Klassenziel per Kreativität, Kunst …

Noch vor einiger Zeit war undenkbar, dass mediale Absurditäten wie der Moneymaker (- mittlerweile Geschichte) noch zu unterbieten wären – Eine unsägliche Werbung hat dies jedoch geschafft und es ist erfreulicherweise auch anderen so sauer aufgestoßen:

Nur Gold im Kopf

In einem Werbespot, der zurzeit im Fernsehen läuft, erhebt sich ein weiß gekleideter Mann am Morgen von seinem weißen Bett, das in einem weißen Raum steht, ein goldener Roboter mit starrem Frauengesicht begrüßt ihn und sagt, heute sei sein 150. Geburtstag, sein Vermögen betrage etliche Trillionen, und fragt, wie er das alles geschafft habe. Der Mann klopft der Puppe mit dem Knöchel gegen den Schädel und antwortet: „Ich habe wie du immer nur Gold im Kopf gehabt.“ 

Der kurze Spot ist ein finsteres Meister­werk: Er zeigt die absolute Sinnlosigkeit des Seins. Weniger als dieses Nichts gibt es nicht. Vor Entsetzen vergisst der Zuseher, wofür hier eigentlich geworben wird. Am Ende springt ein weiß gekleidetes Kind daher und ruft: „Papa!“ – Ich hätte mir so sehr gewünscht, das Kind würde sagen: „Papa, lass mich nach draußen in den Dreck, gib mir einen Stumpen Bleistift und einen Zettel Papier, ich möchte auf keinen Fall werden wie du, ich möchte nicht älter werden als achtzig Jahre, und jetzt will ich ein Gedicht über die rote Farbe schreiben, die von einem Schubkarren abbröckelt, der im Regen bei den weißen Hühnern steht, ein Sonett vielleicht oder auch nicht, ich weiß nicht, was mir einfällt, ein paar schöne Sätze, in denen das Wort Gold nur als Metapher vorkommt …

…  soweit Schriftsteller Michael Köhlmeier in der BÜHNE (- Kultur brauchen wir nicht. Kultur wollen wir !)

Die Gold-Thematik gehört nicht gewinnbringend dem Boulevard, sondern der Kunst:

Nach Golde drängt,
Am
Golde hängt
Doch alles. Ach wir Armen!

Goethe Faust I, (Margarete) Gounod

Nur wer der Minne Macht entsagt,
nur wer der Liebe Lust verjagt,
nur der erzielt sich den Zauber,
zum
Reif zu zwingen das Gold

Wozu hat Richard Wagner seinen RING-VorabendDas Rheingold“ geschrieben?

Ihrem Ende eilen sie zu,

die so stark in Bestehen sich wähnen.

Fast schäm‘ ich mich, mit ihnen zu schaffen

Im Finale der RING-Tetralogie ermöglicht wissende, weibliche Initiative in Gestalt personifizierter Liebe durch die Wiederherstellung der Ausgangssituation, mittels Rückgabe des Goldes in Form des Symbols des Rings (an die Natur), einen möglichen Neuanfang, nach dem Zusammenbruch einer patriachal dominierten „Weltordnung“ und der damit verbundenen Katastrophe:

Erst durch die KUNST erhält GOLD (nach dem Sündenfall) die Unschuld zurück:

Filmprojekt TWOSOME

Was aber tun, wenn der schnöde Mammon regiert?

Kunst, geschweige denn Kunstvermittlung sind da (auch jenseits von Pandemiezeiten) scheinbar eher nicht wirklich „System-relevant“:

Die Gymnasien produzieren oft am Markt vorbei , meint die Wirtschaftsministerin

Welcher Markt?“, fragt Hopmann, der an der Uni Wien Professor für historische und vergleichende Schul- und Bildungsforschung ist. „Die Gymnasien waren nie berufsvorbereitend, sondern dienten der Einführung in die bürgerliche Welt und in Weisen des Selbstverstehens – sprachlich, mathematisch, ästhetisch, religiös. Der Kern dieser Schule war und ist eben nicht ausgerichtet an zukünftigen Arbeitsmärkten, sondern an der Vermittlung dessen, was man unbedingt wissen muss, um in die Welt einsteigen zu können.“ Darum sei die Idee einer „Schule 4.0“, die die „richtigen“ Absolventen für die Industrie 4.0 unter dem Regime der Digitalisierung aller Lebensbereiche liefern solle, illusorisch, warnt er: „Wenn diese Schüler fertig sind, leben wir schon in der Gesellschaft 6.0.“

…  nachzulesen im Standard

Katheder statt „ex cathedra“

Kann es sein, dass das Kapital „ex cathedra“ das Curriculum zur Erreichung einer Gewinnmaximierung vorgibt, oder ist nicht doch eigentlich das Klassenziel der AHS viel zukunftsweisender, denn es gilt nicht Roboter auszubilden – die werden nur gebaut und erledigen dann alles, wofür man nicht ausdrücklich Bildung benötigt? Mittels Kreativität & Kunst: Bildung statt Ausbildung poor …

Der Philosoph Richard David Precht hatte schon vor geraumer Zeit seinen ministerialen Diskurs in der Sendung „Im Zentrum“ (damaliges Thema „Digitalisierung)

Selbst 2021 gibt es deutlich weniger Virologen als sogenannte „Bildungsexperten“ *

Liessmann vs. Salcher *

Liessmann schiebt den schwarzen Peter für das Problem unserer „Unbildung“ weniger dem einzelnen Menschen zu – als wäre dieser zu faul, sich wirklich zu bilden – noch einer versagenden Bildungspolitik. Der Kern des Problems liege tiefer: in dem ökonomischen Strukturgefüge unserer Gesellschaft, die auch den Geist den Verwertungsinteressen des Kapitals unterwerfe; deshalb sei „Unbildung die notwendige Konsequenz der Kapitalisierung des Geistes“ und „unser aller Schicksal“ … (zu: Theorie und Praxis der Unbildung)

Aus der Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 016:

Vermittelt Kunst nicht soziale und kreative Kompetenzen, die sich als Wettbewerbsvorteil erweisen könnten? Und wird die Kunst nicht aus diesen und ähnlichen Gründen, die mit ihr im Grunde nichts zu tun haben, in den Sonntagsreden so gerne beschworen? Welchem Politiker, gar welchem Bildungspolitiker geht es denn wirklich noch um die Sache der Kunst? Die zentrale Rolle, die Kunst und die Auseinandersetzung mit ihr einst in der bürgerlich-humanistischen Bildung gespielt hatte, ist längst obsolet geworden. Die klassische Literatur, ernste Musik, die Welt der Oper, die großen Werke der Malerei, die epochalen Texte des Theaters gehören seit langem nicht mehr zum Kerncurriculum Höherer Schulen.
Mit Fug und Recht könnte man sich auch einmal die Frage stellen: Wieviel Bildung braucht die Kunst, wieviel Kunst braucht die Bildung? Das gelungene Werk, auch in seiner Einfachheit raffiniert und anspielungsreich, immer auf Vergangenes zurück und auf Zukünftiges vorausweisend, stellt hohe Ansprüche. Hören, Lesen, Sehen sind in diesem Zusammenhang nicht nur rezeptive, sondern produktive Tätigkeiten, das Verstehen und der Genuss steigern sich mit Kenntnissen, Einsichten und Erfahrungen. Ästhetische Bildung als Modell für die Freiheit und Autonomie des Menschen kann sich nur in Auseinandersetzung mit der Kunst entfalten, ästhetische Urteilskraft, die Fähigkeit, das Gelungene vom Misslungenen zu unterscheiden, die Schulung einer kritischen Haltung können sich nur in Konfrontation mit den Werken der Tradition und der Gegenwart entwickeln. Ja, Kunst braucht Bildung in einem fundamentalen Sinn, sie braucht vielfältige Kenntnisse, braucht historisches religiöses, philosophisches und literarisches Wissen, braucht Erfahrungen. Welche Schule, welcher Bildungsplan will solches heute noch bieten?
Aber wieviel Kunst braucht die Bildung? Genügt es nicht, dass junge Menschen jene Kompetenzen erwerben, die sie fit für die Arbeitswelt der Zukunft machen? Und hat sich die Beschäftigung mit Kunst nicht auch dieser Maxime zu beugen. Sollte es sich herausstellen, dass das Hören von Mozartopern das innovative Denken befördert und bei der Gründung von Startups Vorteile verschafft, nun, dann wird man das tun; sonst eben nicht. Wer so denkt, denkt falsch. Bildung ohne ästhetische Erziehung ist keine Bildung. Denn die Kunst, und nur sie, kann – wenn auch im Imaginären – zeigen, was es heißt, mit den Widersprüchen und Abgründen des Menschen in einer menschlichen Weise umzugehen. Kunst gehört, neben der Wissenschaft, zumindest für Friedrich Schiller zu den „edelsten Werkzeugen“ des Menschen, die es ihm erlauben, sich im „Reiche der vollkommensten Freiheit“ zu bewegen. Bildung als Menschwerdung des Menschen kann sich deshalb nur an und mit diesen beiden großen Errungenschaften entfalten.
Das Reich der Freiheit, auch und gerade der ästhetischen Freiheit, ist aber nicht ohne Fallstricke. Freiheit heißt auch, sich aus dem Bann des Kollektivs und des kollektiven Denkens zu lösen und zu einer wirklichen Individualität zu gelangen. Hier liegt ein irritierendes Problem, vor das uns die Kunst stellt. Kunst ist mit unseren, im Bildungswesen aus guten Gründen geforderten Gleichheits- und Gerechtigkeitsvorstellungen nicht vereinbar. Kunst ist letztlich eine Sache des Einzelnen. Und dies nicht im Sinne eines falschen Elitenbewusstseins, auch nicht im Sinne eines überzogenen Geniekults, sondern im Sinne einer existentiellen Erfahrungsmöglichkeit. Für diese kann in einem Schulsystem wohl der Boden bereitet, sie kann aber weder verordnet, noch verlangt, noch als Kompetenz definiert, geprüft und zertifiziert werden. Es kann auch niemand dazu gezwungen werden. Ein Bildungssystem, das die Chancen von Kunst ernst nähme, eine Bildungsministerin, der es darum ginge, jungen Menschen die Welt der Kunst zu erschließen, setzte deshalb weniger auf Kompetenzorientierung oder Output-Optimierung, sondern schlicht auf Lehrer, die für die Kunst, für die Literatur, für die Musik begeistern können, und die wissen und wissen dürfen: wenn sie damit auch nur eine einzige jugendliche Seele erreichen und enthusiasmieren – dann haben sie das ihrige getan. Und mehr bedarf es nicht.

                                                                    Konrad Paul Liessmann

Wertgeschätzte, künstlerische Teamarbeit an der Schule mit öffentl. herzeigbaren Ergebnissen (!) ist dabei das NonPlusUltra eines nachhaltigen Erfolgs – Kabarett, Musiktheater, Filme, Bilder usw. kreieren!!! Kunst wird so im Unterricht selbst aktiv erlebt und die Werk-Hintergründe sowie Intentionen des Schöpfers (Bio) werden dabei sicht- & spürbar …

Da hilft Lehrenden sicher weder ein theoretisches, pädagogisches 2, 3, noch 4 Säulenmodell, sondern nur echte, eignene Begeisterung für die Sache, Neugier und HUMOR !

Das sind auch Top-Voraussetzungen für kreative Gedanken und ebensolches Tun in passender Atmosphäre. Der Ort, an dem man arbeitet, soll vertraut sein: Für manche die offene Weite eines „Festsaals“ in größerer Gruppe oder die eigene Wohnung – hier kann in Ruhe etwas entstehen – manchmal  nur im Dasitzen & Schauen oder durch sinnliche Eindrücke in der Frische des morgendliches Erwachens  … aber auch bei Spaziergängen, beim Duschen, vielleicht auch bei, oder durch Gespräche  …  sicher aber nicht durch Sachbücher und „Seminare“ zum Thema Kreativität  … Bestens funktionierender Kreativpool bei den FadingernGestern wie HEUTE: >>>>>>>>> Das MRG !

Schule soll Spaß machen – dieser Satz im regionalen ORF-TV OÖ. bescherte dem Blogautor 1998 im Zuge der Präsentation des damals neuen Medienzweigs jede Menge böser Post von nicht wohlmeinender Zuseherschaft  …

Kreativität und Humor sind eng miteinander verbunden. „Lachen befreit“- so können Denk- und Kreativitätsblockaden durch Lachen und Humor vermindert werden. Kreative und humorvolle Menschen sind eher dazu in der Lage, ihre gewohnten Bahnen zu verlassen, „Aberwitziges“ zu denken und überraschende Verbindungen herzustellen.

Eine Schüler-Befragung innerhalb einer Studie dazu ergab ein klares Votum für mehr Humor – Die Schüler wünschen sich mit Mehrheit einen humorvolleren Unterricht (– und wirklicher Humor ist deutlich mehr als bloß Witze zu erzählen  …)

Bei den Fadingern führte ein diesbezüglicher Wunsch der SchülerInnen Mitte der 70er Jahre zur Gründung der Kabarettgruppe (BSG). Ein Quantum schauspielerisches Talent ist in jedem Fall für Lehrpersonen garantiert kein Nachteil …

Abschließend 2 Zitate eines kundigen 100Jährigen:

Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen

Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität – die einzige revolutionäre Kraft ist die Kunst

Joseph Beuys

M.P.

Radio Beitrag zum Klassenziel per Kreativität/Kunst:

Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

ANHANG (NEWS & OÖN) – Nach den „Religionswächtern“ im Morgenland, sind seit geraumer Zeit nun scheint’s „Kulturwächter&Innen“ im Abendland auf der Bühne erschienen …

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