ALLERSEELEN – „Wie einst im Mai“

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Ein lauter werdendes Rascheln löst das ferne, heisere Krächzen von Krähen und Raben ab. Im fahlen Licht Schritte, die das dichte, welke Laub teilen, das den Weg dem suchenden Blick meist nur kurz preisgibt. Ringsum klingt alles fast so wie in Watte gepackt, ganz ähnlich wie an einem Hochwintermorgen hier auf der Gugl, wenn dicke, frische Schneebauschen im Park mitten in der Stadt für Dämpfung, ja eisige Stille sorgen. An der Kuppe angekommen zeichnet sich unten im Nebel dunkel leuchtend das Kardinalsrot eines einsamen Blutahornbaums am Boden rund um den Stamm und nur noch recht schütter im Geäst seiner Krone ab. Aus dem sonst eher falben, bräunlichen Laubteppich flammen einzelne, knallgelbe, frische Blätter auf, die auch auf der glatten Oberfläche eines schmalen Bachs in unterschiedlichsten Formen treiben. Ein heftiges Rauschen hebt an, als der wilde Novemberwind in den Mischwald fährt und jede Menge an Nachschub vom Himmel segeln lässt. Inmitten des dunklen Nadelgehölzes ein kalter, bemooster Steintisch …

2A Unbenannt 5.JPGStell auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei,
Und lass uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai.

2B Unbenannt1.JPG3B DSCN0134.JPGGedanken und Rückblenden zum sonst eher ungeliebten Frühling, dem Vorboten des meist unerträglichen Sommers kommen plötzlich auf, ausgelöst durch die Steinstatuetten eines Liebespaars: Ausgebreitete Arme eines jungen Mädchens im Dirndlkleid zwischen hohen französischen Hecken – Bilder aus längst vergangenen Tagen werden kurz wieder wach, um bereits im nächsten Moment sich wieder im angenehm unaufgeregten Herbst aufzulösen und abzudunkeln. Auf einem massiven, felsenartigen Stein zeichnet sich der feingliedrige Schatten einer Frauenhand ab …

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Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke
Und wenn man’s sieht, mir ist es einerlei,
Gib mir nur einen deiner süßen Blicke,
Wie einst im Mai.

Im Mai 1864 verstarb der Dichter dieser Zeilen Hermann von Gilm in Linz, wohin er zehn Jahre zuvor gezogen war. Am 1. November 1812 in Tirol geboren war Gilm hier an der Donau als Leiter des Präsidialbüros tätig, „unerhört“ verliebt und nur kurz verheiratet.

5A 2017-05-30 15.20.32.jpg5B 6bf.jpgRichard Strauss Villa & Museum in Garmisch 2017

Am 31. Oktober 1885 hat und der damals junge 21jährige Komponist Richard Strauss die Musik zu Gilms Text geschenkt. Ob der Sänger die Rolle des Trauernden oder des Toten einnimmt bleibt ebenso offen, wie das Verhältnis der beiden zueinander. In unserem Film „Wie einst im Mai“ steht eine junge Frau am Allerseelentag vor einem Grab auf einem Waldfriedhof. Es entsteht ein Stimmungsbild bei dem sich die Handlung selbst auf einen inneren Dialog beschränkt, der realen aus herbstlichen Sequenzen und rein gedanklich emotionalen Rückblenden besteht. Ob der singende Betrauerte nun der tote Liebste, ein Freund, der Bruder, Vater oder gar ein verehrter Fremder ist, dem die Worte in den Mund gelegt werden – wir können es nur vermuten, es uns aussuchen es auch dabei lassen …

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Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist ja den Toten frei,
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai

  „Allerseelen“ – Konzertaufnahme mit dem BLOG-Autor als Sänger (80er Jahre)

7A 2017-05-30 15.18.13.jpg7B 2017-05-30 15.28.48Im Frühjahr 018 wird unsere neue R. Strauss-Visualisierung „Wie einst im Mai“ im Rahmen der VÖFA präsentiert. Die Verfilmung eines weiteren Lieds von Richard STRAUSS ist derzeit in Planung …

Manfred Pilsz

Im obigen Beitrag Bilder zum und aus unserem neuen Film …                                                                                               Hier im Anhang noch ein Beispiel für das Opernschaffen von Strauss: „SALOME“
Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

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