KRAMPUSSONG IM TELEGRAMMSTIL

                                     Abendbummel – Höllenrummel – Kettenrasseln                                      Sprüchlein quasseln – Angstpsychosen – Krampusposen

30440bb3697797b6feae5c8bfa3fc17f--christmas-postcards-vintage-christmas-cards„Rückblickende Gedanken zum Auftakt in den Advent“

Beim familiären Abendbummel über den mit einer großen Tanne geschmückten Linzer Hauptplatz konnte es früher schon mal passieren, dass man an einem 5. Dezember in den Höllenrummel der aus der Altstadt kommenden Krampusgruppen geriet. Hektisch laut brüllend liefen sie durch die Straßen. Ein für Kinder unvergesslich gruseliges Kettenrasseln, das in der Stimmung wieder hoch kam als zwei frisch Getraute am 6. 12. 82 beim Aussteigen aus der S-Bahn flankiert von schnauzenden DDR-Militaristen mit Maschinenpistolen von deren Kettenhunden zu den unheimlichen, verspiegelten Passkontrollschaltern verbellt wurden, bis sich dann plötzlich die fast unsichtbare Tür des Bahnhofs an der Friedrichstraße öffnete und man sich am Eck kurz vorm Brandenburger Tor befand. Eigenartig wohltuende Ost-Berliner Ruhe umfing sie, Hausbrandgeruch und weit und breit keine einzige Plakatwerbung – man war zurückversetzt in die frühen 60er, als es hier in Urfahr schon vor Weihnachten große, dicke Flocken schneite, die Kinder aber am gerade noch schwach hellen  Nachmittag in ihrer Schulbaracke saßen bei Liedern und beim Sprüchlein quasseln, die sie für den Nikolaus übten. Man hatte damals wechselweise Vor- und Nachmittagsunterricht, da die Sonderschule auch hier untergebracht war und man im Nachkriegs-Linz noch immer mit dem Wiederaufbau beschäftigt war. Die Volksschüler zogen in ihren 4 Jahren zweimal um in andere Gebäude und hatten jedes Jahr einen Lehrerwechsel. In der Vierten übernahm der bekannte Schulbuchautor und beliebte Direktor Würzl die Klasse – doch zurück in die Erste: Die Sechsjährigen bekamen Angstpsychosen, wenn sie nur daran dachten, dass es gleich dunkel würde. Vor den Fenstern ihrer alten Holzbarackenschule glaubten sie schon Fratzen mit Krampusposen zu sehen, als endlich die Schulglocke läutete. Würden sie es schaffen den Nachhauseweg ohne unliebsame Begegnungen zu überstehen?

DSCN1149.JPGVolksschule – 1941 war die Baracke errichtet worden – 45 diente sie den Russen als Pferdestall

                             Kinder weinen – Mütter greinen – Babyfraisen                              Dreizackeisen – Birkenruten – Rückenbutten

Auch der Klassenjüngste versuchte sein Glück. Ganz schnell steckte er stolz seine Faschingseinladung die er vom Rappl Heinzi für Anfang Jänner bekommen hatte in die Schultasche. Dann lief er durch den halbdunklen Gang zur Garderobe. Manche Mütter hatten es nicht geschafft ihre verzweifelte Brut rechtzeitig abzuholen und so empfing ihn Kinderweinen an der offenen Schultüre. Er wusste, dass er nicht zu hoffen brauchte, denn sein Vater hatte langen Tag und die Mutter kam auch erst gegen 19 Uhr vom Dienst nach Hause – wenige Minuten vorm Nikolaus. Am Vorplatz ein Auflauf: Mütter greinen, ein Kinderwagen, daraus schrill laute Babyfraisen – nichts wie weg … Die Angst stieg erst so richtig hoch als es auf der Straße nun still wurde. Eigentlich war er ja in Hochstimmung: Er war als Klassensieger des von seiner geliebten Lehrerin ausgerichteten Gesangsbewerbs vor wenigen Tagen hervorgegangen und er sollte sich wenig später Gesamtsieger nennen dürfen. Aber jetzt hatte er andere Sorgen. Überall hinter jedem Busch am Straßenrand konnte ein Dreizackeisen auftauchen und der kleine, kränkliche Taferlklassler gab sich wenig Chancen einem echten Krampus zu entkommen. Seine  Oberlehrerin Haase nannte ihn „Krankensessel“, denn sein Platz war oft mal leer, wenn er sich nach wenigen Schultagen die nächste Kinderkrankheit eingefangen hatte. Der Kindergarten hätte ihm auch diesbezüglich gut getan. Statt dessen war immer ein junges Dienstmädchen in seiner Nähe und hoffentlich auch jetzt zuhause, um ihn vor den Schlägen mit den Birkenruten zu bewahren. Gäbe es schon eine Schneedecke am Asphalt, dann wärs kein Problem: In den Weihnachtsferien konnte man alle Jahre wieder vom Pöstlingberg und seinen Rodelwiesen beim unteren Dießenleitenweg übers Petrinum mit dem Schlitten und Höllentempo vorbei an der Müllgrube (heute Sportplatz) und der Barackenschule  bis runter in den Karlhof gelangen. So wie mit dem Tretroller unterm Jahr. Erst direkt vor der Wohnung in der Leonfeldnerstraße wurde es richtig flach. Mittlerweile hatte er klamm die mit alten Straßenlaternen auf schwarzbraunen Holzmasten ausgeleuchtete kleine Kreuzung erreicht und bog in die dort abschüssige Teistlergutstraße ein, als er eine große, dunkle Gestalt am Ausgang des Holzwurmwegs im Augenwinkel sah und sofort zu laufen begann, ohne sich umzudrehen. Er wollte keinesfalls in einer dieser Rückenbutten landen, mit denen kleine Kinder in schaurige Kohlenkeller „vazaht“ wurden, um dann dort verdroschen zu werden. Nur noch wenige Meter bis zum Zebrastreifen. Hier könnte man auch direkt in die Polizeistation laufen. Die hell ausgeleuchtete breite Straße bot Sicherheit, die Autos blieben stehen, er hatte es geschafft denn eine schmale Quergasse und zwei Türen weiter war das Ziel.

krampusmontage.jpgDas Problem ist weder die Balkan- noch die Mittelmeer-, sondern die Birkenrute

Hader Privat zu Josef & der Krampus:

                      Hinterm Fenster – Nachgespenster – Treppenknarren                           Schreckerstarren – Schlägerei – Wehgeschrei

Hinterm Fenster wurde gerade das Licht aufgedreht und der Stohr vorgezogen. Es war also jemand zuhause und keines der Nachtgespenster war ihm gefolgt. Er läutete und bereits Sekunden danach öffnete die 18jährige Rosmarie die Haustüre und bugsierte ihn ins sichere, wohlige Innere. Moderne Gasöfen sorgten in der neuen Wohnung in vier Zimmern für angenehme Raumtemperatur. – Noch bis vor kurzem und im alten Haus war dies die Aufgabe eines gefährlich rot glühenden Gusseisenofens gewesen. Mutter & Oma hatten auch diesbezüglich große Besorgnis um das Wohl des Knaben. Nunmehr waren junge Kindermädchen für das Wohl des Bürschleins abgestellt: Eine Hermi aus Gallneukirchen wurde abgelöst von den Großcousinen Kati und Rosmarie.

Kurz vor seinem 6. Geburtstag war man her zur Volksschule übersiedelt, von der idyllischen Altomontestraße, den weiten Feldern ( – heute PRO-Kaufhaus und Stadtautobahn), die man über einen Weg auch mit dem Kinderwagen queren konnte bis hin zu einem Bach, der hinter einem Bauernhaus vom Bäumen flankiert durch den Urnenhain in Richtung Donau fließt. Damals war im Sommer das Gewässer für Kinder durchaus noch zum Baden geeignet …  Am Ende der Straße befand sich eine alte Kohlenhandlung, die im Winter direkt durch die Kellerfenster belieferte – dahinter ein Teich, wo man ganze Sommer Nächte lang den „Froschgesang“ hören konnte. Wunderbar war auch der große Innenhof mit dem großen Steinnilpferd und dem Delphin aus dem Wasser sprudelte. Ein Terrain, das sein mutiger erster Freund Gerhard auch gegen größere Burschen mit Wort und Tat verteidigte, doch das war nun Geschichte. Nur die Bücherei am Eck in der Linken Brückenstraße führte ihn auch später wieder alle paar Wochen hierhin zurück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERASein nunmehriges Zuhause ohne Holzstiegen und dem damit verbundenen öden Treppenknarren war das erste neu gebaute Haus inmitten der „Hitlerbauten“ an der Leonfeldnerstraße, die gleich danach enger wurde und gemeinsam mit der Linken Brückenstraße in die Felder überging. Schon damals gab´s den Bus bis zum „Jäger im Tal“ kurz vor der Lederfabrik im Haselgraben und eine seiner Haltestellen direkt vorm Kinderzimmerfenster. Dieser Bus sollte ihn nur wenige Jahre später in der Unterstufe am Krampustag von der Straßenbahn an der Biegung zur sicheren Heimstatt bringen. Dazu musste man am Eck Reindlstraße schnell zusteigen. Auch Mitte der 60er waren das Feeling, der Geruch und das ungute Bauchgefühl noch da. Hausbrandgeruch in der Urfahraner Hauptstrasse mit den großen leuchtenden gelben Sternen im Dezember. Weihnachtsbäume und Gestecke gab´s in kleinen Gasse dahinter, wo einige Gärtnereien untergebracht waren (heute steht dort das Lentia) und das Schaffer-Holzwerk. Vor Weihnachten hing an jedem vierten Fenster in Urfahr ein Fasan. Meist bis ganze zwei Wochen (also viel zu lange) davor musste das „Prestigetier der 60er Weihnachten“ dort im natürlichen Kühlschrank „abhängen“, um dann im quasi „halbverfaulten“ Zustand aufbereitet zu werden. Endlich mit dem Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung kam der Bus. Nur drei nervöse Schüler stiegen zu und weiter ging die Fahrt zur Friedenskirche – der Name täuscht, denn an der Busstation war zu befürchten, dass dem Pfarramt frisch entsprungene Kramperl versuchen könnten den Bus zu entern. Umso erfreulicher war es, als man über die Kreuzung Freistätterstraße zur Haltestelle einbog, dass kein gehörnter Geselle am Trottoir auszunehmen war. Es wollte auch niemand aussteigen. Doch plötzlich Schreckerstarren: Irgendjemand oder etwas drosch von außen gegen die geschlossene Wagentür. Es wurde heftig an der Schnalle gerüttelt. Doch als Ruten sichtbar wurden die gegen das Autoblech hämmerten, setzte sich das Gefährt endlich in Bewegung. Durch das hintere Fenster wurde man Zeuge einer Schlägerei. Das Wehgeschrei der Beteiligten ging im Motorenlärm und dem wilden Durcheinander der aufgebrachten Fahrgäste unter. In einer Minute würde der Bus den Karlhof erreichen. Höchste Zeit, denn Onkel Toni hatte sich angekündigt, um schon jetzt sein Weihnachtsgeschenk zu deponieren: Seit Schuleintritt lag so jedes Jahr „Das große Jugendbuch“ vom Verlag „Das Beste“ unterm Baum – zuletzt mit dem gar nicht schwachen Würfelspiel „Autorennen Paris-Dakar“ auf den letzten Seiten der Ausgabe – das macht dann doch Hoffnung auf mehr davon …

ER-und-sein-Stellvertreter  Spittelberg Dez. 013  Der Vergleich macht Sie sicher.jpgVon der Spittelwiese zum Spittelberg: Er und sein Stellvertreter – der Vergleich macht Sie sicher

                             Geißfußkratzen – Teufelsfratzen – Pferdeschwänze                                     Hexentänze – Besenreiter – usw.

Anfang Dezember ging’s aber nicht immer nur bloß um Geißfußkratzen und Teufelsfratzen:  „St. Nikolaus ora pro nobis“ steht groß auf der Kirche neben dem heutigen ARS-Center und der Stadtwerkstatt mit ihrem Radio FRO Studio. In dieser Kirche fand vor nunmehr 35 Jahren am Tag der Heiligen Barbara eine Trauung statt, bei der nicht nur Althea Bridges, sondern auch der Bräutigam selbst seine Braut zum Altar sang. Die Hochzeitsreise nach Berlin fand seither Anfang Dezember eine Entsprechung mit Fahrten nach Venedig und Wien …

Leinwand Hochzeit.JPGLeinwand Hochzeit

„Pferdeschwänze – Hexentänze – Besenreiter – und so weiter  …“  – „Ich hör´s noch, als wär´s gestern gewesen“, meinte eine etwas über 40jährige in Erinnerung an ihre Schulzeit am Fadinger BRG. Jedes Jahr Anfang Dezember hat er seinen jüngsten Unterstuflern diesen „Krampussong im Telegrammstil“ aufsagen lassen als feine phonetische Übung im Zeitraffer. Man musste schnell  und deutlich sein, jeder Fehler wurde zu den Sekunden dazugezählt, die mit einer Stoppuhr festgehalten wurden. Zwischen 14 und 16 Sekunden war die Sollzeit für einen 1. Platz angesiedelt. Es war eine Sprechübung von vielen, ein Wettbewerb, der verteilt übers ganze Schuljahr stattfand. Die ersten Drei wurden meist am Zeugnistag mit einem goldenen, silbernen und bronzenen Notenstift und essbaren Brucknernoten ausgezeichnet. Die Besten erhielten die große Ausgabe dieser köstlichen Linzer Variante der Salzburger Mozartkugel. Davon unabhängig gabs das „Hubi-Spiel“, wenn vor Weihnachten oder zum Semesterschluss der Ratehubschrauber bestückt mit Fragen zu allen möglichen Fächern vom Fadinger Schulhof hinaus in alle Welt flog und man die Antworten dazu und seinen Aufenthaltsort erraten musste. Nicht von ungefähr bekam er von seinen MaturantInnen 011 einen kleinen, blauen Modell-Hubschrauber zum Schulschluss geschenkt …

Manfred Pilsz

Super Hubi 1.JPG        „Super Hubi“ im Adventkalender

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„OÖ im Film“ 017 (Ein Festival im 30. Jahr)

Festival-Eindrücke und Gedanken eines alteingesessenen Autors & „Jung-Jurors“  „Ist das nun schon der zweite Durchgang?“ Die Frage ließ den Angesprochenen kurz hochblicken und entlockte ihm ein schroffes: „Jo, oba da Hirscha is nu obn“, bevor er dann wieder in seine Leberknödelsuppe abtauchte. Auch die Stammtische rundum widmeten ihre Aufmerksamkeit nach der kurzen, ungewohnten Störung durch einen Fremden hier in ihrem „2. Wohnzimmer“ wieder der Mahlzeit und der sonntäglichen Wintersportübertragung am Fernsehschirm der Gaststube. Die Wirtin schickte beim Abräumen noch ein herzliches „Pfiat ihna“ nach, dann schloss sich die Tür des Beisls. Die köstliche, nunmehr schon traditionelle Milieustudie war damit beendet und ein wunderschön grauer November-Mittag im Linzer Franckviertel brach an. Hier im Zentrum der Wimhölzlstraße steht der Prachtbau der Wohnanlage in Form einer Halbellipse mit Vorplatz und Brunnen. Eckerker mit kleinen Türmchen und Fensterformen aller Art luden auch diesmal wieder zum Schauen und kurzen Verweilen ein, bevor sich ein gesprächsintensiver „Verdauungsspaziergang“ anschloss. Das alljährlich stattfindende Filmfestival „OÖ im Film“ hatte Autoren, Publikum und Jury auch heuer wieder im November an den Linzer Lonsdorfer Platz ins KUK gelockt.

DSCN0577Bereits nach wenigen Metern des Rundgangs war man beim Thema „Jurierung“ und den Nöten und Ängsten der Autoren angelangt. Da hat man an seinem neuesten Opus Wochen, ja Monate lang gearbeitet, dann wird es dunkel im Saal, hinten will einer im letzten Moment raus (ein ansich unfreundlicher Akt), ein Gegenstand fällt klirrend zu Boden, bereits jetzt stellt sich heraus, dass der Film zu leise eingespielt wird und warum ist die Titelschrift nicht hundertprozentig scharf – hat man etwa die falsche Kopie abgegeben? Das wär extrem schlimm, denn da fehlt ja auch das Fadeout beim Abspann – wenn das nur gut geht …

Warum schreibt sich der Juror außen links ständig etwas auf, der soll die Taschenlampe abdrehen und lieber auf die Leinwand schauen, sonst kennt er sich nicht aus und erzählt nachher beim Filmgespräch nur Blödsinn und beeinflusst seine Kollegen …     oder bedeutet das Geschreibsel gar, dass er sich schon jetzt festgelegt hat und einfach nur noch Fehler notiert? Können die den Ton nicht lauter schalten? – Freunde, das ist ein Musikfilm – Bilder zum Hören !!!

20170422_121003 Ausschnitt.jpgEin Jurymitglied das nicht schon selbst einmal als Autor dieses Prozedere einer Fremdbeurteilung über sich ergehen lassen „durfte“, wird vielleicht weniger sensibel an die Aufgabe heran gehen, als ein verletzlicher Filmemacher, der immer wieder bei Jurierungen hoffen darf, dass sein jüngstes „Kind“ erfolgreich und unbeschadet durch allzu harte Kritik über die Leinwand flimmert …   Rein geschmäcklerische Kritik, sowie eine durch mangelnde Allgemeinbildung eingeschränkte, subjektive und durch besondere Interessen speziell selektive Wahrnehmung von Jurierenden sind dabei die gefährlichsten Vertreter einer vermeidbaren, vermeintlichen „Gegenseite“.

 > si tacuisses philosophus mansisses < – wäre da zwar manchmal gut, aber kneifen gilt nicht, denn so wie sich der Autor der Jury ausliefert, so hat sich auch der Juror den Filmen zu stellen – egal ob dann Gold, Silber oder Bronze dabei herauskommt – begründen muss mans können – und dazu hat man die branchenüblichen, allgemein gültigen Bewertungskriterien zu kennen …  wie Regeln der Dramaturgie – sprich Handlungs-, Figuren- & Wirkungsanalyse, Bauformen (Kamera, Ton, Bildinszenierung), Montage …

Eine Jury sollte sich in jedem Fall als „Fach-Publikum“ verstehen. Am aller schlimmsten erscheint uns daher die Mitdenk- und Interpretationsverweigerung bzw. -unfähigkeit einer Jury zu sein, die dann als Selbstschutzmechanismus auch noch stolz und präpotent verbal hinaus posaunt wird – dies kommt einer zur Schau getragenen Unfähigkeitsdeklaration gleich und müsste zur sofortigen Abberufung der JurorInnen führen. Aussagen wie: „Ich kann mit dem Film inhaltlich nix anfangen“ oder „Da kennt sich keiner aus und ich kann (und will) daher diesen Film nicht bewerten“ sind in jedem Fall mit ROT zu ahnden – durch den Vorsitz bzw. die Veranstalter …

Eine JURY ist kein Gericht über, sondern im besten Sinne eine Anwaltschaft für Schaffende und ihre Werke – sicher aber nicht die letzte Instanz !

Sollte es nicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Menschen, die in einer Jury tätig werden, über die notwendigen fachlichen Kompetenzen verfügen, sich mit gebotener Empathie, Zurückhaltung & Wertschätzung in den Dienst der Sache stellen und dies letztendlich in angemessener Form analysieren sowie untermauert durch Argumente auch entsprechend verbalisieren können, ohne dabei den wichtigen Unterhaltungsaspekt im Sinne von intelligentem, also echtem Humor (natürlich im Sinne der Autoren) im Vortrag außer Acht zu lassen?!

Nicht alle der oben angeführten dafür notwendigen Parameter lassen sich durch eine im VÖFA zweifellos gute Jurorenaus- und -fortbildung antrainieren. Daher sollte man sich nicht scheuen, Fachleute aus dem Bildungs- & Medienbereich in die Verbandsjury da und dort einzuschleusen, sowie nach Möglichkeit auf eine Ziffernbenotung speziell im Vorfeld von Filmgesprächen zu verzichten. Der Hinweis, dass es ja ohnehin eine Zweitwertung geben würde, macht die Sache nicht besser, zumal von dieser viel zu selten Gebrauch gemacht wird. Meist werden die Erstwertungen durchgewunken, da man sich scheinbar durch Filmgespräche nicht schlauer machen oder gar korrigieren lassen möchte und eine Wertungsänderung, womöglich von „Anderen“ als Eingeständnis des eigenen Irrtums ausgelegt werden könnte.

                                                                Ein Plädoyer für Worte statt Noten                                                                      Usancen sind keine unverrückbaren Naturgesetze

20171112_175415.jpgLeider auch hier …

Die dem Jurygespräch, das man lieber als Diskussion innerhalb der Jury und als Dialog mit Autorenschaft & Publikum sehen würde, folgende „Benotung“ von 1 bis 4 oder etwa gar 5 erscheint mir obsolet und sollte  –wenn überhaupt-  wie im echten Leben der ganz großen Filmfestivals hinter verschlossenen Türen stattfinden – ohne Veröffentlichung von (oftmals sinnlos verletzenden) Teilergebnissen (1,2,2,4,5 bedeutet Silber – die deplazierten 4er & 5er könnte man so aber den Autoren ersparen) Man kann auch von Ziffern nichts lernen – aus Gesprächen sehr wohl und sei es nur, dass man innerhalb der Jury scheint´s überfordert war. Mehr Sonderpreise in Form von kostengünstigen, aber durchaus wertschätzenden Urkunden sollten angedacht werden (- Schluss mit den abwertenden „Diplomen“ & Teilnahmen …)

Wie kann überhaupt ein „Benotungssystem“ mit nur 3 wirklich „erwünschten“ Ziffern der Bewertung unterschiedlichster Genres und Umsetzungen wertschätzend gerecht werden? Pingelige „Beckmessereien“ in Form von Detailwertungen im Zehntel-Bereich verknüpft mit abstrusen Bewertungskriterien (teilw. bei den Eurofilmern) machen die Sache auch nicht besser. Man könnte einfach über Filme profund reden, ohne ein Taferl hochhalten zu müssen. Es lebe der offene Dialog zwischen den Juroren, mit Autoren & Publikum  – eben so eine richtige Festivaljury, wie bei der Löwen- und Bärenjagd am Lido oder an der Spree … bzw. auch bei MLA oder Youki

Wann wird man diesbezügl. „Erwachsen“ und  vergisst endlich die „Schulnoten“? – wie beim Festival der Nationen, wo man zwar öffentlich diskutiert, auf das Herzeigen von Benotungsziffern aber verzichtet und das finale Jurygespräch in aller Ruhe unter sich im Kreise von einschlägigen Fachleuten stattfindet, wie es auch bei großen Festivals wie Venedig, Cannes & CO üblich ist – „Hier gilt`s der Kunst“ (Zitat „Meistersinger“) …

Dieses „Erwachsenenprogramm“ sollte und kann man jeder Jury „zumuten“ und dann auch flächendeckend übernehmen (zumal ja auch oft die verbalen Jurorenbeiträge nicht mit deren vager Ziffern-„Benotung“ übereinstimmen – das könnte man allen Beteiligten somit ersparen)

Und überhaupt: „What shalls“ (- wie der „Anglo-Lateiner“ sagt) Sonderpreise und UNICA-Teilnahmen wurden bisher auch immer im stillen Kämmerchen ohne Beisein von Autoren & Publikum vergeben – Alles nur eine Frage der Gewohnheit …  Bemerkung am Rande: Warum probiert man bei UNICA-Nominierungen nicht häufiger mit sprachunabhängigen Musik- und artifiziellen Experimentalfilmen zu reüssieren (- für das höchste Gremium der UNICA-Jury sollte das doch kein Problem darstellen – oder?)

galeriebild.jpgImmer wieder im Rampenlicht – speziell auch bei Preisverleihungen: Das Medien-GymDSCN1435

OÖ im Filmwar und ist ein notwendiges und dankbares Experimentierfeld jenseits der Tretminen von Klubvorgaben und Paragraphen das mehr als beispielgebend sein könnte. Danke an Konsulent Erich Riess, der seit nunmehr 30 Jahren dem Festival „OÖ im Film“ vorsteht und dieses überhaupt erst möglich macht. Nicht zu vergessen seine Verdienste um dasFestival der Nationenin Ebensee, das nunmehr ins Programmkino Lenzing übersiedelt ist und nicht nur über eine Profi-Jury ohne Ziffern als Haltegriffe für die Wertung verfügt, sondern auch bei den Einreichungen aus der ganzen Welt vornehmlich von Filmhochschulen und dem Profilager beschickt wird. Erfreulich da wie dort die eingerichtete Jugendschiene und eher hinterfragenswert, die in Lenzing mittlerweile leider dünn vertretene „Amateurliga“. BeiOÖ im Filmist es diametral umgekehrt und fein säuberlich getrennt, wobei auch hier in allen 3 Kategorien Filme auf höchstem Niveau dargeboten werden. Betreffend Dachverband Dank auch an Präsident Peter Glatzl der den VÖFA modernisiert, Neuerungen aufgeschlossen geöffnet und mit eigenen Ideen bereits viel bewegt hat.

OÖ im Film im Radio FRO Studio.JPG Hier gehts zur FROhen Radio-Sendung

Wenn in Lenzing die Profis groß aufgeigen sollte das nicht abschrecken, sondern viel eher anspornen – dabei gewesen sein zu dürfen ist nicht nur ein olympisches Prinzip, sondern hat in der Geschichte des Schülerfilmprogrammkinos schon bei den Österreichischen Filmtagen im Wels der 80er Jahre seine beflügelnde Gültigkeit besessen. Apropos Jugend- & Schulfilm: Das Thema Jugend ist wie in allen Kulturvereinigungen nicht so verkrampft zu sehen: Bei diversen Bewerben werden die „Digital-Nativs“ verlässlich technisch federführend auftauchen, im Klubleben hingegen wird man die „Vereinsjugend“ eher im Bereich zwischen 55 und 65 verorten müssen, aber das ist bei einem Bruckner oder Wagner-Verein auch nicht viel anders … (- junge „StipendiatInnen“ werden später vielleicht Mitglieder)

Der Verband der Österreichischen Filmautoren stellt mit seinem dichten Klubleben und seinen Bewerben & Veranstaltungen eine wichtige, vielfältige Plattform dar, ohne die die aktiven, begeisterten Filmemacher weder genug Präsentationsflächen noch Fortbildungs- sowie Austauschmöglichkeiten vorfinden würden. Dazu die Vernetzung zu internationalen Vereinigungen, Institutionen und Bewerben wie der UNICA, den Eurofilmern usw. …

Manfred Pilsz

Einer der Siegerfilme 017

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NACHTRAG 019  u. a. zum Thema OÖ IM FILM:ph tv 1b.jpgEine Sendung auf dorfTV im Rahmen des Segments der Pädagogischen Hochschule:  „Linzer Filmklub AFL  –  Impulsgeber,Medienplattform und Bindeglied zum kulturellen Umfeld“   —>  https://www.dorftv.at/video/32159

ALLERSEELEN – „Wie einst im Mai“

1oben Unbenannt2.JPG1unten Unbenannt 21a.JPG

Ein lauter werdendes Rascheln löst das ferne, heisere Krächzen von Krähen und Raben ab. Im fahlen Licht Schritte, die das dichte, welke Laub teilen, das den Weg dem suchenden Blick meist nur kurz preisgibt. Ringsum klingt alles fast so wie in Watte gepackt, ganz ähnlich wie an einem Hochwintermorgen hier auf der Gugl, wenn dicke, frische Schneebauschen im Park mitten in der Stadt für Dämpfung, ja eisige Stille sorgen. An der Kuppe angekommen zeichnet sich unten im Nebel dunkel leuchtend das Kardinalsrot eines einsamen Blutahornbaums am Boden rund um den Stamm und nur noch recht schütter im Geäst seiner Krone ab. Aus dem sonst eher falben, bräunlichen Laubteppich flammen einzelne, knallgelbe, frische Blätter auf, die auch auf der glatten Oberfläche eines schmalen Bachs in unterschiedlichsten Formen treiben. Ein heftiges Rauschen hebt an, als der wilde Novemberwind in den Mischwald fährt und jede Menge an Nachschub vom Himmel segeln lässt. Inmitten des dunklen Nadelgehölzes ein kalter, bemooster Steintisch …

2A Unbenannt 5.JPGStell auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei,
Und lass uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai
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2B Unbenannt1.JPG3B DSCN0134.JPG

„Der November ist der Mai des Herbstes“ 

Gedanken und Rückblenden zum sonst eher ungeliebten Frühling, dem Vorboten des meist unerträglichen Sommers kommen plötzlich auf, ausgelöst durch die feinen Steinstatuetten eines Liebespaars: Ausgebreitete Arme eines jungen Mädchens im Dirndlkleid zwischen hohen französischen Hecken – Bilder aus längst vergangenen Tagen werden kurz wieder wach, um bereits im nächsten Moment sich wieder im angenehm unaufgeregten Herbst aufzulösen und abzudunkeln. Auf einem massiven, felsenartigen Grabstein zeichnet sich der feingliedrige Schatten einer Frauenhand.

4A Unbenannt 11b.JPG4B Unbenannt 15.JPG
Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke
Und wenn man’s sieht, mir ist es einerlei,
Gib mir nur einen deiner süßen Blicke,
Wie einst im Mai.

Im Mai 1864 verstarb der Dichter dieser Zeilen Hermann von Gilm in Linz, wohin er zehn Jahre zuvor gezogen war. Am 1. November 1812 in Tirol geboren war Gilm hier an der Donau als Leiter des Präsidialbüros tätig, „unerhört“ verliebt, aber nur kurz verheiratet.

Hier unsere Visualisierung:

5A 2017-05-30 15.20.32.jpg5B 6bf.jpgRichard Strauss Villa & Institut in Garmisch 2017

Am 31. Oktober 1885 hat uns der damals junge 21jährige Komponist Richard Strauss die Musik zu Gilms Text geschenkt. Ob der Sänger die Rolle des Trauernden oder des Toten einnimmt bleibt ebenso offen, wie das Verhältnis der beiden zueinander. In unserem Film „Wie einst im Mai“ steht eine junge Frau am Allerseelentag vor einem Grab in einem Waldfriedhof. Es entsteht ein Stimmungsbild bei dem sich die Handlung selbst auf einen inneren Dialog beschränkt, der aus realen, herbstlichen Sequenzen und rein gedanklich emotionalen Rückblenden besteht. Ob der singende Betrauerte nun der tote Liebste, ein Freund, der Bruder, Vater oder gar ein verehrter Fremder ist, dem die Worte in den Mund gelegt werden – wir können es nur vermuten, es uns aussuchen, oder der Stimmung folgend: Dem tönenden Schall lauschen …

6 Unbenannt 12a.JPG
Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist ja den Toten frei,
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai

  „Allerseelen“ – Konzertaufnahme mit dem BLOG-Autor als Sänger (80er Jahre)

7A 2017-05-30 15.18.13.jpg7B 2017-05-30 15.28.48Im Frühjahr 018 wird unsere neue R. Strauss-Visualisierung „Wie einst im Mai“ im Rahmen der VÖFA präsentiert. Die Verfilmung eines weiteren Lieds von Richard STRAUSS ist derzeit in Planung …

Manfred Pilsz

                                            Im obigen Beitrag Bilder zum und aus unserem neuen Film …                                                                               Hier im Anhang noch ein Beispiel für das Opernschaffen von Strauss: „SALOME“
Hinweis nur für „Digital Naives“: Worte dieser Farbgebung verstecken Infos, Bilder …, die durch einen linken „Maus-Klick“  aktiviert werden können !

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Eurofilmer- & VÖFA-Plakette

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Radio-Sendungen rund um „Allerseelen„: >>>November/Herbstgedanken“ sowie „Gespräch um letzte Dinge <<<

Gewidmet: Rosa Pilsz und Hans Schoiswohl (5. 8. 1954)

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Der November ist der Mai des Herbstes – Beide Monate beginnen mit einem Feiertag. Im November folgt da dann Allerseelen. Beim gleichnamigen Kunstlied von R. Strauss findet sich der Bezug zum Wonnemonat im Text von H. v. Gilm wieder:

Ein Tag im Jahre ist ja den Toten frei,
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai

Der „Nebelmond“ hat nach dem Morgendunst warme Sonnenphasen an vereinzelten Nachmittagen zu bieten, bevor er in den winterlichen Dezember hinüberdämmert. So, wie der Mai noch mit April-Tagen und Nachtkühle aufwarten kann, bevor sich der Juni pünktlich gnadenlos zur Sonnenwende mit der ersten Hitzewelle einstellt. Im Dezember hingegen bleibt es zwischen Nikolaus bis knapp vor Weihnachten seit Jahren bloß bei der Andeutung einer weißen Decke: Ein paar Flocken, die zur Wintersonnenwende bis zum Fest alle wieder zerflossen sind – „Tauet Himmel den Gerechten„?

HALLOWEEN

Nach der wie üblich heißen Sommerdepression war er nun in seinem Herbst-Highlife voll angekommen. Wenn die Donau morgendlich dampft und genüsslich in dicken Wattewölkchen im Flussbett vor sich hin gurgelt, wenn das Mühl4tel in „Indian Summer -Farben“ erstrahlt und die Gastgärten am Nachmittag ohne Sonnenschirme auskommen, meist abendlich mit Wärmeschwammerln und/oder -decken ausgestattet werden, dann ist endlich wieder seine Zeit gekommen.

Jetzt aber empfängt ihn ein eiskalter Windstoss, als hinter ihm die Autotür schwer ins Schloss fällt. Nur noch das Geräusch der Verriegelung, dann wird es still. Im Eck des Schulhofs sieht es so echt verlassen aus, obwohl in einiger Entfernung vereinzelte Fahrzeuge parken. Eine für diesen Ort ungewöhnliche Ruhe, als würde das ganze Haus an einer Schularbeit laborieren. Herbstferien? (– so erfreulich wie 2012) Alle Fenster sind dicht verriegelt. Dafür sorgen wohl die plötzlich aufgetretenen Minusgrade. Jacke zu und den extra langen Schal vor den Mund denkt er. Doch seit kurzer Zeit gilt ja ein allgemeines Vermummungsverbot. Sein Hausarzt urlaubt gerade wieder mal auf einer spanischen Insel. Mit einer ärztlichen Verschreibung wäre ein Wollschal bei dieser Temperatur machbar, aber ohne Fachexpertise … Lachend beschließt er es zu riskieren, denn die aktuelle Grippeimpfung ist noch ausständig und zur Not gibt es unter seinen Exschülern genug Ärzte, die ihn im Nachhinein noch exkulpieren würden. Die Stadt versinkt in einer dicken Nebelsuppe, fehlen nur noch erste fette Schneeflocken und ein wenig Hausbrandgeruch (olfaktorische Kindheitserinnerung der noch frühen 60er in Urfahr) zum vollkommenen Spätherbstglück, wenn nicht die bittere Kälte wär. Selbst dem extrabreiten Schal gelingt es nicht das Gesicht eisfrei zu halten. Aber was solls, nicht jammern während die werktätige Bevölkerung der Arbeit nachgeht, darf der selige Pensionist gemütlich in die Stadt flanieren, wenngleich es heute nicht wie sonst üblich ins Cafe geht. Vor wenigen Tagen saß er noch bei Schokokuchen und einer Melange im „Brückl“ als er wie früher in seiner „Aktivzeit“ zummedia literacy awardfuhr, einem Jugendmedienfestival (vergleichbar mit der YOUKI Ende November) der ersten Sahne, das alljährlich kurz vor der Viennale im Wiener Dschungel über die Bühne geht – „Vienna calling“ – da war er im vollen Leben: „Hallo Wien“ … ganz anders heute zu Halloween …

Neben dem Zebrastreifen keine ungeduldig wartenden Autos, geschweige denn auf ihm entgegenkommendes Fußvolk. Es ist verdammt dunkel, als er über den kurzen Trampelpfad den „Roten Platz“ erreicht. Eben hatte er noch das Gefühl, dass er von hinten Gesellschaft bekäme, doch da ist nichts. Keine Menschenseele verirrt sich an diesem frühen Vormittag in die Innenstadt. Gibt’s soviel Evangelische, die heute frei haben und lieber daheim bleiben bei dem Wetter?

Bühnenbild Marke "Ingo"

Und dann ein gespenstischer Anblick: Auf einem übrig gebliebenen Gastgartentisch thront ein überdimensional großer Kürbisschädel. Der geschnitzte Mund und die geschlitzten Augen flackern unruhig, obwohl hier zwischen den Häusern kaum ein Windhauch spürbar ist. Als er die unheimliche Stätte quert, vermeint er hinter sich wieder Geräusche zu hören. Während er unter tags speziell von kleinen Kindern, die aufgeregt an Mutters Mantel zupfen in den Monaten vor Weihnachten als Nikolaus oder Weihnachtsmann wahrgenommen wird, wechseln normalerweise wenn er nächtens nach hause geht in den nicht ganz so hellen Gassen Leute eher ängstlich die Straßenseite. Die die es nicht tun, denen würde er jetzt eher lieber nicht begegnen. Mit etwas rascherem Schritt nähert er sich diagonal der Gasse die ihn zu seinem Ziel bringen sollte. Am anderen Ende des düsteren Zubringers gleitet in großer Entfernung im angemessenen Schritttempo ein erleuchteter Straßenbahnzug vorüber. Dann übernimmt wieder eine alte Straßenlaterne in deren zum Rand hin schwächer werdendem Lichtkreis sich die Umrisse einer einsamen Bank abzeichnen. An sich ein vertrauter Platz, den er mindestens einmal zu Monatsbeginn aufsucht. Meist nützt er sein dortiges Verweilen zu einem informativen Gespräch, ohne ungesunder Hektik. Ein gemütlicher Ort der Ruhe. Doch heute: Schon wieder diese Geräusche, oder ist es Musik? Ja, es könnte eine Spieluhr sein. Dunkle Filmbilder steigen in ihm hoch. Er will sich nicht umdrehen, doch vielleicht kommt es ja von der Bank her. Kurz stockt er, als er einer Gestalt gewahr wird die neben der Bank aus dem Dunkel auftaucht: Eine spitze, rote Kapuze und irgend etwas blitzt darunter auf – eine Figur wie in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“?

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Oder ist es gar einer dieser idiotischen Horrorclowns? Die Musik wird überfallsartig laut, die automatische Türe der Bank hatte sich geöffnet und er taucht ein in den Weltspartag. Der Pappendeckel-Sparefroh diese traurige Erscheinung neben dem Eingang muss draußen bleiben und bei faktisch Null Prozent Zinsen (bestenfalls angesiedelt im inflationären Promille-Bereich) wird wohl auch die Euro-Maja „Sumsi“ dem Bienensterben  & das Sparschwein der Pest anheim gefallen sein – Ebenso ex wie die horriblen Geschenke für anleihen- und anderweitig risikoresistente „Draufzahler“. Der „Weltspartag“: Leider nur eine „Nullnummer“ trotz angeblich prosperierender Wirtschaftszahlen ! In Kinderzeiten war das noch ganz anders: Mit wenig in der Sparbüchse war man hin gegangen und mit einem Sack voller Geschenke wieder nach Hause gekommen. Zuvor hatte man bereits beim „Schulsparen“ abgeräumt …

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Josef Hader (ganz kurz „Privat“)

Früher in weltwirtschaftskrisenfreien Erntedank-Zeiten traf man sich allherbstlich im Palais des Kaufmännischen Vereins Ende Oktober & besuchte die:

Maturabälle des Fadinger Gyms …

umzug 2.JPG24-07-2014 17;01;2928-07-2014-12510128-07-2014-12523426-03-2018 20;07;02c29-11-2019 17;03;47Nach Urfahranermarkt und Oktoberfeststimmung wurde nach dem Dirndl und der Lederhose nun das „Kleine Schwarze“ ausgepackt, alle Freunde jenseits der eigenen Klassen und die angenehmsten oder unvermeidlichen Verwandten informiert, dass der tollste, ultimative Maturaball der heurigen Saison ins Haus steht. Und so war es auch ! Nachdem man sich Mitte der 80er entschlossen hatte das defizitäre Tanzfest des Fadinger Gyms mittels eines fixen Balldirektoriums aus der alljährlich wiederkehrenden Ahnungslosigkeit und den daraus resultierenden „Roten Zahlen“ zu holen, ging es steil bergauf: Befreit vom Fasching und der übermächtigen Konkurrenz der BORG- und HTL-Bälle konsolidierte sich die Geschichte nach nur zwei Jahren und war ab den 90ern ein Magnet unter den damals ganz frischen Herbstbällen – und nicht genug damit: Immer die „1.“ unter diesen Veranstaltungen, was den Vorteil hatte ein unübersehbarer Fixpunkt zu sein und administrativ konnte man den Ball im Schulgeschehen mit 1. November abhaken – die Sache war erledigt …  Nachteil für die Macher: Man hatte wenig Zeit für Vorbereitung, Werbung und Proben, aber das konnte ja dem Schulbetrieb egal sein. Eine Woche davor war allerdings ALLES auf den Ball fokussiert: Hauptproben, kostümierte Werbeumzüge in der Stadt, Proben vor Ort mit aufwändigster Ausstattung unseres Bühnenmeisters & Lightdesigners Ingo, Frau OStR. „Eh“ organisierte, während die Cabaret/Filmcrew performte … Endergebnis: Bis zu 1600 Fans, die die edle Feststiege in kürzester Zeit in eine rutschige Bierschwemme verwandelten. Wegen des Massenandrangs drohte die Polizei regelmäßig den Eingang dicht zu machen bzw. mit „Ausweisungen“ zu beginnen. Unser Herbstball war zum MUSS geworden …

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So auch 1993: Das Plakat und das Motto hatten Unmut bei traditionsbewussten Lehrpersonen erregt, was allerdings nichts daran änderte, dass nun allein im Großen Saal über 1000 Leute im Karree stehen, um ja nicht die berühmte 10 Uhr-Einlage der Fadis zu versäumen. Auch bei den dann folgenden Bällen sollte es nicht anders sein: Vorauseilende Empörung, Wagnis und Erfolg sind Geschwister – Beim Motto „Frucade oder Eierlikör“ war der „gefürchtete“ Hermes Phettberg als Ehrengast angekündigt – dem Elternverein platzte der Kragen und das Palais aus allen Nähten –dabei handelte es sich beim ach so schlimmen Hermes doch nur um den Star der eigenen Crew. Die PR hatte jedenfalls funktioniert & die Bude war übervoll …

Egal: 93 war der Rest des Veranstaltungshauses wie leergefegt und fast dunkel, als im großen Hauptsaal das Licht verlosch. Spitze Schreie zerrissen die Luft, als das 20 bis 30minütige Dauerfeuer der Show mit zischenden Nebelschwaden und dem Trauermarsch aus Clockwork Orange abhob …

Blitze durchzucken den Saal, mittig wird ein Sarg sichtbar. Ein kleines Mädel sucht den rettenden Ausgang während „Black Sabbath“ akustisch übernimmt und die Stimmung des Ungewissen anheizt: „What ist this that stands before me?“

Ein greller Blitz donnert durch den Saal – Der Deckel des Sargs springt auf und kracht auf den Tanzboden. Langsam erhebt sich ein skurril geschminkter Manfred R. aus dem Behältnis und Alex B. als Riff Raff (Stars der letzten Generation des Fadi-Cabarets) leitet über zum „Time warp“ aus der „Rocky Horror Show“ – neben „Cabaret“ die häufigst verwendete Musik bei den Produktionen des Hauses ( „Fadi Horror Show“, „Das Phantom mit dem Koffer“ … )

Manfred Pilsz

Samhain      Halloween (Bälle)     Dia de Muertos

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Anfang November gab’s alljährlich: OÖ im Film https://cba.fro.at/457531

Durch die Nacht zu dir …

2012er Ball – Werbung einmal anders …

„DIGITAL ALICE“ IM VIRTUELLEN KANINCHENLOCH

Plötzlich wurde es rundum still: Die Vögel hörten auf zu singen, mit schier rasender Geschwindigkeit verfinsterte sich der Himmel und es kam eine unwirkliche, unheimliche Stimmung auf, die von einem kühlenden, unerklärlich plötzlich auftretenden Wind begleitet war, der jede Menge Staub aufwirbelte, aber leider nicht die störenden Wolken vertrieb … Stimmung – wie beim Farinelli-Finale

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So erlebten wir am 11. August 1999 bei unserem ProjektSonnenspurendie Linzer SOFI (Sonnenfinsternis) am Mediendeck des Offenen Kulturhauses (OK). Zehn Jahre später vermeldeten wir dort Drehschluss für unser Alice-Videoprojekt – hier, wo auch die Premierenabende für die Filmcrews unserer meisten Musikvisualisierungen über die Bühne gingen, hier hatten wir die Wohnung unserer Alice eingerichtet, hier hat sie ihren Laptop aufgeklappt um so durch dieses virtuelle Kaninchenloch in die digitale „Wunderwelt“ zu gelangen bzw. von dieser auf Gedeih und Verderben verschluckt zu werden …

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ALICE WOHNTE SCHON WÄHREND LINZ09 IM OK-MEDIENDECK

Ein Projekt des Linzer Mediengyms Fadingerstraße im Zeitrahmen von 09

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Eine junge Frau spielt in einer modernen Dachwohnung am Laptop erfolgreich und begeistert das PC- Game ALICE. Die Handlung des Spiels ist eine Fortsetzung von Lewis Carrolls Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln: Alice hat bei einem Brand des Elternhauses beide Elternteile verloren. Weil sie sich die Schuld am Tod der Eltern gibt, zieht sie sich vollkommen in sich selbst zurück und lebt nun in einer Irrenanstalt. Dort ereilt sie der Hilferuf aus dem Wunderland. Bedingt durch ihren geistigen Zustand ist das Wunderland, welches im Prinzip nur in Alice‘ Fantasie existiert, zu einem bedrohlichen und dunklen Ort geworden, in dem die Herzkönigin ein grausames Terrorregime errichtet hat. Um sich selbst und das Wunderland zu retten, muss Alice zu Waffen greifen und die Herzkönigin besiegen. Ein verlustreicher Kampf gegen das eigene Ich, wie sich herausstellt …

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Diesen Kampf gegen das eigene Ich durchlebt auch unsere junge Studentin, die das Spiel vor allem aus zwei Gründen liebt: Erstens, weil ihr eigener Name ALICE lautet und zweitens, weil sie seit Kindestagen mit der Geschichte vom Wunderland und alle Bewohnern vertraut ist. Während es ihr auch diesmal anfänglich mit Hilfe der Grinsekatze gelingt die Herzkönigin zu überlisten und damit den nächst höheren Level zu erreichen, kann ihr nach der Verwirrung im Spiegelland auch der weiße Hase nicht mehr helfen und so ist sie der Teegesellschaft, Mad Hatters Tücke und dem Blutdurst der Herzkönigin bis zum letzten entscheidenden Schachzug hilflos ausgeliefert. Unmerklich wird sie als Person immer mehr eins mit der Computerwelt bis sie zur Gefangenen und schließlich Opfer des eigenen Spiels wird.

In Rahmen der Sendung EinBlick (315) der Medienwerkstatt Linz ist unsere Alice zum Auftakt der OK-Ausstellung Sinnesrauschim TV und jederzeit im Internet zu sehen:

YOUTUBE

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Bereits im Entstehungsjahr 09 durften wir uns über Erfolge der Visualisierung ALICE bei Wettbewerben im In- und Ausland freuen.

Unseres Hauskomponist Prof. Dr. Helmut Rogl (Fadinger Absolvent) und Wim van Zutphen (mit dem wir schon das John Cage-Projekt gemacht hatten) steuerten die Musik bei und in Wechselwirkung entstand eine Bilderwelt, die nicht nur jede Menge Preise einbrachte, sondern auch der „Aufhänger“ unserer Videoinstallation im Rahmen der Ausstellung Augenmusik während des Linz09-Brucknerfests war und im Foyer während der Pausen in der Konzerthalle an der Donau jede Menge Publikum hatte (wie schon 6 Jahre davor bei unserem Phil Glass-VideoDie 5. Dimension“)  …

Manfred Pilsz

Radio FRECH zur Alice-Ausstellung im OK

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ALLES LEINWAND ?

Ein großer schwarzer Hund streicht ums Auto. Zur Sicherheit ruf ich Mag. G. Kügler an, ob es sich um sein friedfertiges Monster handelt und dieses heute bereits ausführlich und gut gefrühstückt hat. Telefonisch beruhigt verließ ich daraufhin vorsichtig meine schwarz/gelbe Cinquecento-Hummel und wurde alsdann lautstark vom Auto bis ins Innere des Hauses verbellt. Erst als sich „Axels“ Gebieter – eine stadtbekannte Stummfilmfigur * im Türrahmen zeigte und er „His Masters Voice“ vernahm, beruhigte sich das gewaltige Schoßhündchen des Linzer Nostalgiekinos – einer Enklave der Ruhe, Beschaulichkeit, einer versunken geglaubten cineastischen Kultur am Donauufer neben dem „Römerbergtunnel“ (Elmira-Stollen) -eingebettet zwischen zwei Laufhäusern …

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Im Cafe des Cinematographen, wo ich dereinst meinen 40ermit Kulinarik, Kino und Kabarett standesgemäß feierte, holte ich nun den physiognomisch in der direkten Verwandtschaft Charly Chaplins angesiedelten Cinemato-Grafen * vors Radio-Mikro.

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Hier die Radiosendung zum Thema: Film, Kino und anderes (2. Beitrag nach 30 Min)

Dabei war nicht nur die legendäre Vorführgerätschaft des Hauses ein Thema, sondern auch die Besonderheit der Filmbeschaffung des Repertoires von 1895 bis in die 1960er in filmmusealen Einrichtungen, sowie der aktuelle Eröffnungsfilm „Traumstadt“ von Johannes Schaaf in der ersten Novemberhälfte 017 (- von mir schon angeregt im Frühjahr anlässlich des Kubin-Schwerpunkt der Landeskultur /Oper, Ausstellung …)  Und es schloss mit einem Exkurs in die Linzer Filmgeschichte, den wir demnächst im Radio FRO-Studio in voller Breite fortsetzen wollen. Dabei werden wir uns über die Anfänge der Wanderkinos, das zuständige „Vagabunden-Gesetz“, die „Anstandslampe“ und den späteren Einfluss von TV, Internet und des Digitalen auf die Kinolandschaft unterhalten. Auch die lokale Historie soll dabei eine Rolle spielen: Ausgehend von Doku- und Schulfilmen (Urania) im Festsaal der Fadingerschule, der als Kino, ja sogar als Kirchenraum und Ort für Konzerte Verwendung fand, machen wir uns dann auf die Suche nach edlen Kinopalästen, die Logentheatern ähneln, werden dabei allerdings in OÖ. nur im Welser Stadttheater Greif (Österreichische Filmtage) fündig, wo man im benachbarten Medienkulturhaus (MKH) auf dasKaiserpanoramastößt – eine Frühform des späteren Kinos.

Die Geschichte von Kino und Film beginnt in Linz schon am 1. September 1896, als im Rahmen eines Programms in „Roithner’s Varieté“ erstmals in Oberösterreich ein Filmprogramm gezeigt wurde. Bis zur nächsten Vorführung eines Films verging ein halbes Jahr, als im „Hotel zum Goldenen Schiff“ an der Hauptgeschäftsstraße, der Landstraße, für einige Tage das Wanderkino von Johann Bläser gastierte. Zur Eröffnung des ersten ortsfesten Kinos mit regelmäßigem Programm kam es jedoch erst Ende des Jahres 1908. Damals eröffnete Karl Lifka sein „Lifka’s Grand Théâtre électrique“ in jenem Gebäude, in dem bereits die erste Filmvorführung der Stadt stattgefunden hatte, in „Roithner’s Varieté“. Als der Wanderkinobesitzer Johann Bläser in Linz sesshaft wurde, kaufte er das Hotel Schiff, in dem er bereits in den Jahren zuvor hin und wieder Vorführungen gab, und richtete darin ein weiteres festes Kino ein – das „Bio-Kinematograph“, später: „Bläsers Zentral-Kinematograph“.

Das dritte, ortsfeste Kino der Stadt wurde um 1910 vom Varietébetreiber Karl Roithner als „Kino Kolosseum“ gegründet. Erster Standort war die ehemalige Volksfesthalle am Hessenplatz. Nur vier Jahre später musste das Kino jedoch wieder schließen, da das Militär das Gebäude zur Kaserne umfunktionierte. Nach Kriegsende, 1919, erhielt Roithner das Gebäude wieder zurück und richtete wieder sein Kino darin ein. 1928 folgte der erste Umzug. Das „Kolosseum Kino“ zog in die Mozartstraße. 1936 folgte der nächste Umzug an seinen endgültigen Standort am Schillerplatz. Dort wurde das Kino mit vier Sälen bis zur Jahrtausendwende weiterbetrieben. Das „Lifka“, schloss bereits in den 1980er-Jahren. Das zweitälteste Kino, „Bläsers Zentral-Kinematograph“, konnte hingegen sogar die 96 Jahre des Kolosseums noch überbieten. Als „Central Kino“ wurde dieses letzte Kommerzkino unter den drei verbliebenen Innenstadtspielsätten bis zum 28. November 2006, als die finale Vorstellung stattfand, weiterbetrieben. Das Kino schloss nach 97 Jahren fast durchgehenden Betriebes, nur drei Jahre vor seinem hundertjährigen Jubiläum, aufgrund zu geringer Auslastung, bedingt durch die Blogbuster- und Entertainmentcenter Cineplexx und Megaplex am Stadtrand.   (Wiki-Kurztext)

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Zu den besten Kinozeiten in den 50er Jahren gab es in Linz bis zu 14 Lichtspielstätten: Allein in Urfahr konnte man nach dem „Kirchgang“ in der Friedenskirche einen Märchenfilm oder älteren Streifen im Austria Kino (früher „Raimund“) oder Aktuelles im Klangfilm-Theater Rudolfstraße ansehen. In den Außenbezirken gabs das Johann-Strauß-Kino am Bindermichl, das Universum-Kino in Linz-Untergaumberg, die Lichtspiele Neue Heimat und das Froschberg-Kino. In der Innenstadt ging man ins Zentral, ins Kolosseum am Schillerplatz, das Exzelsior- und Kolping-Kino in der Langgasse, ins Lifka-Lichtspiel-Theater – Steingasse 10,  in die Phoenix Lichtspiele draußen in der Wiener Straße (heute Theater), ins Apollo (jetzt Maestro), ins Eisenhand (seit Jahren wechselnder Theaterstandort) in dem sich erst Dick und Doof trafen, die später dort von Erotikstreifen verdrängt wurden, oder schnell mal zwischendurch auf einen Mokka und eine Brise News verpackt in derAustria Wochenschauzwischen zwei Kurzfilmen auf einem alten Holzklappsessel im „Ohne Pause“ in der Mozartstraße oder an der Landstraße (heute Mc Donald) – hier durfte man später kurz vorm Zusperren auch die ersten Artfilme genießen: Mahlers „Kindertotenlieder“ von Titus Leber oder „Lisztomania“ von Ken Russell. Aus letzterem erwuchs „Das andere Kino“ im Generali-Gebäude in dem ich „Anima“ (nominiert für die Goldene Palme) von Titus Leber und ihn selbst erleben durfte. Wenig später (1990) folgte das Programmkino „Moviemento“, das seither gemeinsam mit dem „City“ am Graben das verbliebene cineastische Bollwerk im Stadtkern darstellt. Aus ihm schält sich einmal im Jahr (April) das Festival Crossing Europe – doch dem Imperium von Mag. Wolfgang Steininger inkl. Freistadt (Kabarett/Heimatfilmfestival) möchte ich mich andernorts ausführlich widmen …

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Abschließend erneuere ich meine Forderung, die ich schon vor einigen Jahren im Landeskulturbeirat OÖ stellte:

Das Kinosterben hat in der Kulturhauptstadt mit dem Exodus des „Zentral“ den Zenit erreicht. Von der derzeitige Kinosituation in Linz besonders betroffen: Die  speziell immer wieder benachteiligte Gruppe der Kinder/Jugendlichen zwischen 10 und 14, die Cine- & Megaplexe alleine noch nicht in Anspruch nehmen kann oder darf … Die noch nicht mobilen Kinder, „NMS-„- und UnterstufenschülerInnen finden in der Linzer Innenstadt derzeit zwar anspruchsvolles Programm -, nicht aber ein sogenanntes Mainstreamkino vor, das diesbezüglichen Bedürfnissen dieser Altersgruppe gerecht wird.

Manfred Pilsz

> Kino der Zukunft < (Diskussion im Rahmen der ARS / Radio)

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Kurz vor den „Iden des Oktobers“

Gedanken zum OÖN-Beitrag der Medienpsychologin Martina Mara unter dem Titel „Was man im Wahlkampf auch mal fragen könnte“ …    (Schöne, neue Welt / OÖN)

Dr. Martina Mara hat mit ihren Gedanken zum Wahlkampf schon recht, wenn sie hinterfragt, warum das vordringliche Thema „Digitalisierung & Arbeitswelt“ so kurz vor dem 15. Oktober nicht zwingend von den Medien in den Wahlkonfrontationen und Interviews mit den Kandidaten abgehandelt wird. Warum lassen sich einige doch weitblickende Unverzagte dieser Profession mit Bagatellisierungsformeln abspeisen wie: „Die Digitalisierung wird in erster Linie nicht Arbeitsplätze kosten, sondern viele neue bringen“, wenn wir doch seit Jahren durch Studien wissen, dass wahrscheinlich etwa die Hälfte aller heutigen Arbeitsplätze in der westlichen Welt schon 2030 nicht mehr existieren werden.

Wo bleiben die insistierenden „Nachhakfragen“ – Wir benötigen Antworten statt Worthülsen. Statt dessen wird das so geartete, zukünftige Szenario, das noch dazu ausgehend vom „Status Quo“ dem Wahlvolk schwer zu erklären ist, eher umschifft, zumal wenn man weiß (oder auch nicht), dass man eigentlich schon vor Jahren hätten beginnen müssen sich damit vordringlich zu beschäftigen, wenn das „Unvermeidliche“ sanft & „smart“ über die Bühne gehen soll. Der deutsche Philosoph Richard David Precht bringt unsere aktuellen Situation auf den Punkt: „Also was wir im Augenblick machen, ist, wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“

Es muss aber nicht zwanghaft die Titanic sein, man kann auch mit der „Santa Maria“ eines Kolumbus in diese „Neue Welt“ aufbrechen. Aber irgend jemand muss es tun: Großkonzerne endlich in die Verantwortung nehmen, das dann notwendige Grundeinkommen einführen, die noch vorhandene menschliche Arbeit speziell auch im Pflegebereich und Bildungswesen (Tablets sind sicher dann schon wieder Geschichte) ermöglichen. Wer bereitet die Menschen behutsam (also evolutionär) auf die Umwälzungen und ihre neue Lebenssituation vor? Wer vermittelt ihnen die neuen Paradigmen? Wer sorgt für notwendige Wertschätzung, Zufriedenheit und neuen Lebenssinn?

Noch glaubt man in manchen Führungsebene und akademischen Berufen man selbst wäre von der Roboterisierung usw. nicht betroffen. Noch glaubt man an Vollbeschäftigung ohne Arbeitszeitverkürzung, weil wir uns noch gerade in der Übergangsphase befinden. Noch glaubt man durch akademische „Ausbildung“ (statt Bildung) für Alle die Lösung gefunden zu haben, während in medialer Verborgenheit heftig schwelende Jungakademikerarbeitslosigkeit der Generation Praktikum kaum mehr unter der Decke zu halten ist. Schlecht bezahlte Mini- und unsichere Kurzzeitshops, die einen späteren „Pensionsfreien Raum“ eröffnen, täuschen darüber geschickt hinweg  –  „Armutsgefährdung auf höchstem Niveau“ …

Alles kaum noch (oder bewusst nicht) von der allg. Statistik erfasst. Ganz zu schweigen von der Flucht in die Selbstständigkeit – oft getarnt als wackelige „Start up“- Konstruktionen – verglühende Feuerwerksraketen – ungesicherte Netzarbeiter – jenseits des sozialen Netzes und fern ab einer nur zu gern „Veröffentlichten Meinung“

Wir sollten uns jetzt getrauen quer durch, oder fern von allen Parteien, Listen, Bewegungen und Ideologien quasi „fortschrittsfeindliche“ Fragen zu stellen, ob wir den digitalen Segen in vollem Umfang überhaupt so wollen (müssen)?! Nutzen wir doch jeden sooft gescholtenen „Stillstand“ ganz bewusst als dringend notwendige, sinnvoll ausgefüllte „Nachdenkpause“ …

Manfred Pilsz

Gekürzte Fassung – Leserbrief OÖN

Meist auf „Beruhigung“ hin ausgerichtete Stimmen zur Digitalisierung bei der ARS:

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Linz – eine Stadt lebt(e) auf

Dieser BLOG-Beitrag hätte sich Lektüre & Betrachtung auf einem großen Screen verdient

Die Brucknerklänge der Missa Universalis waren eben verhallt und der Auftrittsnebel hatte im vollbesetzten Festsaal des Fadingergyms eben den Klangwolkenvordenker und –Auslöser Hubert Bognermayr auf der Bühne sichtbar werden lassen, als der Kopf von Eela Craig auch schon loslegte: „Nach meiner Vorstellung soll von den Bergen rund um Linz die Musik in den Donaupark geblasen werden und so eine Wolke aus Klang entstehen …“

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Hubert Bognermayr im Festsaal des Fadinger BRGs

Wäre dies so eins zu eins passiert, hätte es die Bäume auf der Mayrwiesen oberhalb seines elektronischen Försterhauses am Fuß des Pöstlingbergs flach legen müssen und ebenso die Vegetation am Pfenning- und Freinberg. Letztendlich ist es 79 eine Abspeckversion dieser Vision geworden, aber gewaltig genug, um die verschlafene, noch stinkende Stahlstadt Linz sehr nachhaltig in eine pulsierende, internationale Kulturzone zu switchen und mit der            1. ARS den Ruf als weltweit anerkannte Medienstadt einzuläuten.

Im Jahr davor hatte man mit der begeisterten Aufnahme der Missa Universalis der Gruppe Eela Craig durch das Linzer Publikum im Rahmen des Brucknerfests im Konzerthaus an der Donau den Grundstein zu dieser Entwicklung gelegt. So war nach der Eröffnung (1974) des Brucknerhauses nun doch noch der Ausgangspunkt für ein Alleinstellungsmerkmal eines herbstlichen Fests gefunden. Mit Experimenten wie dem Forum Design oder – Metall, dessen Exponate noch heute im Donaupark zu bewundern (?) sind, war man diesbezüglich nicht fündig geworden  …  Und so lag es denn nun an den Geburtshelfern und jahrelangen Begleitern der Klangwolke Hannes Leopoldseder und vor allem an Walter Haupt einen wahren Siegeszug dieser Idee möglich zu machen, umzusetzen und am Kochen zu halten  …

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Nagel-Ückers> Tisch der Austreibung < (- rechts: Die Nagelscheibe aus seinem Bayreuther Lohengrin-Bühnenbild) – Der Tisch hat überlebt – andere Forum-Metall- Exponate hingegen wurden „ausgetrieben“ bzw. sind mittlerweile versandet  … 

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… im obigen Bild abrufbarer Radiobeitrag von Marlene Penn

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Kurz nach der eingangs beschriebenen Infoveranstaltung wurde im September der Unterricht in den Donaupark verlegt, wo vergleichsweise zu heute ein kleines Häufchen von Technikern damit beschäftigt war auf vier Stationen unter Planen Lautsprecherboxen aufzutürmen. Zwei davon standen in Urfahr und zwei weitere Türme links und rechts des Brucknerhauses. Ein zerlegtes Orchester sollte simuliert werden, mit den hohen und tiefen Streichern auf der Linzer Seite und den restlichen Instrumenten von Urfahr kommend. Die Linzer Boxen wurden mit Zeitverzögerung so abgespielt, dass man im Klangzentrum direkt vorm Brucknerhaus das Gefühl haben sollte zentral als Dirigent die Wolke zu erleben. Im Gras ist dieser Punkt noch heute markiert durch das Forum Metall-Exponat Ellipse, doch bereits wenige Meter daneben begann sich das Klangbild je nach Boxennähe zu den einzelnen Stationen zu verschieben. Am Aufführungstag wurden im Verlauf von Bruckners Achter Teile der Verbindungskabel, die in Griffweite des Publikums über Gabelstangen gehängt waren von diesem bei einer der beiden Linzer Boxeneinheiten gekappt, sodass die volle Wucht der Streitrösser des vierten Satzes nicht wirklich zur Geltung kam. Bedingt war dies auch durch die doch eher schmalbrüstige Wattzahl von 20.000 – heute verwendet man das Achtfache und mehr … Als Visualisierung diente ein einziger Laser, mit dem auf kleine Herzballons gezielt wurde, die wiederum an der Unterseite eines großen, blauen Ballons festgemacht waren, der über dem Klangzentrum schwebte. Beim Transport der Propangasflaschen waren wir ebenso dienlich, wie beim Aufblasen der Ballons und der Film, der bei diesen Vorbereitungen entstand, brachte uns in der Folge einen der ersten Preise auf diesem Sektor ein. Der Ballondeko war weniger Erfolg beschieden, da sich am Abend dieser allerersten Klangwolke Teile des Publikums entschieden am Verankerungsseil die ganze Pracht vom Himmel herunter zu holen und das Gas freizusetzen, sodass Bruckners VIII. in der „2. Halbzeit“ (3. & 4. Satz) nicht nur klanglich mit weniger Instrumenten, sondern auch ohne wirkliche Visualisierung auskommen musste.

Ungeachtet dessen war an diesem Abend eine neue Ära in der Geschichte und Entwicklung unserer Stadt eingeläutet worden. Endlich konnte man im Café Lindy, das wir bis Anfang der Achtzigerjahre fast jedes Wochenende beglückten auch mal über wirklich interessante, ja beeindruckende Veranstaltungen und Aktionen, die in der eigenen Stadt passierten diskutieren und sich darüber freuen, dass dies nun zur Tradition wurde, ohne sofort wieder zu verkrusten. Beflügelt durch das Festival Ars Electronica bedeutete dies einen immer wieder spannenden Herbst mit ganzjähriger Nachwirkung. In diesem Aufwind segelte auch das Brucknerfest, dessen Namensgeber mit seinem Geburtstag alljährlich den Beginn dieses fruchtbaren Linzer Kulturtsunamis markierte. Während sich Ende August die Pforten der Sommerfestspiele in Salzburg, Bregenz oder Bayreuth schließen und dem grauen Alltag die Bühne überlassen, erhellen in Linz zu Schulanfang Ars und Brucknerfest im gepflegten Doppel den September. Die ersten visualisierten Klangwolken standen noch ganz im Zeichen unseres Ansfeldener Symphonikers, der sich mit seinen Orchesterwerken ganz hervorragend für die Umsetzung im öffentlichen Raum des Donauparks eignete. Bei der Mahler-Wolke gelang es den Traum des Komponisten vom sich bewegenden Orchester gleich am Beginn seiner V. beim einleitenden Marschthema zu erfüllen, indem man ein Schiff mit einer großen Lautsprechereinheit als Trauerkondukt am Publikum vorbei gleiten ließ. Legendär: Die Otto M. Zykan-Wolke … bei der wir dem Meister nach seiner 24stündigen Lesung der Odyssee im Donaupark beim Frühstück die Erlaubnis abluchsten seine Musik verfilmen zu dürfen (- ohne Dauerpräsenz des Komponisten bei den Dreharbeiten … denn das war sonst bei ihm Usus – hätten wir uns aber nicht leisten oder organisieren können) Erfolgreiches Ergebnis:Im Auge des Zyklopen

„Kultur für Alle“ – „Klassik“ aufbereitet für Jedermann & – frau … Ein wahrhaft edler und wesentlicher „Kulturvermittlungsgedanke“ zum Nulltarif der 80er, der leider verloren ging …  Heute ist die ursprüngliche „Klassische Klangwolke“ verkommen zu einem Stehkonzert im leer geräumten großen Saal des Brucknerhauses unter dem Titel „Open Classic“ – das einzige was dabei offen ist, das sind die Türen und das Programm … ein beliebiges Indoorwölkchen, fern des ursprünglichen Konzepts, als „Vorgruppe“ für die Eröffnung des Fests am Folgetag. Das eigentliche Wolkenschmuckstück ist da alljährlich dann bereits Geschichte: Die große visualisierte Klangwolke der Ars Electronica im Donaupark.

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Die Linzer  A R S  –  geboren aus der  M U S I K  …  

Was für eine Aufbruchstimmung begleitet von der Neugier des Publikums herrschte beim „Mitmachkonzert“ 1980, wie neu war der elektronische Sound von Klaus Schulze oder Isao Tomita & die „Pink Floyd -Wolke“. Damals war die Klangwolke noch ein wirkliches Experiment von Walter Haupt und nicht bloß eine „Rundum-Beschallung“ mit Feuerwerk. “Malstrom Südpol und einer der absoluten Höhepunkte:Out of Control – ja man könnte noch viele weitere, exorbitante „Aufmacher“ der folgenden Jahre anführen die Linz zur „Kulturhauptstadt“ und > city of media arts < werden ließen … Es lebe die ARS, die Wolke, die Goldene Nica und speziell die > u19 < mit ihrem MottoCreate Your World!!!

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ars sTIX.JPGImmer wieder u19-Preise der ARS für die MRG-Fadis

IMG_5877.jpgHier nun noch 2 RADIO-Beiträge zum Klangwolken/ARS-Jubiläum mit den aktiven, medialen und künstlerischen Wegbegleitern Wolfgang Winkler und Walter Haupt:                                  https://cba.fro.at/417535     und      https://cba.fro.at/408719 

 

ABSOLUTER HÖHEPUNKT IN DER FADINGER ARS-STORY:IMG_5159.JPGu19 Goldene Nica  2006Krmpf Krmpf – Studios  (und 2017)

Vor 10 Jahren waren diese Fadis NICA u19 WinnerStereonarrativer Film ARS / MEGAPLEX

Kino der Zukunft < (Diskussion im Rahmen der ARS / Radio)

Manfred Pilsz                                                                                                                                                                        (- der von 79 bis heute jede ARS & Klangwolke besucht hat … )                                                                                                      ARS & KW 017

Zauberlehrling – der Film

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25. August 2017 – Eine wahrliche OBERÖSTERREICHERIN DES TAGES

Die Pflanzen wirkten noch wie frisch gegossen – die letzten Krümel vom gehlen Namenstagskuchen, den sie wie jedes Jahr, so auch damals in den letzten Jänner-Tagen für ihren Sohn gebacken hatte, wurden vom Tortenteller gewischt – ein allerletztes Erinnerungsbild: Die viel zu schnell entschwindende Silhouette der winkenden Oma am fahl erleuchteten Fenster ihres Fernsehzimmers – nach einem letzten guten Gespräch – einer letzten Lieblingssuppe …  Das kleine Valentinsgeschenk hat sie nicht mehr erhalten …

                                                       Das war damals vor 10 Jahren im Februar …                                                       Heute hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert !

rosa oma.jpg„Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ – ein fixer Stehsatz in unserer Familie ist damals vorläufig ein letztes Mal so gesprochen worden. Denn ein erfülltes Leben voller Arbeit und Fürsorge ist jäh zu Ende gegangen. Ein vormals starkes Herz – über die Jahre schwächer geworden – hatte zu schlagen aufgehört.

Der Weg alles Irdischen war zu Ende – ein langer fast 90jähriger, manchmal auch extrem entbehrungsreicher, in jedem Fall sinnerfüllter und gerader Weg!

Über ein Jahr war sie noch „Untertanin“

Begonnen hat er in der Gegend von Rannastift, Oberkappel, Neustift im Schoß der Familie Kapfer – 1917 – noch in Monarchiezeiten. Schon bald führte der Weg das junge Mädchen aus bäuerlichem Stand vom Oberen Mühlviertel in den städtischen Bereich – die Ausbildung zur Krankenschwester machte dies notwendig.

Rosa Oma.jpg„Wer nicht gegen den Strom schwimmt, wird nie zur Quelle kommen“ – lautet die letzte Eintragung in einer Textsammlung, die Rosa Pilß hinterlassen hat:

Als der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vom Volk abgesegnet werden sollte, war Rosa Kapfer (ihr Mädchen-Name) eine der wenigen, die auf dem Recht der geheimen Abstimmung in ihrem Ort bestand und bewies so schon in jungen Jahren Rückrat und Mut. In der Folge leistete sie mehr als nur pflichtbewusst, wie später auch ihren Dienst – damals als Lazarettschwester während des 2. Weltkriegs – zuletzt dabei im Petrinum und am Gelände der heutigen Kreuzschwesternschule, wo sie im Bombenhagel der letzten Kriegswochen April/Mai 45 endlich die Befreiung erleben durfte. Der kleine steinerne Mops der sie dabei begleitet hatte, hielt bis zuletzt in ihrem Wohnzimmer am Regal bei ihr Wache …

Auch während der „Besatzungszeit“ versah sie ihren schweren Dienst – ohne wenn und aber! Mehrere schwere Operationen, die sie in den Kriegsjahren und in der Folge über sich ergehen hatte lassen müssen, beeinträchtigten u. a. ihre Hörfähigkeit & ihre Gesangsstimme nachhaltig. Während des Hochwassersommers 54 schenkte sie ihrem einzigen Sohn Manfred das Leben und gab so ihr verlorenes Talent – die Gabe des Singens – an ihn weiter. Kurz zuvor hatte sie Ing. Friedrich Pilß, den Vater des Kindes geheiratet. Beide waren im Gesundheitswesen der Stadt Linz tätig. Er als Oberamtsrat und Dipl. Krankenschwester Rosa Pilß übernahm eine Station in einem Linzer Fürsorgeheim, wo sie bis zur Pensionierung bei Tag und Nacht unermüdlich in der nicht einfachen Altenbetreuung ihren Dienst versah.

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Nach dem unerwartet frühen Tod ihres Gatten haderte sie zwar mit der Institution Kirche, nie aber mit Gott – Oft schloss sie ihre Anverwandten, besonders die junge Familie Pilsz in ihre Gebete ein. Auch ließ sie nach meist nur wenigen Worten viele hilfreiche Taten folgen. Großzügige Geschenke und Zuwendungen ermöglichten der Familie des Sohns und später speziell den Enkelkindern ein noch sorgenfreieres Leben.

Sie selbst hatte kaum irdische Bedürfnisse: Keine Auslandsreisen oder größere Veranstaltungen, kein Auto, nicht die Spur von Begehrlichkeiten geschweige denn von Luxus. – Treffen nur im kleinsten Familienkreis – am liebsten mit den ganz jungen – ihren beiden Enkelkindern,  deren Entwicklung sie genauestens beobachtete, förderte und auf die sie besonders stolz war. Das brachte ihre oft schon sehr müden Augen noch einmal zum Leuchten. Mit dem Hören war es seit geraumer Zeit schon schlecht bestellt – von Jahr zu Jahr war es um sie herum dumpfer, stiller geworden – bis dann endgültige, ja ewige Ruhe Einkehr hielt. Ihren Urenkel durfte sie nicht mehr erleben …  Der kleine Joni wurde auf den Tag genau 9 Jahre später geboren.

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Naturverbunden (wie hier am Bild im Mühl4tel) liebte sie Bergwanderungen

Im Gedenken an eine starke, selbstlose Frau, die auch jetzt immer wöchentlich besucht wird: „Ich schau´ dann noch schnell zur Rosa-Oma“ … Heute allerdings zum 100er mit noch mehr Ruhe als sonst. Dort an der Donau, wo sie einst selbst Schwäne füttern war, wenn sie den „Papa“ besucht hat – mit der Gießkanne – direkt neben der Hochzeitskirche der „Jungen“ …   Hier, wo wir nun selbst Blumen in der Hand halten und im stillen Dialog verweilen …

… in der Textsammlung von Rosa Pilß (ß = sz) findet sich auch die von Schumann so überirdisch vertonte Eichendorff´sche  „Mondnacht“

 

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

MP noch klein 5

… am 15. Geburtstag nach den Februar-Tagen 2007:

oma

Der 25. August ist auch der Geburtstag von Bayernkönig Ludwig II. sowie der Hochzeitstag v. Cosima & Richard Wagner

26-09-2018 12;04;29c.jpgSiehe auch unter:

        „Die 60er“: Linde, Titze, Sommerfrische    

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