÖSTERREICHERIN DES TAGES

Die Pflanzen wirkten noch wie frisch gegossen – die letzten Krümel vom Namenstagskuchen, den sie wie jedes Jahr, so auch damals in den letzten Jännertagen für ihren Sohn gebacken hatte wurden vom Tortenteller gewischt – ein letztes Erinnerungsbild: Die viel zu schnell entschwindende Silhouette der winkenden Oma am fahl erleuchteten Fenster ihres Fernsehzimmers – nach einem letzten guten Gespräch – einer letzten Lieblingssuppe …  Das kleine Valentinsgeschenk hat sie nicht mehr erhalten …

Das war damals vor 10 Jahren im Februar …                                                                                 Heute hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert !

rosa oma.jpg„Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ – ein fixer Stehsatz in unserer Familie ist damals vorläufig letzten Mal so ausgesprochen worden. Denn ein erfülltes Leben voller Arbeit und Fürsorge ist jäh zu Ende gegangen. Ein vormals starkes Herz – über die Jahre schwächer geworden – hatte zu schlagen aufgehört.

Der Weg alles Irdischen war zu Ende – ein langer fast 90jähriger, manchmal auch extrem entbehrungsreicher, in jedem Fall sinnerfüllter und gerader Weg!

Begonnen hat er in der Gegend von Rannastift, Oberkappel, Neustift im Schoß der Familie Kapfer – 1917 – noch in Monarchiezeiten. Schon bald führte der Weg das junge Mädchen aus bäuerlichem Stand vom Oberen Mühlviertel in den städtischen Bereich – die Ausbildung zur Krankenschwester machte dies notwendig.

Rosa Oma.jpg„Wer nicht gegen den Strom schwimmt, wird nie zur Quelle kommen“ – lautet die letzte Eintragung in einer Textsammlung, die Rosa Pilß hinterlassen hat:

Als der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vom Volk abgesegnet werden sollte, war Rosa Kapfer (ihr Mädchen-Name) eine der wenigen, die auf dem Recht der geheimen Abstimmung in ihrem Ort bestand und bewies so schon in jungen Jahren Rückrat und Mut. In der Folge leistete sie mehr als nur pflichtbewusst, wie später auch ihren Dienst – damals als Lazarettschwester während des 2. Weltkriegs – zuletzt dabei im Petrinum und am Gelände der heutigen Kreuzschwesternschule, wo sie im Bombenhagel der letzten Kriegswochen April/Mai 45 endlich die Befreiung erleben durfte.

Auch während der „Besatzungszeit“ versah sie ihren schweren Dienst – ohne wenn und aber! Mehrere schwere Operationen, die sie in den Kriegsjahren und in der Folge über sich ergehen hatte lassen müssen, beeinträchtigten u. a. ihre Hörfähigkeit & ihre Gesangsstimme nachhaltig. Während des Hochwassersommers 54 schenkte sie ihrem einzigen Sohn Manfred das Leben und gab so ihr verlorenes Talent – die Gabe des Singens – an ihn weiter. Kurz zuvor hatte sie Ing. Friedrich Pilß, den Vater des Kindes geheiratet. Beide waren im Gesundheitswesen der Stadt Linz tätig. Er als Oberamtsrat und Dipl. Krankenschwester Rosa Pilß übernahm eine Station in einem Linzer Fürsorgeheim, wo sie bis zur Pensionierung bei Tag und Nacht unermüdlich in der nicht einfachen Altenbetreuung ihren Dienst versah.

Nach dem unerwartet frühen Tod ihres Gatten haderte sie zwar mit der Institution Kirche, nie aber mit Gott – Oft schloss sie ihre Anverwandten, besonders die junge Familie Pilsz in ihre Gebete ein. Auch ließ sie nach meist nur wenigen Worten viele hilfreiche Taten folgen. Großzügige Geschenke und Zuwendungen ermöglichten der Familie des Sohns und später speziell den Enkelkindern ein noch sorgenfreieres Leben.

Sie selbst hatte kaum irdische Bedürfnisse: Keine Reisen oder größere Veranstaltungen, kein Auto, nicht die Spur von Begehrlichkeiten geschweige denn von Luxus. – Treffen nur im kleinsten Familienkreis – am liebsten mit den ganz jungen – ihren beiden Enkelkindern,  deren Entwicklung sie genauestens beobachtete, förderte und auf die sie besonders stolz war. Das brachte ihre oft schon sehr müden Augen noch einmal zum Leuchten. Mit dem Hören war es seit geraumer Zeit schon schlecht bestellt – von Jahr zu Jahr war es um sie herum dumpfer, stiller geworden – bis dann endgültige, ja ewige Ruhe Einkehr hielt. Ihren Urenkel durfte sie nicht mehr erleben …

Im Gedenken an eine starke, selbstlose Frau, die auch jetzt noch wöchentlich besucht wird: „Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ … Heute allerdings zum 100er mit noch mehr Ruhe als sonst. Dort an der Donau, wo sie einst selbst Schwäne füttern war, wenn sie den „Papa“ besucht hat – mit der Gießkanne – direkt neben der Hochzeitskirche der „Jungen“ …   Hier, wo wir nun selbst Blumen in der Hand halten und im stillen Dialog verweilen …

… in der Textsammlung von Rosa Pilß (ß = sz) findet sich auch die von Schumann so überirdisch vertonte Eichendorff´sche  „Mondnacht“

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

MP noch klein 5

 

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